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Zehn Jahre Lehman-Pleite : „Schwer, mit jemandem zu diskutieren, der sich für Gott hält“

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„Ich hab mich wie Noah gefühlt“, sagt Steve Eisman über sein Verhalten bevor die Finanzkrise eskalierte. Bild: AFP

Steve Eisman sah die Finanzkrise kommen und setzte rechtzeitig auf fallende Kurse. Er erinnert sich zurück – und vergleicht sich mit einer Figur aus der Bibel.

          Vor zehn Jahren eskalierte die Finanzkrise mit dem Zusammebruch der amerikanischen Bank „Lehman Brothers“ – Aktienkurse rund um den Globus fielen, weitere Geldhäuser gerieten in Not oder gingen Pleite. Aber einige sahen die Katastrophe kommen und verdienten durch entsprechende Anlagen sogar prächtig daran, zum Beispiel der New Yorker Hedgefonds-Manager Steve Eisman. Seine Geschichte wurde im Jahr 2015 in dem Film „The Big Short“ nacherzählt, in dem er von Steve Carrell gespielt wird.

          „Ich hab mich wie Noah gefühlt“, sagt der inzwischen ergraute Anleger. Damit meint er die biblische Figur, die die Sintflut kommen sah und die Arche baute. Zwischen den Jahren 2004 und 2007 arbeitete er für den Hedgefonds FrontPoint Partners. Damals hatten zahlreiche Banken schlecht abgesicherte Kredite einkommensschwacher Hausbesitzer zu Finanzprodukten gebündelt und mit einer guten Bonität versehen. Ein komplizierter Prozess, den auch Eisman trotz seines Jura-Abschlusses von der Harvard-Universität nicht sofort durchblickte. Doch er stellte schnell fest, dass er damit nicht alleine war.

          „Wo die nächste Krise passiert, weiß ich auch nicht“

          Zahlreiche Banken waren sehr freizügig, wenn es um die Vergabe von Immobilienkrediten ging. Und nur wenige hinterfragten diese Praxis, kritisiert Eisman: „Wie kann jemand ein Hypothekendarlehen vergeben, wenn der Kunde sich nur die Zahlung der ersten drei Jahre leisten kann?“

          In seinem Misstrauen wandte Eisman sich damals an die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s, die den gebündelten Finanzprodukten ihre Bestnote „AAA“ verliehen hatte. Ihre Berechnungsmodelle enthielten keine negativen Szenarien, bekam er zu hören. Doch Eisman blieb skeptisch – und war mutig: Er wettete auf sinkende Preise in der Immobilienbranche.

          Schon zu Beginn des Jahres 2007 konnten immer mehr einkommensschwache Hausbesitzer ihre Darlehen wegen steigender Zinsen nicht mehr abzahlen. Not leidende Kredite wurden derweil weiter zu Wertpapieren gebündelt und von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht. Investoren, die auf weiter steigende Immobilienpreise gesetzt hatten, zogen sich zurück, die Preise gerieten ins Wanken. Innerhalb von acht Monaten machten 84 Immobilienkreditfirmen pleite.

          Eisman wurde also immer reicher: Aus 700 Millionen Dollar (heute 600 Millionen Euro) wurden 1,5 Milliarden und noch mehr. Er hält Banker und Wertpapierhändler für verantwortlich für die Finanzkrise, die erst die Vereinigten Staaten und dann die ganze Welt erfasste. „Es ist sehr schwer, mit jemandem zu diskutieren, der sich für Gott hält, weil er viel Geld verdient“, sagt er.

          Heute gehört Eisman zu den einflussreichen Persönlichkeiten der Wall Street. Immer wieder fragen sie ihn, wo die nächste Krise lauert. „Aber darauf habe ich schlicht keine Antwort – und möchte diese Frage auch nicht beantworten.“ Mit dem Wetten aufgehört hat er nicht. Erst kürzlich machte Eisman wieder Kasse: Er spekulierte darauf, dass der Kurs der Deutschen Bank fällt, eine „Problem-Bank“ nach seiner Meinung.

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