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Kapitalanlage in Deutschland : Große Herausforderungen für Autoindustrie und Banken

Blick vom Marienturm von Goldman Sachs in Frankfurt Bild: Goldman Sachs

Die Banken Goldman Sachs und Berenberg loten aus, wie attraktiv Deutschland in Zeiten einer neuen Klimapolitik für internationale Investoren ist. Sie warnen, der Umbau der Industrie sei nicht zu unterschätzen.

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          Wenn die Rede auf die Deutsche Bank kommt, kann Hendrik Riemer sich einige raunende Anmerkungen nicht verkneifen: Wie die Kollegen in den Türmen „da drüben“ künftig noch ein Geschäft mit Börsengängen machen wollten, wenn sie den Aktienhandel einstellen, kann sich der persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses Berenberg nicht richtig vorstellen, wie er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zusammen mit Wolfgang Fink, dem Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, sagte.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Überhaupt gibt es viel Kritisches zum Standort Deutschland, als die beiden Banker anlässlich der 8. „German Corporate Conference“ beider Häuser eine „Tour de raison“ durch Deutschland als Investitionsziel für internationale Anleger vornehmen. 190 deutsche Unternehmen aus Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax präsentieren sich in der kommenden Woche auf der Konferenz in München, 600 Investoren werden erwartet, insgesamt 1200 Teilnehmer. Dass es in Deutschland eine nachlassende Konjunkturdynamik gebe und man zumindest von einer technischen Rezession ausgehen müsse, sei bekannt, führten die beiden Banker aus. Über den Export treffe der Handelskonflikt die deutsche Wirtschaft. „Bremsspuren“ seien überall zu sehen, im Gewerbe, in der Autoindustrie, in der chemischen Industrie. Auch die Tatsache, dass die Entstehung neuer Arbeitsplätze sich verlangsame, sei ein schlechtes Zeichen.

          Deutschland ist bei vielen Investoren „untergewichtet“

          Internationale Investoren hätten sich deshalb zuletzt beim Thema Deutschland sehr zurückgehalten – in vielen Portfolios sei Deutschland nun „untergewichtet“, meinte Riemer. Daraus ergäben sich jetzt Anlagechancen: „Einzelaktien stehen jetzt im Vordergrund“, sagte der Berenberg-Partner. Gerade wenn sich die großen Sorgen etwa um den Handelskonflikt und den Brexit zum Jahresende hin etwas abschwächen sollten, könne das Impulse für das Jahr 2020 bedeuten, meinte Riemer: „Trump spielt auf Zeit.“ Gut möglich, dass der amerikanische Präsident noch vor den Wahlen Erfolge vorweisen müsse – und deshalb irgendwann zu einem stärkeren Einlenken bereit sei.

          Skeptisch waren beide Banker, ob es der deutschen Autoindustrie gelingen werde, die Umstellung auf Elektroautos einfach so wegzustecken. Sie verglichen das mit ihrer eigenen Branche, den Banken, die sich mit der Transformation in die digitale Welt auch schwertäten. Das alles seien „große Herausforderungen“, sagte Fink. Kein Wunder, dass Autoaktien im Moment mit einem hohen Abschlag gehandelt würden, meinte Riemer: „Ich weiß nicht, ob die Unternehmen, die heute den Automobilmarkt dominieren, das auch in zehn oder 15 Jahren machen werden.“ Beide waren skeptisch, ob es große Unternehmen in Deutschland geben werde, die „Gewinner“ einer neuen Klimapolitik würden. Zunächst einmal bedeute das für Unternehmen, die beispielsweise viel Kapital in den Verbrennungsmotor investiert hätten, dass sie gewaltige Abschreibungen vorzunehmen hätten. Deutsche Unternehmen seien jedenfalls nicht die Gewinner der Energiewende gewesen: Solaranlagen kämen heute aus Fernost, und die Windenergiebranche habe „extremen Gegenwind“ aus Asien.

          Kurz ging Fink auch auf die Pläne für einen Ausbau des Geschäftes von Goldman Sachs in Frankfurt ein. Im neuen Hochhaus Marienturm sei noch viel Platz. Derzeit beschäftige die Bank in Frankfurt etwa 300 Mitarbeiter. Man könne sich, auch durch die Brexit-Folgen, eine Verdoppelung auf 600 Mitarbeiter vorstellen. Insbesondere das Geschäft mit mittelgroßen Unternehmen – ab 200 bis 300 Millionen Euro Unternehmenswert – wolle man ausbauen. Dafür gebe es in Frankfurt derzeit ein Team von zehn Mitarbeitern. Auch für die Goldman-Privatkundensparte „Marcus“ sei Deutschland „ein Zielland“.

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