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Gute Quartalszahlen : Apple reduziert Abhängigkeit vom iPhone

Die Apple-Aktie hat seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert gewonnen. Bild: AP

Apple legt bessere Zahlen vor, als Beobachter erwartet hatten. Das Geschäft mit dem iPhone schwächelt nach wie vor. Doch in anderen Geschäftsfeldern steigert der Konzern den Umsatz kräftig.

          3 Min.

          Apple hat mit seinen am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen. Der amerikanische Elektronikkonzern ist in den vergangenen drei Monaten wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt. Die Umsätze mit dem iPhone, seinem mit Abstand wichtigstes Produkt, schrumpften allerdings weiter.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Insgesamt kamen die Zahlen an der Börse gut an, der Aktienkurs notierte im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als vier Prozent im Plus. Wenn sich diese Entwicklung am Mittwoch auch im regulären Handel fortsetzt, könnte der Konzern einem Börsenwert von einer Billion Dollar wieder sehr nahe kommen.

          Zwischenzeitliche Verluste

          Diese Marke hatte er vor knapp einem Jahr zum ersten Mal überschritten. Nach zwischenzeitlichen Verlusten hat die Apple-Aktie seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert gewonnen. Im Moment ist der Softwarekonzern Microsoft das einzige Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar.

          Insgesamt meldete Apple für das am 29. Juni zu Ende gegangene dritte Quartal des Geschäftsjahres 2018/2019 ein Umsatzplus von einem Prozent auf 53,8 Milliarden Dollar. Vorstandsvorsitzender Tim Cook sagte in einer Telefonkonferenz, Apple sei „begeistert“, wieder Wachstum auszuweisen, und ohne negative Währungseffekte wäre der Umsatz sogar um 1,5 Milliarden Dollar höher ausgefallen.

          Analysten hatten im Schnitt mit 53,4 Milliarden Dollar gerechnet. In den beiden vorangegangenen Quartalen hatte der Konzern Umsatzrückgänge erlitten. Der Nettogewinn fiel im abgelaufenen Quartal um 13 Prozent auf 10,0 Milliarden Dollar, was vor allem an höheren Kosten lag. Der Gewinn je Aktie von 2,18 Dollar war aber um acht Cent besser als erwartet.

          iPhone-Umsätze fallen

          Die Umsätze mit dem iPhone fielen diesmal um 13 Prozent auf 26 Milliarden Dollar. Zum ersten Mal seit langer Zeit stand das Gerät damit für weniger als die Hälfte des Konzernumsatzes. Apple schnitt hier aber etwas besser ab als in den beiden vergangenen Quartalen, als es jeweils ein Minus von mindestens 15 Prozent gab.

          Und Cook sagte, im Juni seien die Umsätze mit dem iPhone sowohl in Apples Geschäften als auch im Online-Vertrieb wieder gewachsen. Die Erholung brachte er unter anderem mit einer positiven Resonanz auf ein Programm in Verbindung, das Kunden für das Eintauschen eines alten Apple-Produkts mit Rabatten auf die Anschaffung neuer Geräte entlohnt.

          Mit seinen anderen Produkten wie dem Tabletcomputer iPad oder Macintosh-Computern konnte Apple die Umsätze jeweils steigern. Das stärkste Wachstum schaffte der Konzern in der Sparte, zu der die Computeruhr Apple Watch und die kabellosen Airpod-Kopfhörer gehören. Hier stieg der Umsatz um 48 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Die Sparte bringt damit nun mehr Umsatz als iPads und annähernd so viel wie Macintosh-Computer.

          Im immer wichtigeren Geschäft mit Dienstleistungen gab es diesmal ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar. Dieses Wachstum lag unter dem Wert der vorangegangenen Berichtsperioden, wobei es bereinigt um Währungs- und Sondereffekte höher ausgefallen wäre. Zu dieser Sparte gehören Angebote wie der App Store, in dem Anwendungen für Geräte wie das iPhone vertrieben werden, der Bezahldienst Apple Pay oder die Musikplattform Apple Music.

          Vor einigen Monaten startete der Konzern außerdem Apple News+, ein Online-Portal für Zeitschriften und Zeitungen, und für den Herbst ist das Debüt des Videodienstes Apple TV+ geplant, der mit Netflix konkurrieren soll. Wie Cook sagte, soll außerdem die vor einigen Monaten angekündigte Kreditkarte „Apple Card“, bei der das Unternehmen mit der Bank Goldman Sachs zusammenarbeitet, im August herauskommen. Dienstleistungen sind heute hinter dem iPhone das zweitstärkste Geschäft von Apple. Sie bringen außerdem deutlich höhere Gewinnmargen als die Hardwareprodukte des Konzerns.

          Erfolge in China

          Deutlich aufgehellt hat sich das Geschäft in China. Hier fielen die Umsätze zwar um vier Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar. Bereinigt um Währungseffekte wäre der Umsatz nach Cooks Worten aber gestiegen. In den vorangegangenen beiden Quartalen musste Apple in China noch jeweils Umsatzrückgänge von mehr als 20 Prozent hinnehmen. Cook führte die Erholung unter anderem auf Preissenkungen und reduzierte Steuern in dem Land zurück.

          Die Marktforschungsgesellschaft Canalys hatte erst in dieser Woche gemeldet, dass der Absatz von iPhones in China im zweiten Quartal um 14 Prozent gefallen ist. Dagegen habe der einheimische Marktführer Huawei seine Smartphone-Verkäufe im gleichen Zeitraum um 31 Prozent ausgebaut.

          China als Produktionsstandort

          Angesichts des derzeitigen Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China wird Apples Entwicklung in dem asiatischen Land derzeit besonders aufmerksam beobachtet. China ist für Apple nicht nur ein großer Absatzmarkt, sondern auch ein wichtiger Produktionsstandort. Das beschert dem Konzern regelmäßig Kritik vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

          Erst in der vergangenen Woche twitterte Trump, er werde Apple nicht von Zöllen auf in China gefertigte Komponenten für seinen Computer Mac Pro ausnehmen und einen entsprechenden Antrag des Unternehmens ablehnen. Kürzlich hatten mehrere Medien berichtet, Apple prüfe angeblich, einen Teil seiner Produktion aus China abzuziehen und in andere Länder Südostasiens zu verlagern. Cook sagte jetzt, er würde entsprechenden Spekulationen nicht zu viel Glauben schenken.

          Für das kommende Quartal sagt Apple einen Umsatz zwischen 61 Milliarden und 64 Milliarden Dollar voraus und kalkuliert dabei negative Währungseffekte von einer Milliarde Dollar ein. Damit könnte es wieder einen Umsatzrückgang geben, denn der Wert aus dem Vorjahr lag bei 62,9 Milliarden Dollar.

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