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Gold im Aufwind : Der Goldmann von Goldman

Jeffrey Currie ist Analyst bei Goldman Bild: Bloomberg

Jeff Currie, Staranalyst bei Goldman Sachs, hat als einer von wenigen den Gold-Boom 2019 vorhergesagt. Er sieht ihn noch lange nicht am Ende.

          3 Min.

          Wenn man ein Beispiel sucht, wo die Analysten fast aller Banken komplett daneben lagen, muss man sich nur die Entwicklung des Goldpreises im vergangenen Jahr anschauen. Die F.A.Z. hatte vor einem Jahr rund 20 Banken befragt, wie sich der Goldpreis im Jahresverlauf entwickeln werde. Sie verschätzten sich gewaltig, erwarteten im Schnitt sogar einen rückläufigen Preis auf 1284 Dollar zum Jahreswechsel. Tatsächlich aber hat der Goldpreis im vergangenen Jahr eine Hunderter-Marke nach der anderen geknackt – und steht jetzt bei mehr als 1550 Dollar. Einer der wenigen Fachleute in Banken, die vor einem Jahr einen grandiosen Aufstieg des Goldes vorhergesagt hatten, auch wenn dessen Ausmaß selbst er unterschätzte, war Jeffrey („Jeff“) Currie, globaler Rohstoff-Fachmann der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs.

          Goldpreis könnte noch etwas steigen: auf 1600 Dollar

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Donnerstag nun trat Currie abermals in Frankfurt auf, bei der „Global Strategy Conference“, einem wichtigen Investoren-Treffen der Bank, und verkündete seine weiterhin zuversichtliche Einstellung gegenüber dem glänzenden Edelmetall. „We really like gold now“ – „wir lieben Gold jetzt wirklich“, betonte Currie. Seine Faustformel lautet: „Angst plus Wohlstand gleich teures Gold.“ Die Ersparnisse in den Vereinigten Staaten seien zuletzt gestiegen, das sei günstig fürs Gold. Zugleich hätten die Sorgen über die geopolitischen Spannungen den Goldpreis hochgetrieben. Zudem hätten viele Notenbanken große Mengen Gold gekauft, um ihre Währungen unabhängiger vom Dollar zu machen. Für dieses Jahr sagt Currie einen weiteren Anstieg des Goldpreises vorher – zumindest bis auf 1600 Dollar. „Unsicherheiten, die De-Dollarisierung und Nachfrage von Zentralbanken treiben die Nachfrage nach Gold“, meinte der Rohstoff-Fachmann. Geopolitische Unsicherheiten beflügelten den Goldpreis. Zudem sei aus seiner Sicht Gold derzeit im Sinne der Diversifizierung „die beste Absicherung gegen Risiken“.

          Unsicherheit könnte vor allem für amerikanische Anleger in diesem Jahr die Präsidentenwahl bedeuten. Dabei scheint Goldman zumindest aus Sicht der Aktienanleger mehr die Sorge zu bewegen, ob ein demokratischer Kandidat im Falle eines Wahlsiegs die Steuerreform zurückdrehen könnte, als dass ihnen vor einer weiteren Amtszeit Donald Trumps mit globalen Handelskonflikten graust. Die Chancen sehe man etwa bei 50 zu 50, deutete Goldmans Amerika-Aktien-Fachmann David Kostin an. Werde die Steuerreform nicht zurückgedreht, könnte der amerikanische Aktienindex S&P 500 zum Jahresende bei 3400 Punkten stehen, das wäre ein Plus von 5 Prozent. Komme aber ein Demokrat ans Ruder, der das vorhabe, sei ein Einbruch des Index um immerhin 20 Prozent auf 2600 Punkte denkbar.

          Ansonsten erwartet Goldman aber ein Jahr, das eher von nachlassenden Anlegersorgen bestimmt sein dürfte, wie Chefvolkswirt Jan Hatzius ausführte. Das Wachstum der Weltwirtschaft prognostiziert er mit 3,4 Prozent in diesem Jahr, nach 3,1 Prozent im vergangenen. Insbesondere der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China habe sich offenkundig etwas beruhigt. „Aus unserer Sicht ist das eine Art Waffenstillstand“, sagte Hatzius. „Der Einfluss des Handelskonfliktes auf das Wirtschaftswachstum dürfte 2020 gegen Null tendieren.“ Für Europa prognostizierte Europa-Chefvolkswirt Jari Stehn ein etwas besseres Jahr als 2019, mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent im Euroraum.

          Vermögensverwalter Jens Erhardt hatte im Sommer Gold verkauft

          Auch Vermögensverwaltern und Anlagestrategen der Konkurrenz lobten bei der Goldman-Konferenz zumindest zum Teil das Gold. So berichtete der Vermögensverwalter Jens Erhardt aus Pullach bei München, er habe im vergangenen Sommer Gold verkauft, weil es ihm zu viel geworden sei, wie das glänzende Edelmetall selbst auf den Titelseiten von Magazinen gelobt worden sei. So was sei immer ein Zeitpunkt zum Verkaufen. Mittlerweile sei er aber wieder stärker eingestiegen. „Gold als Anker ist eine gute Geschichte“, meinte er. Auch Goldminen-Aktien, vor denen viele früher immer abgeraten hätten, seien interessanter geworden, die Unternehmen hätten „dazugelernt“.

          Klaus Kaldemorgen von der Fondsgesellschaft DWS verkündete zwar wie die meisten anderen Anlagefachleute, dass Aktien auch in diesem Jahr weiter gut laufen dürften, von vorübergehenden Korrekturen abgesehen. Er meinte aber auch, nach amerikanischen Staatsanleihen sei Gold die zweite Möglichkeit, Risiken zu „hedgen“, also sich abzusichern, ähnlich wie Beteiligungen an Immobilien: „Es gibt ja weiterhin geopolitische Risiken.“ Inflation jedenfalls rechnet keiner der Anlagefachleute zu den großen Gefahren für Anleger und den Treibern für den Goldpreis, auch wenn Vermögensverwalter Bert Flossbach warnte, die Inflation sei „nicht tot“. DWS-Chef Asoka Wöhrmann jedenfalls spekulierte: „Die nächste Generation weiß womöglich nicht mal mehr, wie man Inflation überhaupt schreibt.“

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