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Handelskrieg : Manipulieren die Chinesen oder manipulieren sie nicht?

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Made in Germany – Maschinenbau in Baden-Württemberg Bild: dpa

Der deutsche Maschinenbau spricht China vom Vorwurf der Währungsmanipulation frei. Das überrascht, weil Analysten und Ökonomen das Thema ganz anders interpretieren.

          Die Vereinigten Staaten haben China als Währungsmanipulator gebrandmarkt. Peking weist den Vorwurf entschieden zurück – und bekommt dabei argumentative Unterstützung durch deutsche Wirtschaftsverbände. Die sehen in China keinen Währungsmanipulator.

          Die Landeswährung Yuan habe gegen den Dollar deutlich abgewertet, „weil die höheren Zölle Chinas Wirtschaft belasten“, sagte Olaf Wortmann, Experte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei eine ganz normale Reaktion.

          Auch der Außenhandelsverband BGA gibt sich zurückhaltend. „Der Handelskonflikt hinterlässt Spuren in der chinesischen Wirtschaft, wir haben bereits eine Abkühlung der Konjunktur gesehen“, sagte ein BGA-Sprecher. „Das kann sich im schwächeren Yuan widerspiegeln. Ob das schon eine Währungsmanipulation ist, da wäre ich vorsichtig.“

          Die Vereinigten Staaten haben die Volksrepublik erstmals seit 25 Jahren als Währungsmanipulator eingestuft. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte, China verschaffe sich mit einer bewussten Abwertung des Yuan unfaire Vorteile im Welthandel und verstoße gegen Verpflichtungen als Mitglied der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20).

          Die deutsche Wirtschaft warnt zugleich vor den Folgen einer neuen Eskalation zwischen den USA und China. „Sollte es wider Erwarten zu einem Abwertungswettlauf kommen, würde das die Rahmenbedingungen für Investitionen weltweit weiter verschlechtern“, sagte VDMA-Experte Wortmann. „Stark schwankende Wechselkurse als Folge eines Abwertungswettlaufs würden die Unsicherheiten weiter erhöhen.

          Je weniger stark und schnell die Wechselkurse dagegen schwanken, desto besser können die Unternehmen planen.“ Ähnlich schätzt das der BGA ein. „Stabile Währungen sind wichtig für berechenbare und planbare Geschäfte“, sagte der Verbandssprecher. „Deshalb ist der neue Konflikt ernstzunehmen.“

          Aus Sicht von Ökonomen und Finanzmarktteilnehmern ist es allerdings unumstritten, dass China seine Währung manipuliert – und zwar nicht erst seit der Eskalation des Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten.

          Nach Aussage von Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), habe China seine Währung schon immer manipuliert. „Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen“, sagte Fratzscher am Dienstag.

          Auch Analysten und Finanzmarktteilnehmer interpretieren den nach der amerikanischen Zolldrohung erfolgten Absturz der chinesischen Währung als bewussten Schritt der Notenbank. Der Fall des Yuan sei Folge der jüngsten Zollankündigungen von Amerikas Präsident Donald Trump, sagt etwa Bo Zhuang, Chefökonom bei der Unternehmensberatung TS Lombard. Mit dem derzeitigen Wechselkurs sei "klar, dass China jetzt bereit ist, eine weitere Schwächung seiner Währung hinzunehmen".

          Dass die USA den Dollar als Waffe im Handelsstreit einsetzen, sei nicht unrealistisch, sagte der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn. Schließlich habe Trump in der Vergangenheit auch der EU Währungsmanipulation vorgeworfen. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft könnte das teuer werden.

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