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Hedge-Fonds : Im Labyrinth der Hochfinanz

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Verschwunden im selbstgebauten Labyrinth: Der Hedge-Fonds-Betrüger Yalincak Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ein New Yorker Student hat als angeblicher Hedge-Fonds-Manager 7,4 Millionen Dollar eingesammelt - und wirft so ein schlechtes Licht auf die wenig kontrollierte Hedge-Fonds-Szene. Die Familie des Betrügers ist bereits einschlägig bekannt.

          In New York muß man derzeit offenbar nur das Wort „Hedge-Fund“ sagen, um von wohlhabenden Anlegern Millionen überwiesen zu bekommen. Das ist eine Lehre aus der Geschichte des 22 Jahre alten ehemaligen New Yorker Studenten Hakan Yalincak, der sich in dieser Woche vor einem Bundesgericht in New Haven in zwei Fällen des Betrugs schuldig bekannt hat. Yalincak war im vergangenen Jahr eine Woche vor der Abschlußfeier der New York University (NYU) verhaftet worden. Er hat sich als Sproß einer reichen türkischen Familie ausgegeben und so 7,4 Millionen Dollar für seinen Fonds eingesammelt.

          Der Haken für die Anleger: Der Fonds mit dem symbolträchtigen Namen „Daedalus Capital Relative Fund I“ hatte zwar eine Adresse im Hedge-Fonds-Mekka Greenwich, Connecticut, nördlich von New York. Aber er existierte gar nicht. Yalincak hat sich von dem Geld laut Anklage einen Porsche, einen Diamanten von Tiffany's, eine teure Brille und Lebensversicherungen gekauft. Den Investoren schickte er gefälschte Kontoauszüge.

          Wenig kontrollierte Anlagevehikel

          Der Fall ist der jüngste einer ganzen Reihe von Betrugsfällen in der in den vergangenen Jahren stark gewachsenen Branche. Hedge-Fonds sind wenig kontrollierte Anlagevehikel für reiche Privatanleger und Institutionen. Im vergangenen Jahr ging der Hedge-Fonds Bayou aus Stamford, Connecticut, pleite. Dessen Geschäftsführer haben betrügerische Machenschaften eingeräumt. Zuvor war der Fonds KL Financial in Palm Beach, Florida, kollabiert. Dort ermittelt die Bundespolizei FBI. Die Fonds gehörten zwar nicht zu den Großen der Branche. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Connecticut, Richard Blumenthal, drängt dennoch auf eine verschärfte Regulierung dieser Kapitalgesellschaften.

          Yalincak und seine Familie bemühten sich um eine perfekte Fassade. So spendeten sie 1,25 Millionen Dollar für einen Hörsaal an der New Yorker Universität. Das Geld stammte von Anlegern des fingierten Hedge-Fonds. Den Bericht über die Spende in der Uni-Zeitung, der die Yalincaks auf einem Foto mit hochrangigen NYU-Vertretern präsentierte, nutzten sie als Beleg für ihren Reichtum. Der NYU versprachen die Yalincaks zudem weitere 19,75 Millionen Dollar. Damit sollten ein neues Gebäude sowie eine Professur in Osmanistik finanziert werden.

          Eine Familie in betrügerischer Mission

          Die Universität hat angekündigt, das Geld zurückzuzahlen, wenn ein Gericht entscheiden sollte, daß es aus einer rechtswidrigen Quelle stammt. Damit ist zu rechnen. Die Staatsanwaltschaft warf dem als intelligent, hartnäckig und energiegeladen beschriebenen Studenten Hakan auch vor, gefälschte Schecks im Wert von 43 Millionen Dollar ausgestellt zu haben. Damit wollte er offenbar New Yorker und Schweizer Banken hinters Licht führen, um mißtrauisch gewordene Anleger seines Hedge-Fonds auszuzahlen. Das FBI setzte dem Treiben dann ein Ende.

          Die betrügerische Ader liegt in der Familie. Auch Hakans Mutter, Ayferafet Yalincak, muß sich Betrugsvorwürfen in Zusammenhang mit dem Hedge-Fonds stellen. Es ist zudem nicht das erste Mal, daß die Familie in betrügerischer Mission aufgefallen war.

          Der deutsche Pastor Michael Walter, stellvertretender Vorsteher der Siebenten-Tags-Adventisten in Baden-Württemberg, war 1991 in Japan mit den Yalincaks zusammengetroffen. Die Mutter, laut Walter Wortführerin der Familie, hatte sich damals überzeugend als Mitglied der Adventisten-Gemeinde ausgegeben und Walter um einen Kredit in Höhe von umgerechnet 3500 Euro gebeten. Das Geld war als Anzahlung für ein Apartment gedacht, weil ihr Mann in Japan angeblich eine medizinische Fortbildung machen sollte.

          „Unter moralischem Druck“

          Walter, damals Pastor in Tokio, lieh ihnen schließlich das Geld. Als er sie ein paar Wochen später besuchen wollte, war die Familie verschwunden. „Sie haben mich unter moralischen Druck gesetzt, weil man in Not geratenen Gemeindemitgliedern doch helfen will“, sagt Walter. Zu den Geschädigten in Japan gehörten auch eine katholische Nonne, ein Wohnungsmakler und der Kreditkartenkonzern American Express.

          Mitte der neunziger Jahre haben die Yalincaks einen Pastor in Indianapolis um mehrere tausend Dollar geprellt. Ayferafet Yalincak, die sich damals unter falschem Namen und mit gefälschter Lizenz als Ärztin ausgegeben hatte, wurde später in Connecticut aufgegriffen und verbrachte zwei Jahre im Gefängnis.

          Das Studium auf der NYU scheint ihrem Sohn Hakan immerhin auch etwas Bildung gebracht zu haben. Bei der Taufe seines fingierten Daedalus-Capital-Fonds bediente er sich nämlich in der griechischen Mythologie. Daedalus war der Baumeister, der das Labyrinth für den König Minos auf der Insel Kreta gebaut hat. Aus seinem eigenen selbstgebauten Labyrinth ist Hakan jetzt nicht mehr entkommen. „Schuldig, Euer Ehren, es tut mir leid“, sagte er vor Gericht. Ihm drohen im schlimmsten Fall 50 Jahre Gefängnis.

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