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Hedge Fonds : Man Group erhöht Gewinn um zehn Prozent

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Die weltgrößte Hedge-Fondsgesellschaft Man Group hat im Geschäftsjahr bis Ende März den Gewinn um zehn Prozent gesteigert. Dazu haben vor allem Privatinvestoren beigetragen, die mehr Gebühren zahlen als institutionelle Investoren.

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          Die weltgrößte Hedge-Fondsgesellschaft Man Group hat im Geschäftsjahr bis Ende März den Gewinn um zehn Prozent gesteigert. Dazu haben vor allem Privatinvestoren beigetragen, die mehr Gebühren zahlen als institutionelle Investoren. Darüber hinaus stieg das verwaltete Vermögen auf 43 Milliarden Dollar.
          Die Papiere des Unternehmens reagierten freundlich: Der Aktienkurs stieg in der Spitze 6,5 Prozent, das ist der größte Tagesgewinn seit zehn Monaten.

          In ihrem Jahresbericht dämpfte die Man Befürchtungen von Anlegern in Bezug auf Verluste und Kapitalabflüssen bei Hedge Fonds. Vorstandschef Stanley Fink sagte am Donnerstag in einem Interview mit Bloomberg News, für Hedge Fonds sei es ein "schlechtes Jahr" aber die Anleger investierten weiter in die Fonds der Gruppe. Im März und April habe ein neuer Fonds mehr als 435 Mill. Dollar eingesammelt.

          Man Group als Barometer für die Branche

          "Man Group ist ein ziemlich gutes Barometer für die ganze Branche und es sieht nicht nach einer größeren Katastrophe aus", kommentierte Ian Henderson, Fondsmanager des JPMorgan European Financials Fund.

          Man Group erzielte einen Rekord-Nettogewinn von 608 Millionen Dollar, nach 552 Millionen Dollar im Vorjahr. Die Gesellschaft wies erstmals das Jahresergebnis in Dollar aus. Der Gewinnanstieg ist zwar der kleinste seit dem Jahr 2000, lag aber höher als die Prognose von drei der fünf von Bloomberg befragten Analysten.

          Die Bruttokapitalzuflüsse von 12,1 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2005 kamen nach Angaben von Fink zur Hälfte von privaten Anlegern, die im Schnitt zwei Prozentpunkte mehr Gebühren zahlen als institutionelle Investoren. Insgesamt stiegen die Erlöse aus der Vermögensverwaltung für Anleger 34 Prozent auf 614 Millionen Dollar. Die performanceabhängigen Gebühren, die Man Group einnahm, gingen im vergangenen Geschäftsjahr um 50 Prozent auf 119 Millionen Dollar zurück. Analysten hatten mit rund 81 Millionen Dollar gerechnet.

          Elf der größten Man-Fonds verzeichneten in den vergangenen zwölf Monaten einen durchschnittlichen Wertverlust von 0,95 Prozent. "Wir wissen, daß unser Überleben langfristig von unserer Performance abhängt", äußerte sich Fink in einer Telefonkonferenz. Der 1,8 Milliarden Dollar schwere AHL Diversified Fund, das Flaggschiff der Gruppe, verlor in den zwölf Monaten bis Ende März 1,2 Prozent, zeigen Daten der Man Group. Dagegen verzeichneten Hedge Fonds im gleichen Zeitraum einen durchschnittlichen Wertzuwachs von sieben Prozent, zeigt der Credit Suisse Forst Boston/Tremont Index.

          Aktienkurs zeigt Konsolidierungstendenzen

          Der Anstieg des verwalteten Kapitals lag mit zwölf Prozent unter dem Branchendurchschnitt von 16 Prozent. "Die Gesellschaft wächst nicht so schnell wie in früheren Jahren, aber wenn es einmal ein Jahr nicht so gut läuft, ist das noch lange nicht das Ende", erklärte Andy Strathdee, Fondsmanager bei Baillie Gifford & Co. in Edinburgh. "Die Zahlen zeigen, daß der Markt die Aktie zu negativ bewertet hat."

          In den zwölf Monaten bis Ende März flossen netto 4,5 Milliarden Dollar in die Fonds der Man Group, nach 7,3 Milliarden Dollar im vorhergehenden Geschäftsjahr. Fink begründete den Rückgang zum einen mit dem Verkauf einer Sparte, die eine Milliarde Dollar verwaltete, und zum anderen mit dem planmäßigen Auslaufen eines Mandats, wodurch 3 Milliarden Dollar abgezogen wurden.

          Man Group ist neben der ebenfalls in London angesiedelten RAB Capital die einzige börsennotierte Hedge-Fondsgesellschaft weltweit. Damit bietet sie Anlegern eine der wenigen Möglichkeiten, einen näheren Einblick in die Branche zu gewinnen. Hedge Fonds sind kaum regulierte Investmentpools für institutionelle Investoren und sehr vermögende private Anleger, die sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen an den Märkten Gewinne erzielen können.

          Der Aktienkurs von Man Group ist in den vergangenen zwölf Monaten 20 Prozent eingebrochen, während der britische Benchmarkindex FTSE 100 rund 13 Prozent zugelegt hat. Beschleunigt hat sich die Talfahrt der Man-Group-Aktie, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität des amerikanischen Autoherstellers General Motors auf Juniniveau senkte und dies bei den Anlegern Befürchtungen weckte, daß Hedge Fonds hohe Verluste erlitten haben könnten.

          In den nächsten zwei Jahren werden bis zu 1.600 der derzeit 8.000 Hedge Fonds entweder pleite gehen oder schließen und den Anlegern ihr Geld wiedergeben, heißt es in einem Bericht des Centre for Economics and Business Research in London in der vergangenen Woche. Insgesamt verwalten Hedge Fonds mehr als eine Billion Dollar, geht aus Daten von Hedge Fund Research in Chicago hervor.

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