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Wegen der Handelskonflikte : Günstigeres Rohöl macht Benzin und Diesel billiger

Die Spritpreise sind zuletzt wieder gesunken. Bild: dpa

Handelskonflikte wecken die Sorge vor einer wegbrechenden Ölnachfrage. Autofahrer können deshalb günstiger tanken. Mögliche Gegenmaßnahmen der Opec könnten das aber schon bald ändern.

          Der niedrigere Ölpreis ist jetzt auch an Deutschlands Tankstellen zu spüren. Das berichtet das Internetportal Clever Tanken auf Grundlage der gemeldeten Tankstellenpreise. „Zwischen dem 4. und 7. August sind die Preise für Benzin und Diesel deutschlandweit jeweils im Schnitt um rund 2 Cent gefallen“, sagte Steffen Bock, der Geschäftsführer des Portals.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei gebe es jedoch erhebliche Schwankungen. Allein am Mittwoch sei es im Tagesverlauf für die beiden Kraftstoffsorten um durchschnittlich etwa 7 Cent bergab gegangen. Im Durchschnitt kostet Diesel jetzt rund 1,23 Euro je Liter, Super E10 knapp 1,42 Euro. Der Hintergrund: Rohöl ist seit Anfang August deutlich günstiger geworden. Der Preis der Nordseesorte Brent ging von etwa 65 auf zuletzt 57 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) zurück.

          Ursache des Preisverfalls sind vor allem Sorgen über die Ölnachfrage im Zusammenhang mit dem Handelskrieg und der Konjunktur. „Angebotsprobleme werden derzeit nicht beachtet, sondern Sorgen um eine nachlassende Ölnachfrage als Folge eines eskalierenden Handelskrieges und einer damit einhergehenden Verlangsamung des weltwirtschaftlichen Wachstums“, sagt Cyrus de la Rubia, Ölfachmann der Hamburg Commercial Bank.

          Wie reagiert die Opec?

          Am Donnerstag kamen sogar Spekulationen auf, die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) könnte eingreifen und die Ölförderung künstlich weiter verknappen, wenn der Ölpreis längere Zeit unter 60 Dollar bleibe. Diese Überlegungen ließen den Ölpreis im Tagesverlauf wieder etwas anziehen, um zeitweise 1,2 Prozent „Die Grenze sind 60 Dollar je Barrel, und wenn man für eine signifikante Zeit darunter kommt, würde ich davon ausgehen, dass Angebot vom Markt genommen wird, um die Preise zu stützen“, sagte Virendra Chauhan von Energy Aspects.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Berufung auf einen saudischen Offiziellen berichtet, Saudi-Arabien habe wegen des Preisrutsches der vergangenen Tage andere Ölproduzenten angerufen, um über mögliche Gegenmaßnahmen zu diskutieren. Saudi-Arabien benötige deutlich höhere Preise als aktuell, um seinen Staatshaushalt einigermaßen im Gleichgewicht zu halten.

          „Wir fühlen uns darin bestätigt, dass Saudi-Arabien alles in seiner Macht stehende tun wird, um ein Überangebot zu verhindern und den Ölpreis zu stabilisieren“, schreibt Ölanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank in einem Marktbericht. „Dafür würde es auch einen Konflikt mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Kauf nehmen.“

          Es gebe jedoch auch einige Faktoren, die dagegen sprächen, dass der Ölpreis weiter abstürze, meint Ölfachmann de la Rubia. Erstens sei die amerikanische Wirtschaft immer noch recht robust, wie beispielsweise die jüngsten guten Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten belegten. Die amerikanische Notenbank könne mit weiteren Zinssenkungen die Stimmung zumindest kurzzeitig auch wieder in Richtung Konjunkturzuversicht drehen.

          Zweitens werde die Ölnachfrage in den Schwellenländern vermutlich weiter steigen, da dort mit einem zwar langsameren Wirtschaftswachstum, nicht aber mit einer Rezession zu rechnen sei. Und drittens gebe es – auch wenn das derzeit ausgeblendet werde – eine Reihe von Angebotsrisiken. Neben der Tatsache, dass Iran und Venezuela kaum noch Öl exportierten, sei vor allem die Gefahr zu nennen, dass sich abermals Spannungen um die Straße von Hormus aufbauten, eine wichtige Öltanker-Route am Golf, womit ein beträchtlicher Teil des globalen Öltransports gefährdet wäre. Schließlich dürfe nicht vergessen werden, dass die amerikanische Fracking-Industrie ihre Produktion zurückfahre, wenn der Ölpreis länger niedrig bleibe, was den Ölpreis dann wieder nach oben treiben würde.

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