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Guy Hands : Ein melancholischer Investor

Guy Hands mit seiner Frau Julia in New York Bild: Reuters

Guy Hands gilt als ein Rambo der Beteiligungsbranche, doch nun wird er sentimental: Er spricht vom Ende einer goldenen Ära, bedrohtem Frieden und von einer Welt, in der die Unsicherheit normal ist.

          Was ist mit Guy Hands los? Der schillernde Private-Equity-Investor trat mal wieder beim Branchentreffen Super Return auf, als einer der alten Hasen. In der Öffentlichkeit ist der Gründer der Beteiligungsgesellschaft Terra Firma als Finanzhai und Steuerflüchtling umstritten, aber in der eigenen Branche geachtet. Besucher strömen zu seinen Vorträgen – nicht nur wegen seiner klaren Worte zum Private-Equity-Geschäft, sondern auch für den Unterhaltungswert: Hands reißt einen Witz hier, einen flotten Spruch dort.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch diesmal zeigte sich der 56 Jahre alte ehemalige Investmentbanker auffallend zurückhaltend, fast schon melancholisch. Vom Ende einer 50 Jahre währenden goldenen Ära sprach er. Vom bedrohten Frieden und von der Zukunft Europas, falls Britannien die Europäische Union verlassen sollte. Und davon, dass man als Mann in den Fünfzigern nicht mehr jung sei – nicht mehr viel Zeit habe, zu tun, was man wirklich tun wolle.

          Was für ein Unterschied zum Hands, wie ihn die Szene sonst kennt. Voriges Jahr hatte er bei der Super Return den Saal noch zum Lachen gebracht. Es ging um die eine Milliarde Euro, die Terra Firma nach eigenem Bekunden zur Verfügung hatte. Wie viel davon sein eigenes Geld sei, wurde Hands gefragt.

          Andere wären der Frage wahrscheinlich ausgewichen, nicht so Hands. „Ich habe viel Glück gehabt“, antwortete er und lachte. „Ich habe in dieser Branche vor 20 Jahren begonnen, und deswegen sind mehr als 50 Prozent mein eigenes Geld.“ Das war zum Amüsement der Zuhörer. So kennt man ihn, den Guy. Und eine Neiddebatte hat er bei einer Zusammenkunft von Finanzinvestoren nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Hohe Gewinne einzustreichen ist Ausweis von Fähigkeit und Cleverness.

          Politisches und Philosophisches

          In der Öffentlichkeit steht Hands eher in der Kritik: In England unter anderem, weil er mit seiner Beteiligungsgesellschaft ins steuergünstigere Guernsey umzog. In Deutschland, weil Terra Firma im Ruf steht, aus Gier zu wenig in seine erworbenen Unternehmen zu investieren – sei es in den Raststättenbetreiber Tank & Rast, sei es in die Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington. Beide hat Terra Firma inzwischen weitergereicht, Deutsche Annington heißt jetzt Vonovia.

          Es war in Berlin nicht so, dass Hands über das Private-Equity-Geschäft gar nicht sprach. Aber er schickte Politisches und Philosophisches voran. Neulich habe er vor Studenten geredet, also Leuten jener Generation, die befürchtet, dass für sie nicht der alte Spruch gelten werde, wonach sie es einmal besser haben sollen als die Generation davor. „Es gibt keine Garantie, es besser zu haben als die Eltern“, mahnte Hands aber. Die Zeit seit den fünfziger Jahren sei eine Zeit historisch einzigartigen Wohlstandswachstums gewesen. „Das war eine ungewöhnliche Periode. Jetzt wenden wir uns einer Welt zu, in der die Unsicherheit normal ist.“

          Wirtschaftlich, aber auch politisch meint er das, denn es tauchten Krisen wieder auf, die vor einem Dreivierteljahrhundert nicht gelöst worden seien: „In vielerlei Hinsicht erleben wir jetzt, wie die unerledigten Aufgaben des Zweiten Weltkriegs wieder hochkommen.“ Geradezu düster sein Bild vom zerbröselnden Friedensprojekt Europa, wenn es zum Brexit kommt.

          „Wir vergessen, wie leicht Frieden verloren gehen kann“

          „Wenn Britannien die EU verlässt, dann werden die einzigen Gewinner die Feinde Britanniens und Europas sein.“ Und: „Wir halten den Frieden für selbstverständlich. Wir vergessen, wie leicht er verlorengehen kann“, mahnte der Mann, der einst in Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaft studierte. Schließlich brachte Hands das Motiv des Carpe diem auf und der Vergänglichkeit des Lebens. Eine ganze Generation ranghoher Private-Equity-Leute scheine gerade die Branche verlassen zu wollen.

          „Viele sagen sich: ,Ich habe genug Geld gemacht. Ich bin 50, da kann ich mich genauso gut auf das konzentrieren, woran ich Gefallen habe: einen Bauernhof betreiben vielleicht.‘“ Wobei man ja eigentlich auch im angestammten Beruf Freude haben sollte – und darüber fand Hands dann noch die Schleife zum eigentlichen Thema der Konferenz: Private Equity.

          Terra Firma halte nur nach Menschen Ausschau, die Lust hätten auf diese Branche. Hands griff zum beliebten Vergleich mit dem Fußball. Denn der bietet in England gerade eine kleine Wundergeschichte dazu, wie man mit Leidenschaft Erfolg erzielt: Der Außenseiter Leicester City rüttelt am Thron der Fußballgrößen, führt die Tabelle der Premier League an vor Clubs aus London (Tottenham, Arsenal) und Manchester (City und United). „Die Spieler dort sind richtig engagiert – und wegen dieses Engagements sind sie an der Spitze der Liga“, sagte Hands. Und da huschte dann doch noch ein Lächeln über die Lippen des düster gestimmten Mannes.

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