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Aktie von Hellofresh : Kocht die Euphorie der Anleger über?

  • Aktualisiert am

Rezept plus Zutaten: Kochbox von Hello Fresh Bild: dpa

Der Versand von Kochboxen feiert Börsenrekorde. Was sagen Analysten – und hält der Trend auch für die Zeit nach Corona?

          4 Min.

          Wen es nach Jahren des Kantinen-Essens derzeit ins Homeoffice mit möglicherweise angeschlossener Kinderbetreuung verschlagen hat, der steht schnell vor der Frage: Woher bekommen ich und meine Lieben regelmäßig vernünftiges Essen auf den Tisch?

          Schon lange vor der Krise hatte Hellofresh mit seinen Angeboten Kunden im Auge, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren wollen, denen es aber zu mühsam ist, jede Woche Rezepte zu suchen, Speisepläne zu erstellen, die Zutaten im Supermarkt zu besorgen und zu Hause zu etwas Leckerem zusammenzurühren.

          Hellofresh bietet wechselnde Essensvorschläge samt Zutaten an, aus denen sich die Kunden Kochboxen für die Woche zusammenstellen können. Die Zutaten kommen gekühlt samt Rezepten im Abo per Paketdienst nach Hause. Wer mehr bestellt, bekommt die Portion günstiger. Kochen muss man selbst, aber die Menge der Zutaten passt zum Gericht, und binnen 30 Minuten soll das Essen fertig sein.

          Seit Dominik Richter und Thomas Griesel ihre Geschäftsidee nach ersten Tests im Jahr 2011 Wirklichkeit werden ließen, hat das Berliner Unternehmen eine steile Wachstumskurve hingelegt. Mit Geld gefüttert vom Startup-Entwickler Rocket Internet , dehnte Hellofresh sein Geschäft von Deutschland aus ins Ausland aus. Inzwischen ist Hellofresh in zwölf Ländern vertreten, darunter sind neben Österreich und der Schweiz auch Australien und die USA. Im vierten Quartal 2019 zählte das Unternehmen fast drei Millionen aktive Kunden und lieferte fast 80 Millionen Mahlzeiten aus.

          Bereits 2017 brachte Rocket Internet Hellofresh an die Börse. Im Mai 2019 stieg der Startup-Entwickler als Anteilseigner aus. Dem Aktienkurs von Hellofresh tat dies keinen Abbruch. Ausgerechnet in der Corona-Krise stieg das Unternehmen im März sogar aus dem Kleinwerte-Index SDax in den M-Dax der mittelgroßen deutschen Börsentitel auf - und überraschte wenige Tage später mit glänzenden Geschäftszahlen.

          Nach vorläufigen Berechnungen dürfte der Umsatz im ersten Quartal demnach auf 685 bis 710 Millionen Euro gestiegen sein. Das wäre rund zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor und mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) soll 55 bis 75 Millionen Euro erreicht haben - nach einem Verlust von 26 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

          Bisher wagte es das Management nicht, den jüngsten Boom auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Man könne die durch die Pandemie hervorgerufenen Unsicherheiten und die Folgen für das Geschäft derzeit nicht beziffern, hieß es zur Begründung. Dennoch gehen Richter und Griesel weiterhin davon aus, den Umsatz 2020 währungsbereinigt um 22 bis 27 Prozent steigern zu können. Davon sollen 4,0 bis 5,5 Prozent als bereinigtes Ebitda übrig bleiben. Im ersten Quartal lief es schon einmal deutlich besser.

          Die Anteile des Kochboxen-Herstellers sind einer der großen Gewinner am Aktienmarkt im Corona-Crash. Während der M-Dax im Zuge der seit Mitte Februar zur Pandemie ausgewachsenen Viruswelle rund ein Viertel unter seinem damaligen Rekordniveau liegt, ging es für Hellofresh um 37 Prozent nach oben. Noch stärker haben im M-Dax in diesem Zeitraum nur die Papiere von Teamviewer , einem Anbieter von Software zur Fernwartung von Computern und Videokonferenzen, zugelegt.

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