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Vorwürfe gegen Grenke : Kommunikation ist alles, gerade an der Börse

  • -Aktualisiert am

Nase im Wind: Börsen-Bär in Frankfurt Bild: dpa

Das Leasingunternehmen Grenke braucht Tage, um seine Reaktion gegen die Vorwürfe des Leerverkäufers richtig in Fahrt zu bringen. Doch gute und zeitnahe Finanzkommunikation ist vor allem in einer solchen Situation essentiell.

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          Hat Deutschland schon wieder einen Finanzskandal? Noch ist der Fall Wirecard nicht einmal in Ansätzen aufgearbeitet – es wird sogar einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Bundestag geben – da sorgt der Fall Grenke für weitere Unruhe. Bislang stehen lediglich Vorwürfe im Raum, doch die Antwort der Anleger fiel klar aus. Innerhalb weniger Tage wurde mehr als eine Milliarde Euro Börsenwert vernichtet. Das liegt nicht nur an den Vorwürfen, sondern auch am Umgang des Unternehmens damit.

          Als im Lauf des Montags der Bericht von Viceroy Research den Weg ins Internet fand, war die Welt in Baden-Baden noch in Ordnung. Dort finden Mittelständler seit vier Jahrzehnten einen Ansprechpartner, wenn es um Leasing- und Finanzierungsfragen geht.

          Das von Wolfgang Grenke 1978 gegründete Unternehmen kennt seit Jahren nur eines: Wachstum. Umsatz und Ertrag wuchsen ebenso wie die Bewertung an der Börse. 2003 wurde das Unternehmen in den Nebenwerteindex S-Dax aufgenommen. Seit dem 24. Juni 2019 ist Grenke im MidCap-Index M-Dax enthalten.

          In der Spitze brachte das Unternehmen fast 8 Milliarden Euro Marktkapitalisierung auf die Beine. Doch das Kurshoch vom Spätsommer 2018 wurde selbst im guten Börsenumfeld Anfang des Jahres nicht mehr erreicht. Anschließend folgte der Corona-Crash.

          Eine Milliarde Euro Börsenwert vernichtet

          Von dreistelligen Aktienkursen können Grenke-Anleger derzeit nur noch träumen. Nachdem die Aktie die Woche noch mit Kursen von über 57 Euro begann, ging es ab Dienstag nach unten. Mit 39,30 Euro am Dienstag und 25,90 Euro am Mittwoch wurden Mehrjahrestiefs markiert.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Dieser Kurssturz wurde durch einen vernichtenden Report von Viceroy Research, einem Informationsvehikel des britischen Short-Investors Fraser Perring, ausgelöst. Darin ist von Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung die Rede. Der 64-seitige Report steht seither weitgehend unwidersprochen im Netz. Und hier liegt der Knackpunkt der aktuellen Krise.

          Als der Bericht am Dienstag von immer mehr Medien aufgegriffen wurde, verstärkte sich gleichzeitig auch der Abwärtstrend der Aktie. Doch die Reaktion von Grenke ließ auf sich warten. Erst um 19.58 Uhr wurde über das Informationsportal DGAP eine Stellungname des Unternehmens verbreitet. Darin heißt es, dass dieser Bericht Unterstellungen enthält, „die Grenke auf das Schärfste zurückweist“. Zudem ist von zahlreichen weiteren, nicht zutreffenden Anschuldigungen die Rede. Gleichzeitig wird eine ausführliche Replik auch zu diesen Anschuldigungen angekündigt.

          Am Donnerstag war diese Replik noch nicht erhältlich. Stattdessen wurde für Freitagnachmittag ein Investoren- und Analystencall mit Vorstandschefin Antje Leminsky, Vorstandsmitglied Sebastian Hirsch, Aufsichtsratchef Prof. Dr. Ernst-Moritz Lipp sowie Unternehmensgründer und Aufsichtsratsvize Wolfgang Grenke angekündigt.

          Wolfgang Grenke wiederum äußerte sich am Donnerstagnachmittag in einem schriftlichen Statement über die gegen ihn persönlich gerichteten Anschuldigungen und den Themenkomplex Franchise. Diese Nachricht konnte aber ebenfalls wenig beruhigend auf den Markt einwirken.

          Anfällige Anleger

          Für Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), kommen die harten Vorwürfe gegen ein großes deutsches Unternehmen nicht überraschend: „Nach Wirecard war leider klar, dass die nächsten Vorwürfe und der nächste Fall bald folgen und dass dann auch die Kurse daraufhin stark reagieren werden.“ Der Zeitpunkt sorgt bei Tüngler aufgrund des Gesamtszenarios für Sorgenfalten. Aus seiner Sicht ist die Anfälligkeit des Marktes und der Anleger für Attacken enorm.

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