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Gewinn bricht ein : Grenke kämpft gegen Leerverkäufer

  • -Aktualisiert am

Bilanzierung im Brennpunkt: Firmengebäude des Finanzdienstleisters Grenke in Baden-Baden Bild: dpa

Der Leasinganbieter setzt sich seit Monaten mit schweren Vorwürfen gegen seine Bilanzierung auseinander. Auch die Corona-Krise belastet die Geschäftszahlen. Wie geht es weiter?

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          Mit deutlicher Verspätung hat das seit Herbst unter heftiger Kritik an seiner Bilanzierung stehende Leasingunternehmen Grenke nun endlich Geschäftszahlen für das Jahr 2020 vorgelegt – zumindest vorläufige. Wie Grenke am Freitag mitteilte, brach der Gewinn nach Steuern um 40 Prozent auf 79,9 Millionen Euro ein.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grund dafür sind neben Belastungen durch die Corona-Pandemie auch hohe Kosten für Prüfung- und Beratung. Grenke musste externe Bilanzexperten engagieren, um den Vorwürfen gegen seine Bilanzierung auf den Grund zu gehen. Das kostete allein für 2020 rund 24 Millionen Euro, 10 Millionen Euro mehr als im Vorjahr an Prüfungs- und Beratungskosten entstanden. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende von Grenke, bezeichnete das Jahr 2020 als „gewaltige Herausforderung“ für das Unternehmen.

          Auch im laufenden Geschäftsjahr werden hohe Prüfungs- und Beratungskosten sowie die Pandemie erwartungsgemäß das Ergebnis belasten. Der Vorstand rechnet für 2021 mit einem Gewinn zwischen 50 und 70 Millionen Euro. Die Grenke-Aktie legte nach Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen und dem Handelsbeginn an der Börse zunächst um 2,5 Prozent auf bis zu 35 Euro zu. Aus Sicht der Anleger dürfte wohl vor allem entscheidend sein, dass Grenke nun endlich Zahlen geliefert hat. Dass diese schlecht ausfallen, scheint da fast Nebensache zu sein.

          Geschäftsbericht kommt erst im Mai

          Der Leasinganbieter hatte am Montag in einer Ad-hoc-Mitteilung angekündigt, seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2020 am 21. Mai veröffentlichen zu wollen. Im Vorjahr hatte Grenke seine Geschäftszahlen für das Jahr 2019 dagegen schon im Februar verkündet. Grund für die Verzögerung in diesem Jahr waren die Folgen einer Attacke des Fonds Viceroy, der im September 2020 schwere Vorwürfe gegen das Grenke-Management erhoben hatte. Der Aktienkurs war damals von rund 55 Euro auf unter 30 Euro abgestürzt und hat sich seither nicht richtig erholt. Auch die Anleihen des Unternehmens litten.

          GRENKE AG NA O.N.

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          In dieser Situation kam die zum Wochenstart erfolgte Ankündigung eines Termins für die Veröffentlichung des Geschäftsberichts an der Börse zunächst gut an. Der Aktienkurs stieg am Montag zeitweise um bis zu 7 Prozent auf mehr als 36 Euro.

          Nach wie vor notiert der Kurs des im S-Dax geführten Wertpapiers jedoch immer noch weit unter dem Niveau vor der Leerverkaufs-Attacke. Leerverkäufer wie Viceroy verdienen an fallenden Kursen und kamen daher voll auf ihre Kosten, obwohl Grenke kurz danach sogar Kontoauszüge über 850 Millionen Euro veröffentlichte, um die Zweifel an der Existenz liquider Mittel zu entkräften.

          Nach dem, was bisher bekannt ist, hat eine von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin angestoßene Sonderprüfung die Vorwürfe im Kern widerlegt. Die von der Bafin als Sonderprüfer eingesetzte Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Mazars stellte laut ihrem Zwischenbericht keine Geldwäsche und keine fehlenden Forderungen fest. Allerdings deckte Mazars Mängel in der Prävention gegen Geldwäsche auf und kritisierte die bilanzielle Darstellung von Franchiseunternehmen. Die Prüfer bemängelten zudem die Transparenz mit Blick auf Geschäfte mit verbundenen Parteien. Grenke will daher alles tun, um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen.

          Laut einem Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden von Grenke aus dem Februar haben die aufgeworfenen Kritikpunkte offenbar mit dazu geführt, dass das unter anderem für interne Revision und Compliance zuständige Vorstandsmitglied abgelöst wurde. Grenke selbst hat über die Bafin-Sonderprüfung hinaus die beiden Prüfungsgesellschaften KPMG sowie Warth & Klein Grant Thornton mit einer Sonderprüfung und einem Gutachten beauftragt.

          KPMG sieht laut der Ad-hoc-Mitteilung vom Montag das Testat für Grenkes Konzernabschluss nun für den 17. Mai vor. In einem Brief an den Aufsichtsrat habe KPMG mitgeteilt, dass die Prüfungsnachweise vorgelegt und die erforderlichen Informationen im Wesentlichen erteilt wurden. Diese prüfe KPMG nun. Danach könne der Grenke-Aufsichtsrat den Konzernabschluss billigen.

          Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels stand, Grenke habe den Finanzvorstand abgelöst. Bei dem abgelösten Vorstandsmitglied handelte es sich jedoch um den unter anderem für interne Revision und Kontrolle zuständigen Vorstand. Einen Finanzvorstand gibt es bei Grenke erst seitdem.

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