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Bund nimmt Einfluss : Harald Christ soll Aufsichtsrat der Commerzbank werden

Harald Christ Bild: Julia Zimmermann

Ungewöhnlicherweise diente Christ schon zwei Ampelparteien – SPD und FDP – als Schatzmeister und war in vielen Unternehmen im Finanzsektor tätig. Seine sprunghafte Karriere nimmt nun eine neue Wendung.

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          Das Bundesfinanzministerium plant nach Informationen aus Finanzkreisen, den 50 Jahre alten Harald Christ in den Aufsichtsrat der seit Winter 2008/2009 teilverstaatlichten Commerzbank zu entsenden. Christ hat ungewöhnlicherweise zwei Ampelparteien, SPD und FDP, schon als Schatzmeister gedient. Er soll nach der Hauptversammlung Ende Mai Frank Czichowski ersetzen. Der frühere Treasurer der staatlichen Förderbank KfW ist seit dem Jahr 2020 einer der beiden Vertreter der Bundesregierung im Commerzbank-Aufsichtsrat. Die zweite, Jutta Dönges, soll dagegen ihre Tätigkeit auch über die nächste Hauptversammlung hinaus ausüben, obwohl sie im Oktober als Geschäftsführerin der Finanzagentur des Bundes ausgeschieden ist.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit diesen Personalien, die am Donnerstag in Finanzkreisen bestätigt wurden, lässt das von Christian Lindner (FDP) geführte Ministerium zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage seinen Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats der zweitgrößten börsennotierten deutschen Bank spüren. Am Samstag war bekannt geworden, dass der frühere Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nach der Hauptversammlung den Aufsichtsratsvorsitz von Helmut Gottschalk übernimmt.

          Den Aufsichtsratschef aus dem Kreis seiner eigenen Vertreter zu stellen, scheut der Bund, obwohl er mit 15,6 Prozent größter Aktionär ist. Aber auch Weidmanns Verpflichtung geht nach F.A.Z.-Informationen auf Florian Toncar (FDP) zurück, den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

          Christ gilt als hemdsärmelig

          Anders als der Notenbanker und promovierte Volkswirt Weidmann gilt Harald Christ als hemdsärmelig. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Stadtwerken seiner Heimatstadt Worms arbeitete Christ in der Bausparkasse BHW, in der Deutschen Bank, in der Hamburger Kapitalanlagegesellschaft HCI, in der West LB und in der Postbank. Damit sind nur einige Stationen seiner sprunghaften Karriere aufgezählt, die ihn 2016 bis in den Vorstand des Versicherers Ergo brachte. Heute ist Christ Vorsitzender der Ergo Stiftung, Aufsichtsratsvorsitzender der börsennotierten Hamburger Reederei Ernst Russ und selbständiger Kommunikationsberater.

          Sein 2019 erfolgter Wechsel zur FDP, nachdem er zuvor der SPD 31 Jahre angehört und 2009 im Schattenkabinett von Bundeskanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier aufgetaucht war, macht sich nun bezahlt. Obwohl Mitglied der in der Commerzbank stark vertretenen Gewerkschaft Verdi, wird Christ im Commerzbank-Aufsichtsrat die Aktionärsinteressen des Bundes zu vertreten haben.

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