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Chelsea Market : Google zahlt für New Yorker Kultimmobilie Rekordpreis

Bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt: Chelsea Market Bild: © Riccardo Spila/HUBER IMAGES

Für 2,4 Milliarden Dollar kauft Google nach F.A.Z.-Informationen die New Yorker Markthalle Chelsea Market. Die Markthalle ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt und hat jeden Tag Tausende Besucher.

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          Es ist eines der größten Immobiliengeschäfte aller Zeiten. Der Internetkonzern Google kauft nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von der deutsch-amerikanischen Immobiliengesellschaft Jamestown die New Yorker Markthalle Chelsea Market für 2,4 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Alle Objekte, die im Jahr 2017 auf dem gesamten Gewerbeimmobilienmarkt Kölns verkauft wurden, brachten 2,3 Milliarden Euro (2,8 Milliarden Dollar) ein. Das war für ganz Köln ein Rekordjahresumsatz.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nur sehr wenige Immobilien auf der Welt haben einzeln mehr als 2 Milliarden Dollar gekostet. Im Jahr 2017 wechselte überhaupt nur ein Bürogebäude oberhalb dieser Preismarke den Besitzer. Das chinesische Konglomerat HNA, bekannt als undurchsichtiger und hochverschuldeter Großaktionär der Deutschen Bank, zahlte damals 2,2 Milliarden Dollar für einen Büroturm an der Park Avenue ebenfalls in Manhattan im Herzen New Yorks. Jetzt wird dieser Preis schon am Jahresanfang überboten.

          Google kauft für 2,4 Milliarden Dollar nicht nur die Markthalle Chelsea Market, sondern auch die darüber liegenden Büros. Einigen deutschen Anlegern der deutsch-amerikanischen Immobilienfondsgesellschaft Jamestown werden die Ohren klingeln. Denn sie besaßen bis 2011 über einen geschlossenen Immobilienfonds diese damals nur ein Drittel so teure Immobilie.

          Chelsea Market, unweit des Whitney Kunstmuseums zwischen der 15. und 16. Straße gelegen, kennt in New York jeder Taxifahrer. Bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt ist die etwa 260 Meter lange Einkaufspassage, weil dort kaum Ketten, sondern 40 meist familiengeführte Einzelhändler in Bäckereien, Nudelrestaurants und Taco-Ständen ihre kulinarischen Waren feilbieten. Etwa eine halbe Million Menschen flaniert jeden Monat durch das Erdgeschoss.

          Weniger bekannt ist, dass Chelsea Market früher von dem Süßwarenhersteller Nabisco genutzt wurde, der dort seine bekannten Oreo-Kekse herstellte. Und noch weniger bekannt dürfte sein, wem dieses Gebäude bisher gehörte: Dem Unternehmen Jamestown, einem Immoblienfondsanbieter, den der Kölner Christoph Kahl 1993 in Atlanta im amerikanischen Südstaat Georgia gründete. Seither hat das Unternehmen 37 Fonds aufgelegt und Immobilienkäufe für 10 Milliarden Dollar getätigt. Fast 80.000 deutsche Privatanleger haben sich beteiligt, unter anderem am geschlossenen Immobilienfonds Jamestown 24, Genau dieser Fonds erwarb 2003 für damals 280 Millionen Dollar das Gebäude Chelsea Market, zu dem neben den 10.000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss weitere 100.000 Quadratmeter Bürofläche gehören.

          Durchschnittliche Jahresrendite von 26 Prozent

          Jamestown hat Chelsea Marktet, ähnlich wie das „Innovation and Design Building“ in Boston, unter Aufrechterhaltung der alten Industriefassade revitalisiert. Üblicherweise hält ein geschlossener Fonds ein Objekt zwischen sieben und zwölf Jahren. Der Jamestown-Fonds 24 investierte 2003 neben Chelsea Market noch in zwei weitere Objekte, die der Fonds schon 2006 mit Gewinn losschlug. Als der Jamestown-Fonds 24 dann 2011 auch Chelsea Market verkaufte, nahm er als Kaufpreis knapp 800 Millionen Euro ein. Einschließlich der Mietzahlungen erzielten die Anleger in den Jahren 2003 bis 2011 eine durchschnittliche Jahresrendite von 26 Prozent. Das ist durchaus beachtlich.

          Allerdings zahlt Google nun nur sieben Jahre später mit 2,4 Milliarden Dollar für Chelsea Market den dreifachen Preis. Und mancher Jamestown-Anleger wird sich fragen, warum 2011 das Objekt verkauft wurde. Pikant ist, dass Chelsea Market damals von dem geschlossenen Jamestown-Fonds 24 an einen anderen Jamestown-Fonds weiter gereicht wurde. Die Bewertung des Objektes Chelsea Market sei damals in einem sehr transparenten Verfahren erfolgt. Der Preis sei durch unabhängige Gutachter festgelegt und von allen Beteiligten akzeptiert worden, betont Jamestown-Gründer Kahl. Fast 90 Prozent der Anleger hätten dem Verkauf damals zugestimmt. Die Preisentwicklung des Gebäudes Chelsea Market nach 2011 sei damals so nicht vorhersehbar gewesen.

          In den Jamestown-Fonds, der jetzt innerhalb von sieben Jahren seinen Einsatz vervierfacht hat, haben zu 70 Prozent amerikanische Pensionsfonds etwa von Bundesstaaten investiert. Der Käufer Google ist heute bereits auf einigen Etagen Mieter im Gebäude Chelsea Market. Das Hauptquartier Googles in New York liegt quasi gegenüber in der 8. Avenue. Dieses Bürohaus erwarb Google im Jahr 2010 für 1,8 Milliarden Dollar. Es war damals das größte Immobiliengeschäft nach Ausbruch der Finanzkrise. Seither kennen die Preise nur eine Richtung: aufwärts.

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