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Hedge Fonds : Die Anlageideen werden knapp

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Bild: Robeco

In manchen Bereichen machen Hedge Fonds mittlerweile das Gros des Marktes aus. Ihr eigener Erfolg wird zum größten Feind: Marktineffizienzen, die sie ausgenutzt haben, verschwinden.

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          Die Wertentwicklungszahlen für Hedge Fonds hat einen Haken: die sogenannte „survivorship bias“. Nur die überlebenden Fonds werden von den Statistiken erfaßt. "Man legt vier Fonds auf, läßt den besten weiterlaufen und schließt die restlichen. Diese Zahlen sind also nicht repräsentativ", sagt Berg. Die jährliche Ausfallrate von Hedge Fonds ist ebenso unsicher wie die Wertentwicklung, sie wird in Studien auf bis zu sieben Prozent jährlich geschätzt, wobei allerdings nicht alle Fonds schließen, weil sie Probleme mit der Wertentwicklung haben.

          Die Wertentwicklung der Hedge Fonds, so glauben Kritiker, könnte in den kommenden Jahren allerdings leiden, denn je mehr Kapital in dieses Geschäft drängt, um so geringer werden die Anlagechancen. Viele Marktineffizienzen, die von Hedge Fonds in der Vergangenheit ausgenutzt wurden, verschwinden nämlich, je mehr Marktteilnehmer sich auf diese Nischen stürzen.

          In manchen Segmenten, so beobachtet Berg, machen Hedge Fonds mittlerweile das Gros des Marktes aus, beispielsweise bei den sogenannten distressed securities, also Unternehmen, die in Schwierigkeiten geraten sind, oder bei Wandelanleihen. Im amerikanischen Markt für notleidende Forderungen, so schätzt Greenwich Associates, machen Hedge Fonds rund 80 Prozent des Handelsvolumens aus. Berg schätzt, daß mehr als die Hälfte der täglichen Umsätze an der New Yorker Börse durch Hedge Fonds getätigt wird.

          Hebel wird überschätzt

          Womit man auch bei der Kernfrage nach Sinn und Unsinn von Hedge Fonds ist: Tragen diese zur Stabilisierung des Weltfinanzsystems bei, oder können sie die Kapitalmärkte in den Abgrund stürzen? Hier gibt es - wie so oft in der Ökonomie - zwei komplett widersprüchliche Ansichten. Die Vertreter der Instabilitätsthese warnen vor einem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems, den Hedge Fonds auslösen könnten, weil sie mit Hilfe von Derivaten oder Krediten viel größere Anlagesummen bewegen können, als sie tatsächlich an Kapital eingesammelt haben.

          Allerdings wird dieser sogenannte Hebel, also das Ausmaß, in dem Hedge Fonds die Möglichkeit zur Ertragssteigerung nutzen, von der Öffentlichkeit zumeist überschätzt. Schätzungen zufolge ist dieser Hebel bei mehr als der Hälfte aller Hedge Fonds kleiner als das Verhältnis zwei zu eins. Will heißen: Auf jeden Dollar Kapital kommen zwei kreditfinanzierte Dollar. Rund 30 Prozent der Hedge Fonds nutzen überhaupt keine Hebelung (Leverage), und nur in wenigen Fällen liegt es exorbitant hoch bei zehn zu eins.

          Damit Hedge Fonds zu einer Instabilität des Finanzwesens führen können, muß ein Übergreifen der Störung in das Bankensystem erfolgen - beispielsweise, indem das Bankensystem zu hohe Kredite an Hedge Fonds vergeben hat. Eine andere Möglichkeit der Destabilisierung der Finanzmärkte durch Hedge Fonds könnte darin bestehen, daß sie ein Herdenverhalten an den Finanzmärkten auslösen. Genausogut vorstellbar ist es aber, daß Hedge Fonds solchem Herdenverhalten gegensteuern, wenn sie eine Übertreibung im Markt erkennen, und dagegenhalten, weil sie eine Gegenbewegung zur Übertreibung erwarten.

          In dieser optimistischen Lesart sind Hedge Fonds sogar stabilisierend, da sie sich Herdentrieben entgegenstellen und Finanzmärkte mit Liquidität versorgen - eine wichtige Voraussetzung für eine Reduktion von Kursschwankungen. Diese Überlegungen werfen natürlich die Frage auf, ob und, wenn ja, wie Hedge Fonds zu regulieren sind.

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