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Blitzartiger Einbruch : Goldpreis fällt überraschend stark

Gold wurde schon teurer bezahlt als derzeit. Bild: dpa

Der Goldpreis ist am frühen Montagmorgen stark gefallen und hat damit an den Trend des späten Freitags angeknüpft. Analysten sind vorsichtig geworden.

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          Seit im Sommer des vergangenen Jahres an den Finanzmärkten der Höhepunkt des Corona-Crashs überwunden wurde, haben Anleger an Gold nicht viel Spaß gehabt. Vom Höchstkurs bei 2063,55 Dollar vor fast genau einem Jahr, rutschte der Kurs bis unter 1700 Dollar. Mit den Inflationssorgen erhielt der Preis des Edelmetalls noch mal einen Schub, der ihn bis auf etwas mehr als 1900 Dollar nach oben trug. Danach bröckelte der Preis wieder, bevor er jetzt über das Wochenende um 6 Prozent überraschend stark fiel. Auch Silber traf es und wie immer ein wenig härter. Das Minus betrug 10 Prozent.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grund waren die starken Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt am Freitag. Das gibt Anlegern noch mehr Grund zur Annahme, dass die amerikanische Zentralbank Fed jene „erheblichen Fortschritte“ eher früher als später erkennen wird, die sie als Voraussetzung für eine straffere Geldpolitik ansieht. So war auch die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe im Anschluss an die Veröffentlichung der Daten deutlich gestiegen.

          Und höhere Zinsen sind für den Goldpreis nicht gut, da höhere Erträge zinsbringender Anleihen das zinslose Gold weniger attraktiv erscheinen lassen. Zumal Gold zuletzt trotz höheren Inflationsraten und niedrigen Anleiherenditen nicht so recht gefragt war. Ipek Ozkardeskaya, leitende Analystin der Swissquote Bank, sieht jetzt einen verstärkten Abwärtstrend aufgrund einer jüngsten Todeskreuz-Formation, bei der der gleitende 50-Tage-Preisdurchschnitt unter den gleitenden 200-Tage-Preisdurchschnitt gefallen ist. Die Geschwindigkeit, mit der Anleger ihre Goldbestände nach Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten abgebaut hätten, sei ziemlich beeindruckend gewesen.

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          Gold und Silber seien zum Handelsende am Freitag verkauft worden. Am Montagmorgen habe man einen Überhang beobachten können, da einige Händler, die zu spät reagiert hätten, vielleicht in Panik zur Eröffnung verkauft hätten, sagte John Feeney, vom australischen Edelmetalllager Guardian Vaults der Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine aktuell geringe Liquidität habe im Zusammenwirken mit zahlreichen ausgelösten Stop-Loss-Orders zu einer volatilen Eröffnung und einem ungewöhnlich hohen Handelsvolumen geführt.

          Allerdings geht Ozkardeskaya davon aus, dass sich im Bereich von 1680 bis 1700 Dollar eine kurzfristige Unterstützung bilden wird. Es werde Anleger geben, die nach dem jüngsten Einbruch Gold kaufen, um sich damit gegen Inflation und mögliche fallende Aktienkurse abzusichern. Tatsächlich erholte sich der Goldpreis in den frühen Morgenstunden deutlich um 3 Prozent, ebenso der Silberpreis, der sogar um 6 Prozent steig. Bei knapp 1750 Dollar und knapp 24 Dollar tendieren die Edelmetallpreise mittlerweile aber seitwärts und liegen damit noch einige Dollar unter dem Niveau vom Donnerstag.

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          Es sei etwas zu früh, um sich dazu zu äußern, aber diese Art von „Kapitulation“, wie man sie jetzt habe beobachten können, falle normalerweise mit einem signifikanten Tief des Marktes zusammen, sagt Feeney. Dagegen spreche aber, dass sich jetzt wieder Kaufinteresse an physischen Metallen zeige.

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