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Neue Staatsanleihe : Anleger leihen Griechenland drei Milliarden Euro

  • Aktualisiert am

Parlamentsgebäude in Athen Bild: dpa

Griechenland feiert vier Jahre nach dem ersten Hilferuf an die EU eine erfolgreiche Rückkehr an den Kapitalmarkt. Die Nachfrage der Anleger nach der neuen fünfjährigen Staatsanleihe ist überraschend hoch. Entsprechend fiel auch der Zins unerwartet niedrig aus.

          Griechenland ist zurück am Anleihenmarkt - und das mit Verve: Die neue fünfjährige Staatsanleihe des schwer angeschlagenen Landes war am Donnerstag offenbar rasch untergebracht. Etwa
          90 Prozent seien an institutionelle Investoren im Ausland gegangen. Nach Angaben von Reuters sind für den Bond im Volumen von 3 Milliarden Euro gingen 550 Zeichnungsangebote von mehr als 20 Milliarden Euro ein.

          Der Zinskupon beträgt 4,75 Prozent und die Emissionsrendite liegt dem Vernehmen nach bei 4,95 Prozent. Der Ausgabekurs betrüge demnach 99,13 Prozent der Nominale. Die Rendite wäre damit deutlich niedriger als die im Vorfeld in Bankenkreisen geschätzten 5,3 Prozent. Diese Rendite wurde nur bei einem sehr starken Interesse internationaler Anleger für möglich gehalten.

          Stournaras: Anleihe ist ein „riesiger Erfolg“

          Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras sprach von einem „riesigen Erfolg“. Der Internationale Währungsfonds begrüßte das Auktionsergebnis. Es sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, Griechenland zurück an die Finanzmärkte zu bringen, sagte Delegationsleiter Poul Thomson. Das zeige, dass die Hilfsprogramme erfolgreich gewesen seien. Auch  EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia begrüßte die Rückkehr an den Markt: „Das wird Vertrauen in Europa stärken, dass die Krise überwunden wird.“

          Griechische Anleihen waren zuletzt gefragt. Die Rendite der 2012 im Rahmen des Schuldenschnitts ausgegebene Anleihe mit zehnjähriger Restlaufzeit war am Mittwoch auf einen Tiefstand von 5,835 Prozent gefallen. Am Donnerstag zog sie wieder auf 5,874 Prozent an. Im Mai 2012 hatte sie bei knapp 30 Prozent gelegen. In anderen Laufzeiten ist die Entwicklung ähnlich. Die vergleichsweise homogene Renditestruktur - so rentiert die 2042 fällige Anleihe mit 5,95 Prozent - weist allerdings daraufhin, dass die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass diese Umtauschanleihen vorzeitig abgelöst werden.

          Keine Besserung bei Staatsschuldenhöhe in Sicht

          Für Griechenland bedeutet die Möglichkeit, sich am Anleihenmarkt zu finanzieren, vor allem den Zugang zu weiteren Finanzierungsquellen jenseits der Hilfskredite von EU und Internationalem Währungsfonds. Von einer völligen Kapitalmarktfinanzierung ist das Land aber noch weit entfernt. So liegt die Verzinsung von 5 Prozent weit über dem, was das Land mit rund 2 Prozent für die Hilfskredite zahlt.

          Griechenland kann für 2014 einen primären Haushaltsüberschuss erwarten, der den des Vorjahres übersteigen dürfte. Zudem könnte das Defizit nach Auffassung der EU-Kommission auf nur noch 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken - nach 13,1 Prozent im Vorjahr. Aber die Staatsverschuldung verharrt weiter bei sehr hohen 177 Prozent  des BIP und hat sich sogar gegenüber Projektionen der EU oder des IWF aus dem zweiten Halbjahr 2013 verschlechtert.

          Aufgrund der hohen und wachsenden Zinsbelastung sei eine Reduzierung auch weiter nicht in Sicht, schrieben unlängst die Analysten der DZ Bank. Bei einer Umstellung der Finanzierung auf ein Zinsniveau von 5 Prozent würde diese wieder ansteigen und wäre unfinanzierbar. Eine Umstellung der Schulden von rund 300 Milliarden Euro würde von den Finanzmärkten auch nicht getragen und wäre daher unmöglich.

          Ziel ist es vielmehr, dass Griechenland seinen laufenden Finanzbedarf wieder am Kapitalmarkt decken kann. und Hilfszahlungen wie die in diesem Monat genehmigten 8,3 Milliarden Euro künftig nicht mehr von Nöten sind. Aber auch das ist angesichts des hohen Schuldenstands in weiter Ferne. Mit einem Absinken der Staatsschuldquote sei erst zu rechnen, wenn die öffentlichen Kreditgeber Erleichterungen gewährten, so die DZ Bank. Die Wachstumsprognosen der EU und des IWF für 2015 mit einem realen BIP-Zuwachs von 2,9 Prozent seien zu optimistisch, als dass die Schuldenstandsquote wie avisiert auf 172 Prozent fallen könnte. Insofern scheint es etwas verfrüht, wenn Griechenlands stellvertretender Ministerpräsident Evangelos Venizelos die enorme Nachfrage als Beleg dafür sieht, dass die Schuldenlast des Landes tragfähig sei.

          Symbolischer Charakter

          Mit der Emission habe Griechenland eine Gelegenheit genutzt. Die Anleihe habe einen gewissen symbolischen Charakter, schreibt Ishaq Siddiqi vom Derivate-Händler ETX. Greichenland profitiere derzeit von der Erholung des Euroraums, wohingegen die Arbeitslosigkeit mit 27,5 Prozent erschreckend hoch sei.

          Nicht zuletzt de Investorenbasis zeigt, dass griechische Staatsanleihen weiter ein riskantes Investment sind. Sie seien etwas für abenteuerlustige und gegen den Trend agierende Anleger, schreibt Siddiqi. Nichtsdestotrotz gebe es Investoren. Das weise auf einen deutlich höheren Risikoappetit hin gegenüber etwa den Zeiten, als Griechenland seine bis heute letzte Anleihe ausgegeben hatte.

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