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Falsches Datum : Hängepartie um die Brexit-Münze

Britische Münzen tragen den Kopf der Königen auf der Rückseite Bild: dpa

Das Gerangel um den EU-Austritt Großbritanniens ist um eine Posse reicher. Diese dürfte für besonderes Interesse von Münzsammlern sorgen.

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          Große Ereignisse verewigt man am besten mit einer Gedenkmünze. So dachte es sich das britische Finanzministerium, als es vor einem Jahr Pläne für eine Brexit-Sondermünze lancierte. Die achteckigen Geldstücke zum Nennwert von 50 Pence, denen die Königin zugestimmt hat, sollen vorne die Queen zeigen und hinten die Aufschrift „Peace, prosperity and friendship with all nations“ tragen – also Frieden, Wohlstand und Freundschaft mit allen Nationen mit dem Brexit verbinden. Allein das störte die Brexit-Gegner schon.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Nun frohlocken nicht wenige, dass sich die Herausgabe der Münze immer mehr hinzieht und eine eher peinliche Angelegenheit für das Schatzamt wird. Denn nachdem der geplante EU-Austritt am 29. März 2019 erst auf April und dann auf den 31. Oktober 2019 verschoben wurde, ist auch Halloween als Austrittsdatum nun nicht mehr zu halten. Blöd nur, dass die Königliche Münze wohl nicht wenige der 50-Pence-Stücke schon geprägt hat. Der frühere Schatzminister Philip Hammond wollte nur eine kleine Auflage von 10.000 Stück, die für je 10 Pfund an Sammler verkauft werden sollten. Sein Nachfolger Sajid David strebt danach, Millionen unters Brexit-Volk zu bringen. Neben Kupfer-Nickel- waren auch edle Silber- und Gold-Münzen geplant.

          Erst Anfang des Monats hatte das Schatzministerium die mittelfristig geplante Zahl der einfachen Münzen von 3 Millionen auf 10 Millionen erhöht, bis zum vermeintlichen Brexit Ende Oktober sollten schon 3 Millionen fertig sein. Zum Wochenende erklärte nun ein Sprecher des Ministeriums schmallippig, man habe „eine Pause“ beim Münzprägen eingelegt. Die Hängepartie sorgt für viel Spott. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schlug der Journalist Michael Deacon von der Zeitung „Daily Telegraph“ vor, man solle doch einfach die Stelle für das Datum freilassen, dann könne jeder es selbst mit einem Stift nachtragen.

          Die Brexit-Münze wird neben andere britische Sondermünzen mit EU-Bezug treten: Zum Beitritt des Königreichs 1973 gab es eine Gedenkmünze, ebenso als Britannien 1998 die Ratspräsidentschaft innehatte. Was mit den schon geprägten Brexit-Münzen mit falschem Austrittsdatum geschehen wird, ist unklar. Vermutlich werden sie eingeschmolzen werden müssen.

          Extrem rar

          Falls einige der Fehlprägungen in Umlauf kommen, dürften sie sogleich als extrem rare Sammlerstücke gehandelt werden, so wie auch Briefmarken-Fehlprägungen teils Spitzenpreise erzielen. Die bislang begehrteste 50-Pence-Sondermünze erinnert an die Gründung des Botanischen Gartens „Kew Gardens“ im Londoner Westen; sie wurde 2009 in einer Auflage von 210000 Stück hergestellt und kostet auf Ebay teilweise mehr als 100 Pfund. Ein Brexit-Stück mit Datum 31. Oktober dürfte das wohl leicht übertreffen.

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