https://www.faz.net/aktuell/finanzen/gruene-bundesanleihen-als-katalysator-fuer-klimapolitik-16919110.html

Nachhaltige Finanzierung : Grüne Bundesanleihen als Katalysator für Klimapolitik

Kann es kaum noch erwarten: Jörg Kukies, Staatssekretär im Finanzministerium, gab am Montag den Startschuss für die erste grüne Bundesanleihe. Bild: dpa

Der Bund steht vor einem Debüt am Anleihemarkt: Im September soll der erste Titel für umwelt- und klimafreundliche Haushaltsausgaben begeben werden.

          2 Min.

          Der deutsche Staat hat sich Zeit gelassen mit seiner ersten grünen Anleihe. Schon längst haben Euroländer wie Frankreich oder die Niederlande mit großem Erfolg grüne Staatsanleihen begeben, doch vom wichtigsten Emittenten im Euroraum kam bislang nichts. Das soll sich bald ändern: Im September wird der Bund seine erste grüne Bundesanleihe über 4 Milliarden Euro und mit einer Laufzeit von zehn Jahren begeben, wie schon länger bekannt ist.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im vierten Quartal soll ein weiterer fünfjähriger Titel hinzukommen, so dass das Gesamtvolumen in diesem Jahr bis zu 11 Milliarden Euro erreichen kann. Den Startschuss gab am Montag Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Er stellte zusammen mit Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, und Tammo Diemer, Geschäftsführer der für die Schuldenverwaltung des Bundes zuständigen Finanzagentur, das „grüne Rahmenwerk“ vor.

          Darunter sind die Ausgaben im Bundeshaushalt zu verstehen, die mit den grünen Bundesanleihen finanziert werden sollen. Kukies will jeglichen Verdacht des sogenannten Greenwashing vermeiden. Unter Grünfärbung versteht der Finanzmarkt Projekte, die als nachhaltig deklariert werden, es aber tatsächlich nicht sind. Dem Staatssekretär, der davor Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs war, geht es vor allem um Transparenz und klare Regeln für nachhaltige Ausgaben.

          Dabei kann er sich auch von der staatlichen Förderbank KfW inspirieren lassen, die mit im Umlauf befindlichen grünen Anleihen von 23 Milliarden Euro zu den größten Emittenten am Markt für diese Schuldtitel zählt. Die Dokumentationen der KfW über die Mittelverwendung aus grünen Anleihen gelten als umfangreich und detailliert.

          Sauberer Verkehr und effizienter Energieverbrauch

          Wie Kukies ausführte, sollen die grünen Anleihen als Katalysator für mehr Investitionen in eine umweltfreundliche Wirtschaft dienen. Damit würden Haushaltsausgaben finanziert, die auf saubere Verkehrssysteme, die Reduzierung von CO2-Emissionen von Fahrzeugen, den Übergang zu einer weitgehend mit erneuerbaren Energien arbeitenden Wirtschaft sowie zu einem effizienteren Energieverbrauch zielen. Auch die Forschung für eine nachhaltigere Zukunft soll gefördert werden. Insgesamt sind grüne Ausgaben von 12,7 Milliarden Euro identifiziert worden.

          Dass der Bund seine erste Öko-Anleihe so lange vorbereiten musste, liegt auch an der komplexen Ausgestaltung über eine Zwillingsanleihe. Zu jedem grünen Titel gibt es eine konventionelle Anleihe mit gleicher Laufzeit. Daraus lässt sich dann die Renditedifferenz zwischen beiden Titeln ableiten. Zudem können große Investoren die grünen Titel jederzeit in konventionelle umtauschen, womit die Finanzagentur die hohe Liquidität der Bundesanleihen auch im nachhaltigen Segment gewährleisten will.

          Am Markt stößt das auf Zustimmung. Die ähnlichen Ausgestaltungsmerkmale ermöglichten die direkte Feststellung einer grünen Prämie, lobt Mario di Costa, Anleihefachmann des Schweizer Vermögensverwalters Bantleon. Bisher habe es immer marginale Unterschiede in Bezug auf Laufzeiten, Kupon oder Zinstermine gegeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eintracht-Triumph im Finale : „Wir sind alle Helden“

          Die Eintracht gewinnt den Europa-League-Titel nach dem Elfmeter-Drama im Finale gegen die Rangers. Danach geben die Frankfurter das Bild eines Champions mit Stil ab – und sind überwältigt vom Triumph.
          Ukrainische Soldaten in der Region Charkiw

          Russische Invasion : Ukraine bereitet sich auf längeren Krieg vor

          Wolodymyr Selenskyj will das Kriegsrecht um 90 Tage verlängern. Die Vereinten Nationen verlangen von Russland die Freigabe blockierter Getreidevorräte. Im Donbass wurden mehrere Zivilisten getötet. Die Nacht im Überblick.
          Schaut auf diese Wurst: Im Imbiss Curry 36 am Mehringdamm in Berlin lassen sich die besten Seiten einer Bratwurstbude studieren.

          Deniz Yücel und der PEN : Rettet die Bratwurst!

          Deniz Yücel tritt als PEN-Vorstand zurück. Die Schriftstellervereinigung sei eine „Bratwurstbude“. Braucht es eine Ehrenrettung der Bratwurst – oder ist die Zeit der Würstchen vorbei?
          NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hält die NATO-Beitrittsgesuche von Schweden und Finnland am Mittwoch in Brüssel. 10:35

          F.A.Z. Frühdenker : Scheitert die NATO-Norderweiterung an der Türkei?

          Andersson und Niinistö treffen Biden, die Union lehnt den Vorschlag der Ampel zur Verkleinerung des Bundestags ab, Lauterbach will die vierte Corona-Impfung für alle und Eintracht Frankfurt gewinnt den Europapokal. Alles Wichtige im F.A.Z.-Newsletter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Tarifportal
          Mit unserem kostenlosen Tarifvergleich sparen
          Kapitalanlage
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis