https://www.faz.net/-gv6-9m995

Streit um Technologie : Großbritannien verbannt Huawei aus „Kern“ seines 5G-Netzes

Die Netzwerktechnik des chinesischen Anbieters Huawei steht in der Kritik. Bild: AP

Im Streit um chinesische Technologie für den Bau der neuen superschnellen 5G-Funknetze in Europa hat sich nun das erste wichtige Land klar positioniert.

          Im Streit um chinesische Technologie für den Bau der neuen superschnellen 5G-Funknetze in Europa hat sich nun das erste wichtige Land klar positioniert. Die Netzwerktechnik des umstrittenen Anbieters Huawei aus dem südchinesischen Shenzhen, dem Amerika Spionage im Auftrag der chinesischen Regierung vorwirft, darf in Großbritannien eingesetzt werden – allerdings nur dort, wo nicht „Kernbereiche“ des neuen 5G-Netzes berührt sind.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Das berichten übereinstimmend mehrere britische Zeitungen unter Verweis auf Kabinettskreise. Demnach habe Premierministerin Theresa May die Entscheidung nach einer Ministersitzung des National Security Councils getroffen, das wie der deutsche Bundessicherheitsrat ein Kabinettsausschuss ist, dem unter anderem Außenminister, Verteidigungsminister und Innenminister angehören und dem die Regierungschefin vorsitzt.

          Wie in Deutschland haben auch in Großbritannien einen vollständigen Bann von Huawei beim Bau der neuen 5G-Netze verlangt. Dies hatte die amerikanische Regierung zuvor von ihren Verbündeten gefordert. Australien und Neuseeland sind dem bereits nachgekommen. In Großbritannien und Deutschland hingegen sind die Regierungen vorsichtiger, weil diese befürchten, dass von einem Huawei-Bann die wichtigen Wirtschaftsbeziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt China beschädigt werden könnten.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bereits dafür ausgesprochen, Huawei nicht per se zu verbannen. Stattdessen habe sich die amerikanische Regierung „hochzufrieden“ mit einem Sicherheitskonzept der Bundesnetzagentur von Anfang März gezeigt, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vor zwei Wochen.  Dies sähe vor, dass die Sicherheitsstandards für 5G unabhängig vom Anbieter so eng definiert würden, dass „unzuverlässige“ Firmen diese nicht erfüllen könnten. Da die Sicherheitsgesetze der Volksrepublik laut deutschem Verfassungsschutz chinesische Unternehmen dazu verpflichteten, mit Chinas Geheimdiensten zusammenzuarbeiten, gälte Huawei demnach als „unzuverlässig“.

          Beobachter hatten vor der Entscheidung Großbritanniens vermutet, dass diese auch für die Bundesregierung wegweisend im Umgang mit dem chinesischen Konzern sein könnten. Dessen Technologie gilt als weltweit führend bei 5G. Mobilfunkanbieter aus Deutschland und Großbritannien haben davor gewarnt, dass ein Ausschluss des Anbieters den Bau der 5G-Netze verzögern und die Länder technologisch und wirtschaftlich zurückwerfen könnte.

          In Großbritannien darf Huawei laut „Guardian“ und „Daily Telegraph“ nun Technologie wie Antennen für 5G liefern, die nicht den „Kernbereich“ der neuen Netze liefern. Kritiker von Huawei fürchten, dass diese anfällig für Sabotageakte Pekings sein könnten, wenn ein chinesischer Anbieter bei ihrem Bau voll zum Zuge käme.

          So sollen zum Beispiel künftig autonom fahrende Autos über das 5G-Netz gesteuert werden. Auch die Maschinen in der vernetzten Industrieproduktion, die in Deutschland im Konzept namens „Industrie 4.0“ überall in den Fertigungsstätten der Unternehmen Einzug halten sollen, sollen über 5G-Netz gesteuert werden. Das macht sie nach Ansicht von Sicherheitsfachleuten anfällig für Spionage aus dem Ausland.

          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Anleger trennen sich von Chipwerten

          Huawei-Streit : Anleger trennen sich von Chipwerten

          Präsident Trump treibt im Zuge des Handelsstreits den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei in die Enge und setzt diesen auf die Schwarze Liste. An der Börse stehen die Kurse aller Chipwerte deutlich unter Verkaufsdruck.

          Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat

          Deutsche Bank : Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat

          Aktionäre prangern auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank das Missverhältnis von Boni zu Dividenden an. Das zeigt sich auch in schlechten Zustimmungswerten für Aufsichtsratschef Achleitner.

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP für die Bremer Bürgschaftswahl, könnte einem Jamaika-Bündnis im Wege stehen.

          FDP in Bremen : Im Reich des Tschakka

          Die aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkandidatin der Bremer FDP, Lencke Steiner, gilt als Marketingtalent, aber auch als Hindernis für eine Jamaika-Koalition – beides steht in einem Zusammenhang.
          Der Lautsprecher Amazon Echo ermöglicht den Kontakt mit Alexa – viele Menschen werden mit ihr bald mehr sprechen als mit ihrem Umfeld, glaubt die Unesco.

          Kritik von der Unesco : Alexa, förderst du Vorurteile über Frauen?

          Eine Frauenstimme, die jeder Bitte folgsam nachkommt: Laut einem Bericht der Unesco tragen Sprachassistenten wie Alexa und Siri zur Verbreitung von Geschlechterklischees und der Akzeptanz von sexistischen Beleidigungen bei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.