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Technische Probleme : Deutschland mal wieder ohne Dax

Blick aufs Frankfurter Parkett Bild: Reuters

Die Handelsunterbrechung am Morgen dauerte drei Stunden und auch wichtigste Derivate-Börse in Europa war betroffen. Die Deutsche Börse will den Fehler beseitigt haben.

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          Wer Millisekundenhandel gewohnt ist, für den sind Minuten schon eine quälend lange Zeiteinheit. An der Frankfurter Börse gingen am Mittwoch aber für drei Stunden im wichtigsten Handelssystem keine Aufträge durch, also gut 10 Millionen Millisekunden. Kein Dax, keine Aktienkurse, aber auch keine wichtigen Signalgeber für den europäischen Anleihemarkt wie den Bund-Future, da auch die Derivatebörse Eurex von den Handelsausfällen betroffen war. Ebenso die Energiebörse EEX in Leipzig und die Börsen in Wien, Budapest, Prag, Sofia, Zagreb, Ljubljana und auf Malta, die das deutsche Handelssystem T7 nutzen.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es wurde 2017 für den Aktienhandel eingeführt und hat das alte Xetra-Handelssystem ersetzt. Das läuft derzeit noch auf dem Frankfurter Parkett – und auch am Mittwoch reibungslos. Doch seine Tage sind gezählt. Am 24.August soll für Xetra endgültig Schluss sein und auch der Parketthandel auf T7 überführt werden.

          „Wir haben die Ursache genau verstanden und den Fehler beseitigt“

          Warum aber das alte zuverlässige System durch das anfällige ersetzen? Das sieht die Deutsche Börse anders. Sie hält T7 für leistungsfähiger. Warum es nun dennoch schon wieder zu einem längeren Handelsausfall kam, nachdem schon am 14.April über mehr als vier Stunden die Systeme stillstanden, das begründet sie mit einer „fehlerbehafteten zugekauften Software“. Dies sei auch schon am 14.April der Grund gewesen. „Wir haben die Ursache genau verstanden und den Fehler beseitigt“, heißt es von der Börse.

          „Das System läuft jetzt stabil. Wir erwarten, dass das so bleibt.“ Das erwarten auch die Marktteilnehmer. Sie registrieren aufmerksam die Anfälligkeit. „Wir haben natürlich einen Plan B für solche Fälle“, sagt Christoph Hock, Leiter des Wertpapierhandels der Fondsgesellschaft Union Investment. „Wenn wir in der Zeit des Systemausfalls dringend handeln müssen, dann arbeiten wir mit großen Brokern zusammen oder weichen auf Handelsinstrumente an anderen globalen Börsenplattformen aus.“

          Orientierungslosigkeit bei deutschen Werten

          Doch die Qualität der Kurse sei ohne den Referenzmarkt der Deutschen Börse schlechter. Die Union Investment wägt dann ab zwischen den höheren Handelskosten während des Systemausfalls und dem Risiko, mit einer geplanten Handelstransaktion abzuwarten, bis die Systeme wieder funktionieren, auf die Gefahr hin, dass wichtige unternehmerische oder weltwirtschaftliche Ereignisse die Kurse in die falsche Richtung bewegen könnten. „Die letzten Ausfälle waren zum Glück an eher ruhigen Handelstagen, so dass wir nicht zwingend handeln mussten“, sagt Hock. „Wir haben aber bei der Börse auch deutlich unseren Wunsch hinterlegt, die Dauer der Handelsunterbrechungen künftig erheblich zu verkürzen.“

          In solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig der Referenzmarkt für alle Marktteilnehmer ist. Rund 70 Prozent des Umsatzes in Dax-Aktien werden an der Deutschen Börse über T7 abgewickelt. Fällt das System aus, herrscht Orientierungslosigkeit bei deutschen Werten, auf den alternativen Handelsplätzen gehen die Umsätze zurück und die Unsicherheit wird mit höheren Kosten bezahlt. Einige Marktteilnehmer fragen sich, ob es wirklich sinnvoll ist, die Derivatebörse Eurex über dasselbe System laufen zu lassen wie den Aktienhandel.

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