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Investmentbanken : Goldmans Gier

  • -Aktualisiert am

Goldman Sachs an der New Yorker Börse Bild: Reuters

Die bekannte Wall-Street-Bank hat einen der höchsten Quartalsgewinne ihrer Geschichte erzielt. Doch viele ihrer Geschäfte nutzen allein der Bank selbst.

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          Für die Investmentbank Goldman Sachs hätte das erste Quartal 2021 nicht besser laufen können: Die Bank hat in den ersten drei Monaten einen Nettogewinn von 6,7 Milliarden Dollar erzielt, einen der höchsten Quartalsgewinne in der mehr als hundertjährigen Geschichte von Goldman.

          Dafür gibt es vor allem einen Grund: Der ungeheure Boom, der die Börsen dieser Welt erfasst hat, ist für Investmentbanken ein Fest. Verdienen sie doch vor allem am Handel und an der Ausgabe von Wertpapieren sowie an der Beratung von Unternehmen, die an die Börse streben. Das ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, weswegen der Sinn und Zweck von Investmentbanken hier gar nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden soll.

          Aber insbesondere Goldman hat sich ausgerechnet in diesem für die Bank so erfolgreichen Quartal einiges geleistet, was Störgefühle erzeugt. Da ist zunächst der Streit um die Arbeitszeiten speziell jüngerer Mitarbeiter, die mitunter mehr als 100 Wochenstunden schuften. Das lässt sich vielleicht noch mit dem Hinweis entkräften, dass im Falle von Goldman wohl jeder weiß, worauf er sich einlässt.

          Noch brisanter ist ein anderes Feld: die Auswirkungen, die Goldmans Geschäfte für das Finanzsystem als ganzes haben. Nicht selten erzeugen sie mehr Schlechtes als Gutes. Dies gilt für den Hype um die nun wieder in Mode gekommenen sogenannten Spacs. Dabei handelt es sich um Anlagevehikel, an denen die Banken prächtig verdienen, die aber ansonsten niemand braucht.

          Dies gilt auch für manch vollkommen überteuerte Börsengänge wie zuletzt von Deliveroo, dem Essenslieferdienst. Und dies gilt vor allem für das Debakel um den zusammengebrochenen Geldverwalter Archegos, bei dem herauskam: Wegen der Aussicht auf lukrative Gebühren hatten sich die Investmentbanken um die enormen Risiken nicht geschert. Goldman hatte dabei Glück, machte sich schneller aus dem Staub als die anderen.

          Der Eindruck bleibt: Verantwortungsvolles Handeln sieht anders aus.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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