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Händler-Tagebuch : Fallende Kurse können gute Kurse sein

  • Aktualisiert am

Aktienhändler zu sein ist für viele Laien-Börsianer ein Traumberuf. In einer Art Tagebuch gewährt ein Händler anonym Einblick in seine Gefühlslage während eines Handelstages.

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          Noch dünnere Umsätze als in der Vorwoche. Das hätte ich beim besten Willen nicht erwartet! Aber dafür lag ich diese Woche richtig mit meiner Erwartung auf fallende Kurse. Nachdem wir mit dem Dax-Future am technischen Widerstand bei 6.830 Punkten gescheitert sind, hatte ich mir das ja schon zusammen gereimt.

          Momentan sieht es so aus, als ob der Dax erst einmal unter die Marke von 6.500 Punkten fallen muß. Geschieht dies bei weiterhin dünnen Umsätzen, dann ist das nicht unbedingt schlimm. Vor allem den Tech-Aktien fehlt im Moment die Kraft. Außerdem ist auch durch negative Vorgaben aus den USA ein Anstieg auf neue Jahreshöchstkurse noch nicht möglich.

          Stufen Analysten zurück, ist Zeit zum Kaufen

          Nachdem ich in Europa nun schon im März statt wie bisher im Mai mit einer Zinssenkung rechne, kommt eventuell auch die Hausse schon früher als ich dachte. Zumindest spricht dafür einiges. So gibt es am Neuen Markt auch noch Unternehmen, die ihre Ziele einhalten oder sogar übertreffen. Die Analysten sind immer noch am herunterstufen und dabei waren wir schon unten. Fondsmanager orientieren sich um und kaufen Renten anstatt Wachstumswerte. Börsenschwergewichte sind schon längst untergewichtet. Die Gefahren sind also auf keinen Fall mehr sehr hoch. Was allerdings genau passieren muß, damit es wieder aufwärts geht, ist noch nicht abzusehen.

          Geld verdienen mit fallenden Kursen

          Heute Morgen war ich mir ganz sicher, dass es nach unten geht. Also bin ich
          sofort ein paar Ron Sommer short gegangen (das heißt, ich habe Aktien der Deutschen Telekom verkauft, die ich eigentlich gar nicht habe. Solche Leerverkäufe sind Privatpersonen nicht möglich). 15. 000 dte (Anmerkung der Redaktion: Börsenkürzel für Deutsche Telekom) mit 33,26 Euro gefixt (Anm.: leer verkauft). Super, das fängt ja gleich gut an. Die Übernahme von Voicestream durch die Deutsche Telekom verzögert sich und daran will ich Geld verdienen.

          Meine Anfangsposition sind 500.000 Euro. Bei schlechtem Verlauf wird die Position eben wieder geschlossen. Ich habe einen stop loss (Anm.: Marke, bei deren Überschreiten die Aktie zurückgekauft wird) bei 33,92 Euro gesetzt. Für den Fall, dass der Markt anders läuft als ich denke, begrenze ich damit meinen Verlust auf rund 10.000 Euro.

          Händler haben Nerven

          Nach einer guten halben Stunde muß ich tatsächlich zittern. Die Aktie ist bis auf 33,63 Euro gestiegen. Das war der Tageshöchstkurs. Und was mache ich? Statt zu überlegen, ob ich mich langsam eindecken soll, beginne ich nachzudenken, wann ich die Position ausbaue und noch mehr Aktien verkaufe. Bis jetzt bin ich zufrieden. Natürlich fallen sie mir nicht schnell genug, aber Händler haben Nerven. Schließlich spekulieren sie nur mit fremdem Geld!

          Unter 33 Euro jetzt schon. Da haue ich jetzt noch 10.000 Aktien an die Wand um die Position zu vergrößern und hoffentlich auch den Gewinn. Jetzt bin ich total 25.000 dte unter und dies mit einem Durchschnittskurs von 33,09 Euro. Klasse, ich bin sehr zufrieden und habe meinen Stoppkurs auf 33,47 Euro reduziert, um bei 10.000 Euro Verlust wirklich glatt zu sein. Aber der Markt tut mir den Gefallen und fällt.

          Ein schöner Tag: 30.000 Euro Plus

          Ich habe mich mit einem Kunden, der heute in Frankfurt ist, auf eine Tasse Kaffee verabredet. Dieser erzählt mir, das er gerade aus Amerika eine Verkaufsorder in Vodafone bekommen hat. Die ganze Branche leidet. Immer noch keine größeren Orders, aber dte fällt. Kurz vor Handelsschluß. Bevor die letzten Mitarbeiter bis um 20.00 Uhr schlafen, habe ich die dte eingedeckt. Im Schnitt mit 31,87 Euro und das war sehr gut. Das sind über 30.000 Euro Gewinn. Jetzt muß nur noch die Eintracht gewinnen. Dann wird´s ein schönes Wochende!

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