https://www.faz.net/-gv6-9s016

Unter Druck : Handelsstreit und Brexit belasten die Börsen

  • Aktualisiert am

Näherin in China: Exportbranche leidet unter Handelskrieg Bild: dpa

Investoren und Anleger glauben immer weniger an eine schnelle Lösung des Konflikts zwischen Amerika und China. Darüber hinaus belasten weitere Krisen die Finanzmärkte.

          2 Min.

          Wachsende Zweifel an einer Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und China in den geplanten Handelsgesprächen machen den europäischen Börsen zu schaffen. Außerdem wuchs am Dienstag die Furcht vor einem chaotischen Brexit. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils rund ein Prozent auf 11.961 und 3435 Punkte.

          An der amerikanischen Börse setzte ein Medienbericht über eine mögliche Beschränkung amerikanischer Investitionen in China den an der Wall Street notierten Aktien chinesischer Firmen zu. Die Aktienkurse der Online-Händler Alibaba und JD.com oder des Suchmaschinen-Betreibers Baidu verloren bis zu 2,9 Prozent. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge will die amerikanische Regierung vor allem Käufe chinesischer Aktien durch staatliche Pensionsfonds beschneiden.

          Ungeachtet dessen ermuntert ein kräftiges Absatzplus Anleger zum Einstieg in die Aktien des chinesischen Elektroautobauers Nio. Die in Amerika notierten Aktien steigen vorbörslich um 8,4 Prozent. Die Papiere des amerikanischen Rivalen Tesla büßten dagegen 1,1 Prozent. Nio steigerte die Auslieferungen im dritten Quartal um 35 Prozent auf 4799 Fahrzeuge.

          Europäischen Anlegern bereiten die Angaben eines Insiders Bauchschmerzen, wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Gespräch mit Premierminister Boris Johnson einen Deal als überaus unwahrscheinlich bezeichnete. Das sei zwar eine schlechte Nachricht, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Letztlich laufe dies aber auf einen erneuten Aufschub des EU-Ausstiegs Großbritanniens und Neuwahlen hinaus.

          GBP/EUR

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Das Pfund Sterling ging dennoch auf Talfahrt. Es verbilligte sich um bis zu 0,7 Prozent auf 1,2209 Dollar und markierte mit 1,1109 Euro ein Vier-Wochen-Tief. Einige Experten bezweifelten, dass Brexit-Hardliner Johnson den Aufschub beantragen wird, zu dem ihn das Parlament bei einem Scheitern der Gespräche verpflichtet hat. Er hat betont, lieber „tot im Graben“ liegen zu wollen. Die oppositionelle Labour Party rief die Unterhaus-Abgeordneten dazu auf, gemeinsam einen von Johnson erzwungenen chaotischen Brexit zum 31. Oktober zu verhindern.

          Britischen Personalvermittlern verhagelt dieses Hickhack bereits das Geschäft. Pagegroup und Robert Walters begründeten ihre enttäuschenden Zahlen unter anderem mit der Verunsicherung durch den Brexit-Streit. Die Aktien der beiden Unternehmen stürzten in London um jeweils mehr als zehn Prozent ab.

          Kleinster Nenner

          Unterdessen bereiteten sich die beiden weltgrößten Volkswirtschaften auf die für Ende der Woche geplanten Gespräche zur Beilegung ihres Zollkonfliktes vor. „Eine kleine, eng begrenzte Einigung scheint möglich“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. „Aber selbst das könnte sich als Wunschdenken entpuppen, da die Positionen beider Seiten zu weit auseinander liegen.“

          Amerikas Präsident Donald Trump könnte China entgegenkommen, um von der Diskussion über seine mögliche Amtsenthebung abzulenken, sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou. Denkbar sei aber auch, dass er aus eben diesem Grund den Ton verschärfe. Da die Verhandlungsdelegationen hochrangig besetzt seien, sei zumindest ein Mini-Deal zu erwarten. Trump steht wegen eines Telefonats mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj unter Druck. Trump drängte Selenskyj, gegen seinen demokratischen Rivalen Joe Biden zu ermitteln.

          Stütze Nokia und Ericsson stützen

          Am deutschen Aktienmarkt sorgte ein gut 22-prozentiger Kursrutsch bei der Biotechfirma Qiagen für Aufsehen. Das ist der größte Ausverkauf seit 2002. Ein Auslöser seien die enttäuschenden Quartalsergebnisse, schrieb Analyst Peter Welford von der Investmentbank Jefferies. Außerdem sorge der überraschende Abgang des langjährigen Chefs Peer Schatz für Verunsicherung.

          Ins Rampenlicht rückten außerdem Nokia und Ericsson, deren Titel sich um bis zu 1,1 Prozent verteuerten. Einem Medienbericht zufolge plädiert die amerikanische Regierung für die Vergabe von Krediten an die beiden skandinavischen Telekom-Ausrüster, damit diese sich besser im Wettbewerb mit dem umstrittenen chinesischen Rivalen Huawei behaupten können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

          Washington hatte Ankara mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive der Türkei in Syrien auf 50 Prozent steigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.