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Gold : Minenkonzerne als Rundumversorger

  • -Aktualisiert am

In Ghanas Obuasi-Mine wird schon seit 1897 Gold gefördert Bild: REUTERS

Westafrika ist das neue Eldorado der Goldkonzerne. Sie investieren in neue Minen. Und bauen nebenbei neue Straßen und Krankenstationen. Von Thomas Scheen

          Wenn Mark Bristow an Westafrika denkt, wird ihm warm ums Herz. Dann gerät der Chef des britischen Goldkonzerns Randgold regelrecht ins Schwärmen - von den immensen Goldreserven, die dort im Boden liegen, und dem Wachstumspotential der Goldförderung von Ghana bis hinauf nach Senegal.

          Randgold dürfte in seinen Minen in Westafrika im laufenden Jahr eine Produktion von rund 424.000 Unzen Gold erreichen. Die derzeit in Betrieb befindlichen Minen Loulo und Morila liegen in Mali. Loulo gehört mit einer Jahresproduktion von 450.000 Unzen und Reserven von knapp zwölf Millionen Unzen zu den größten Goldminen des Sahelstaates. Randgold ist nach dem Staat inzwischen der zweitgrößte Arbeitgeber in Mali.

          Traditionen wieder belebt

          Gegen Ende des Jahres will der auf den britischen Jersey-Inseln beheimatete Konzern eine dritte Goldmine anstechen: Die Tongon-Mine in der Elfenbeinküste, deren abbaufähige Reserven auf drei Millionen Unzen geschätzt werden. Die Förderprognose für diese Mine wird bei Randgold mit rund 250.000 Unzen jährlich angegeben, von denen der Konzern allein 75.000 Unzen noch in diesem Jahr erwartet. 2013 schließlich soll die Massawa-Mine in Senegal ihren Betrieb aufnehmen, von der man bei Randgold behauptet, sie sei eine der möglicherweise ergiebigsten Minen überhaupt.

          Westafrika ist das neue Eldorado der Goldkonzerne geworden. Außer dem größten Goldproduzenten der Welt, dem kanadischen Konzern Barrick Gold, sind inzwischen alle großen Goldförderer dort vertreten. Der größte unter ihnen ist gegenwärtig der südafrikanische Konzern Anglo Gold Ashanti, was allerdings nicht besonders mutiger Entscheidungen geschuldet ist, sondern der Geschichte des Konzerns: Der ghanaische Konzern Ashanti Goldfields Corporation war schon lange in der Goldproduktion tätig, als die Südafrikaner von Anglo Gold ihn übernahmen. Anglo Gold Ashanti betreibt unter anderem die älteste Goldmine in Westafrika, die Obuasi-Mine in Ghana, in der seit dem Jahr 1897 gefördert wird. Insgesamt fördert Anglo Gold Ashanti mehr als eine Million Unzen Gold in Westafrika.

          Infrastruktur im Eigenbau

          Das wichtigste Fördergebiet ist nach wie vor Ghana, das unter den Gold produzierenden Nationen auf Platz acht unmittelbar hinter Kanada liegt. In den vergangenen Jahren stieg Ghanas Goldproduktion auf rund 2,6 Millionen Unzen. Doch die umliegenden Länder - Elfenbeinküste, Burkina Faso, Guinea, Senegal und Mali - holen auf. Alles in allem betrug die Förderung in den genannten Ländern einschließlich Ghana im vergangenen Jahr rund sechs Millionen Unzen. Neue Minen werden weiterhin erschlossen.

          Dabei ist die Goldförderung in Westafrika nicht ohne Risiken. Das liegt daran, dass es kaum Infrastruktur gibt und die Konzerne für den Betrieb ihrer Minen häufig auf sogenannte Insellösungen zurückgreifen müssen. Das heißt, sie müssen alles mühsam an die Mine herantransportieren, vom Diesel für die Gesteinsmühlen über das Trinkwasser für die Arbeiter bis hin zu satellitengestützten Kommunikationseinrichtungen.

          Zudem schreiben die Länder ihnen Infrastrukturmaßnahmen vor: Die Betreiber müssen Straßen und nicht selten Krankenstationen bauen. Das lohnt sich nur, wenn der Goldpreis beständig hoch bleibt. Der Betrieb einer Mine in Mali beispielsweise ist deshalb rund zweimal so teuer wie der einer Mine in Südafrika. Eine Wahl haben die westlichen Goldkonzerne aber nicht, wenn sie gegen die chinesische Konkurrenz bestehen wollen. China tauscht in Afrika seit langer Zeit Infrastruktur gegen Rohstoffe, was dazu geführt hat, dass die afrikanischen Länder zum ersten Mal einen echten Wert für ihre Bodenschätze erhalten.

          Politische und andere Unsicherheiten

          Darüber hinaus sind einige Förderländer politisch unsichere Kandidaten. Guinea etwa hat die Stichwahl um das Präsidentenamt nach blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften verschoben. Das Land wurde jahrzehntelang vom Militär regiert, und insbesondere die in Guinea in der Bauxitförderung tätigen Russen können ein Lied singen von der mangelnden Vertragstreue der wechselnden Regime.

          Die Elfenbeinküste wiederum hat ihren Bürgerkrieg zwar hinter sich und wählt am kommenden Wochenende einen neuen Präsidenten, nachdem die Wahlen sechs Jahre lang verschoben worden waren. Ob das Land dauerhaft friedlich bleibt, ist allerdings ungewiss.

          Mali gilt zwar als politisch stabil, muss sich aber in seinen entlegenen Regionen einer Al-Qaida-Fraktion erwehren, die für zahlreiche Morde verantwortlich ist und deren Präsenz die ausländischen Minenbetreiber zu exorbitant teuren Sicherheitsvorkehrungen veranlasst. Ähnlich sieht es in Niger und weiter westlich in Mauretanien aus. Und dass Burkina Faso ein Hort der demokratischen Stabilität wäre, ist ein Gerücht.

          Und es lohnt sich doch

          Gleichwohl scheint das die Goldproduzenten nicht zu beeindrucken. Sie konkurrieren um die kleineren, schon länger in Westafrika tätigen Förderer. So erklärte etwa das Unternehmen Gold Fields unlängst, seine Produktion in Westafrika auf mehr als eine Million Unzen steigern zu wollen. Das in Johannesburg notierte Unternehmen betreibt gegenwärtig zusammen mit der kanadischen Iamgold in Ghana die Tarkwa-Mine, die auf einen Ausstoß von 650.000 Unzen kommt.

          Eine Steigerung ist nur durch eine Übernahme möglich. Auch dem weltweit größten Goldproduzenten Barrick Gold wird großes Interesse an Zukäufen nachgesagt. Die australische Newcrest Mining wiederum übernahm unlängst Lihir Gold, die in der Elfenbeinküste rund 155.000 Unzen jährlich fördert. Der Wettbewerb um Afrikas Gold geht weiter.

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