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Neue Bargeldgrenze : Im Dilemma

Gerade zu Beginn der Coronakrise haben viele Leute Bargeld ins Schließfach gepackt. Selbst manche Unternehmen lagern mittlerweile Bares, um den Negativzinsen zu entgehen. Bild: dpa

Die Banken kontrollieren die Belege für Bargeldeinzahlungen strenger. Das bringt die Geldinstitute aber in Bedrängnis - sind ihre Kunden harmlos oder betrügerische Geldwäscher?

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          Seit August müssen Bankkunden, die mehr als 10.000 Euro bei der Bank bar einzahlen wollen, einen Herkunftsnachweis für das Geld erbringen. Das soll Menschen abschrecken, die auf Geldwäsche aus sind. Gut möglich, dass allein schon die Einführung der Regelung Deutschland als Geldwäscheland ein klein bisschen unattraktiver macht.

          In der Praxis ist die Sache aber gar nicht so einfach, wie schon der Streit um das zulässige Alter der möglichen Belege für die Herkunft des Geldes zeigt. Sind die Banken da zu streng, wird es nervig, wenn etwa Menschen, die zu Krisenbeginn Bargeld abgehoben haben, das Geld wieder auf ihr Konto einzahlen wollen, aber nur ältere Belege haben.

          Gehen die Banken aber zu locker mit dem Beleg-Alter um, wird sicher auch jeder Geldwäscher noch irgendwo einen Beleg finden, dass er auch schon mal Geld abgehoben hat. Im Extremfall könnte sich im Netz ein Handel mit Belegen für die Herkunft von Bargeld entwickeln. Das kann keiner wollen.

          Wenn die Banken aber die formale Prüfung der Belege etwas in den Hintergrund stellen und mehr auf eine allgemeine Plausibilitätsprüfung über den Kunden abstellen, wird die Sache nicht unbedingt einfacher. Kein Bankmitarbeiter wird vermutlich gern einem Kunden sagen, wir nehmen Ihre Bareinzahlung nicht an, weil Ihr Beruf oder Ihr Einzahlungsverhalten eine Nähe zur Mafia oder zu terroristischen Netzwerken denkbar erscheinen lassen. Da sagt es sich doch schon leichter: Ihre Belege sind leider zu alt.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

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