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Händler-Tagebuch : Hans im Glück

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Das Händler-Tagebuch schlägt das Kapitel „Hans im Glück” auf Bild: @uf

Was kommt, weiß man an der Börse nie. Manchmal bringen sogar Fehler Geld, berichtet ein anonym für FAZ.NET schreibender Aktienhändler.

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          Nachdem es in den vergangenen vier Wochen mit Angst rasant nach oben ging, wird es jetzt wieder einmal Zeit für eine Konsolidierung. Der Börsenverlauf in dieser Woche hat diese Notwendigkeit deutlich gemacht. Noch immer hat es nämlich niemand geschafft, den Anlegern die Angst zu nehmen und aus diesem einfachen Grund wird es weitere Rückschläge geben.

          Das Schönste in dieser Woche an den schwächeren Kursen war der deutlich gefallene Ölpreis, da er eine weiter steigende Inflation verhindert. Aber dafür haben jetzt auch der Chefsvolkswirt der Deutschen Bank und viele andere Auguren spürbare Rezessionsängste. Deshalb ist nun die Europäische Zentralbank in der nächsten Woche gefordert. Zumindest rechnen wir mit einer Ankündigung, dass die Zinsen in absehbarer Zeit gesenkt werden. Das Thema Zinsen und das Rätselraten, ob eine Senkung kommt oder nicht, wird uns bis zur nächsten Notenbanksitzung am kommenden Donnerstag mehr und mehr beschäftigen.

          An der Börse weiß keiner was kommt

          Neben der Zinsspekulation werden die Kurse von der Sorge um die weiteren Gewinnaussichten bestimmt werden. Nach den jüngsten Erfahrungen mit den jüngsten Quartalsausweisen besteht mehr denn je die Gefahr eines Gewinneinbruchs bei vielen Standardwerten. Das ist auch genau der Grund, warum der Dax nochmals die Tiefststände testen wird. Dabei ist neuerdings überall zu lesen: "Wir haben die Tiefststände gesehen und die Märkte werden in jedem Fall deutlich nach oben gehen. Die Börsianer haben wie immer übertrieben."

          Über diese Sätze kann ich nur lachen: Vielmehr weiß bekanntlich keiner, was passieren wird. Auch die nicht, die jetzt wieder schlau daher reden. An der Börse werden die Preise nach Angebot und Nachfrage bestimmt. Und sollte einer ein Problem mit den Kursen haben, kann er einfach eine Order aufgeben und versuchen, das Kursniveau zu verändern.

          Großer Ärger mit einer Medigene-Verkaufsorder

          Die sehr hohe Vola (Kursschwankungen) nahm in den vergangenen Wochen wieder ab. Stabilisiert hat sich das Börsengeschehen aber noch immer nicht. Da muss man sich nur das Beispiel der Medigene-Aktie anschauen. In der Vorwoche noch einsamer Umsatzspitzenreiter am Neuen Markt. Ein Wert der ein Medikament in der klinischen Testphase 3 hat und sich in den vergangen zwei Wochen sage und schreibe fast verdreifacht hat.

          Und ich hätte dabei fast noch drauf gezahlt. Ein sehr guter Kunde, der mir eigentlich eine Verkaufsorder für den Wert erteilt hatte, wollte davon nach der Kursexplosion plötzlich nichts mehr wissen. Scheiße hoch drei dachte ich mir und verwünschte in diesem Moment wieder einmal meinen Job. Denn ich hatte die Stücke für ihn schon verkauft. Da der Kunde König ist, und ich ihn nicht verlieren wollte, war ich plötzlich in der Bredouille. Schließlich war die Aktie drauf und dran, noch höher zu steigen. Ein großer Batzen Geld drohte verloren zu gehen.

          Aber Dank der hohen Vola hatte ich Glück. Einen zwischenzeitlichen Kursrückschlag konnte ich dazu nutzen, mir die Stücke zurück zu kaufen. Unter dem Strich kam dann sogar ein Plus von 4.000 Euro heraus. Hans im Glück kann ich da nur sagen, hatte ich mich doch schon auf der Zeil Betteln gehen sehen. Aber der schwankungsanfällige und unberechenbare Markt geht mir trotzdem tierisch auf die Nerven! Deshalb bin ich froh, dass jetzt Wochenende ist. Bis die Tage!

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