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Hauptversammlung : Deutsche Börse sucht dringend Übernahmekandidaten

Börsenchef Theodor Weimer Bild: dpa

Die Aktionäre des Börsenbetreibers plagen auf der Hauptversammlung vor allem Luxusprobleme. Chef Weimer muss die hohen Überschüsse in sinnvolle Zukäufe lenken.

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          Immerhin rund drei Stunden hat sie gedauert, die erste virtuelle Hauptversammlung der Deutschen Börse. Schließlich will der Frankfurter Börsenbetreiber Vorbild sein. „Wir werden nicht nach Ermessen nur einige Ihrer Fragen beantworten, wie es der Gesetzgeber vorsieht, sondern alle Fragen“, teilte Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Faber mit. 81 Stück waren das und damit deutlich mehr als die 46 Fragen im Jahr zuvor.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch scharfe Kritik blieb dieses Mal aus. Warum auch? Die Deutsche Börse ist ein Krisengewinner. Die Aktie notiert nahe ihrer Rekordkurse. Die Dividende steigt. Das erste Quartal brachte einen nie dagewesenen Umsatzsprung um 27 Prozent auf 915 Millionen Euro. Der Überschuss legte sogar um 33 Prozent auf 387 Millionen Euro zu. Die Aktionäre hatten daher eher Fragen eingereicht, warum die Jahresprognose von 1,2 Milliarden Euro Gewinn nur bestätigt, aber nicht angehoben wurde. Luxusprobleme im Vergleich zu den meisten anderen Unternehmen.

          Aktionäre vertröstet

          Genauso wie der hohe Geldbestand, den die Börse einfach nicht sinnvoll ausgegeben bekommt. Auf zwei Milliarden Euro bezifferte ihn der Vorstandsvorsitzende Theodor Weimer. Geld das sofort für Zukäufe bereitstünde, wenn, ja wenn die Börse endlich ein sinnvolles Zielobjekt fände. Hier vertröstete Weimer die Aktionäre auf das vierte Quartal. Dann soll die Strategie „Compass 2023“ die bisherige „Roadmap 2020“ ablösen. Zukäufe sollen dabei eine wichtige Rolle spielen, aber keine transformatorischen Abenteuer, wie sie eine Fusion mit der Londoner Börse gewesen wäre. Die strategische Breite des Unternehmens biete viele Anknüpfungspunkte für Zusammenschlüsse.

          DT. BÖRSE

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          Weimer zeigte sich gewohnt optimistisch: „Wir lassen uns nicht von Schwarzmalerei anstecken. Unsere Zeit ist zu kostbar für Schwanengesänge. Wir machen das Beste aus jeder Situation.“ Er bekräftigte auf Rückfragen, dass er „natürlich“ anstrebe, seinen gerade verlängerten Vertrag bis Ende 2024 zu erfüllen. Ob er zwischenzeitlich den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank übernehme? Das sei pure Spekulation.

          Im Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Börse gab es hingegen einen Wechsel. Für Joachim Faber bedeutete die etwas trostlose Veranstaltung in der leeren Jahrhunderthalle in Frankfurt am Dienstag im Alter von nun 70 Jahren den Abschied vom Amt. Der IBM-Manager Martin Jetter wurde zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Für Faber rückt in den Aufsichtsrat der frühere Deka-Vorstandsvorsitzende Michael Rüdiger nach.

          Fast 76 Prozent der Aktien nahmen an den Abstimmungen zur Tagesordnung teil. Lediglich das Vergütungsprogramm für den Vorstand erhielt mit 65 Prozent eine geringere Zustimmung. Ein kleiner Denkzettel zum Abschied von Joachim Faber, der einst schon viel Kritik für die üppige Vergütung des vorherigen Vorstandsvorsitzenden Carsten Kengeter einstecken musste. Faber stellte zum Abschied klar: „Das System hat damals 85 Prozent Zustimmung der Aktionäre bekommen und ist gut, transparent und es funktioniert.“ Schließlich seien Gewinn und Aktienkurs in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

          Dass es anderen Börsen noch besser ergangen ist, räumte Faber nicht zuletzt im Gespräch mit der F.A.Z. ein. Entsprechende Fragen, was denn nötig sei, um auf Augenhöhe mit den größten Börsen der Welt in Asien und Amerika zu kommen, wurden jedoch unkonkret beantwortet. Dazu sei ein ganzer Strategie-Workshop nötig. Aber vielleicht absolviert die Börse den ja bis zum vierten Quartal, wenn der „Compass 2023“ den Weg in die Zukunft weist.

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