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Heraeus-Goldmarkt-Umfrage : Der deutsche Goldanleger, das unbekannte Wesen

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles: Auch Goldbarren brauchen manchmal ein bisschen Pflege. Bild: AFP

Gold ist bei den internationalen Anlegern gerade nicht sehr gefragt. Sie fürchten höhere Zinsen. Doch die Deutschen kaufen weiter sehr viele Barren und Münzen. Eine Studie hat dieses Verhalten untersucht.

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          Ukrainekrieg und Inflation haben der Nachfrage nach Gold in Deutschland einen Schub gegeben. Vor allem physisches Gold in Form von Barren wird hierzulande stärker nachgefragt als in vielen anderen Ländern. Fast jeder dritte private Goldanleger in Deutschland hat angesichts des Ukrainekriegs seine Anlagestrategie verändert: Viele haben ihren Goldanteil im Vermögen sogar noch mal erhöht oder setzen verstärkt auf Bargeld oder Aktien. Festgeldkonten und Tagesgeldkonten dagegen haben an Beliebtheit weiter verloren.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das geht aus der alle zwei Jahre durchgeführten Goldmarkt-Umfrage des Edelmetall-Konzerns Heraeus aus Hanau hervor, die der F.A.Z. exklusiv vorab vorliegt. Die Befragten nennen Skepsis gegenüber der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und Sorge vor weiter hoher Inflation als wichtigste Motive. 52 Prozent rechnen für die kommenden zwölf Monate mit einer schrumpfenden Wirtschaft – 48 Prozent mit einem „steigenden“, 46 Prozent mit einem „stark steigenden“ Preisniveau.

          Während des Ukrainekrieges haben demnach 32 Prozent der Befragten ihre Anlagestrategie verändert. Besonders Gold profitierte von diesen Umschichtungen: unter dieser Gruppe setzen 73 Prozent verstärkt auf das Edelmetall, 36 Prozent legen verstärkt in Bargeld und 29 Prozent in Aktien an.

          „Die Inflation lag in Deutschland im Mai mit 7,9 Prozent so hoch wie zuletzt vor knapp 50 Jahren – die Sorge vor weiter stark steigenden Preisen sowie Rezessions- und Kriegsängste dürften den Goldpreis antreiben“, sagte Alexander Zumpfe, Edelmetallhändler bei Heraeus.

          In den zurückliegenden Monaten hatte der Goldpreis geschwankt: Unsicherheit und Inflation hatten ihn beflügelt – die Erwartungen steigender Zinsen und ein zumindest lange starker Dollar hatten ihn gedämpft. Am Donnerstag notierte Gold bei gut 1850 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In aller Welt ist die Nachfrage nach Gold im ersten Quartal um 34 Prozent auf 1234 Tonnen gestiegen – Deutschland stach dabei mit einer starken Nachfrage nach physischem Gold, also Barren und Münzen, in Höhe von 47,2 Tonnen hervor.

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          Das Ergebnis der Goldmarkt-Umfrage deckt sich mit Beobachtungen von Edelmetallhändlern wie Pro Aurum in München und der Branchenorganisation World Gold Council: Denen zufolge leiden zwar der Goldpreis und die Nachfrage nach Wertpapieren auf Gold auf den internationalen Märkten unter der sich abzeichnenden Zinswende. In Deutschland aber ist die Nachfrage von Privatanlegern nach physischem Gold so stark, dass es zeitweise zu verlängerten Lieferfristen kam.

          Heraeus hat für sein Barometer 2250 eher goldaffine Privatanleger aus Deutschland befragt, die zumindest schon mal irgendein Interesse an Gold gezeigt hatten. 81 Prozent davon sagten, sie besäßen aktuell Gold, 59 Prozent Aktien, 34 Prozent Immobilien, 16 Prozent Lebensversicherungen, 15 Prozent Festgeld und 7 Prozent Anleihen. Der Anteil des Goldes machte bei den meisten weniger als 10 Prozent des Vermögens aus; nur ein kleiner Teil setzte schwerpunktmäßig auf Gold.

          Goldanleger oftmals Männer über 50

          Auch sonst lässt sich aus der Studie ein bisschen was über die typischen deutschen Goldanleger lernen. Unter den „goldaffinen Anlegern“ waren Männer und die Altersgruppen oberhalb von 50 Jahren überproportional vertreten. Die meisten besitzen dabei Barren: 65 Prozent gaben an, Gold in dieser Form zu halten. 48 Prozent sagten, sie hätten Münzen. Goldschmuck kam auf 13 Prozent, Gold-Sparpläne und Gold-Wertpapiere jeweils auf 11 Prozent.

          Relativ viele Anleger lagern ihr Gold dabei zu Hause. In der Umfrage gaben 24 Prozent an, dass sie dies machten. Und das, obwohl es immer wieder zu Straftaten gekommen ist, bei denen Menschen zu Hause Gold gestohlen oder geraubt wurde. Die Polizei berichtete sogar von einem Fall, bei dem einer älteren Dame von Einbrechern daheim sämtliche Wände aufgestemmt wurden, während sie in der Oper war - weil sie einem Opernfreund erzählt hatte, dass sie dort ihre Goldbarren aufbewahrt.

          Inflation beschäftigt die Goldanleger sehr

          Die Inflation scheint ein zentraler Grund zu sein, warum Anleger im Moment auf Gold setzen. In der Umfrage sagte ein große Mehrheit, Gold bedeute für sie „Werterhalt“, „sicherer Hafen“ oder „Inflationsschutz“. Lediglich 11 Prozent der Privatanleger setzten primär auf eine Rendite durch Wertsteigerung. Das mag ein wichtiger Unterschied zu den Profi-Anlegern am internationalen Markt für Gold-Wertpapiere sein und etwas unterschiedliche Zyklen erklären.

          Nachhaltigkeit auch bei Goldanlegern ein Thema

          Die Autoren der Studie berichten zudem von mehr Interesse auch vieler Goldanleger am Thema Nachhaltigkeit. „Es fällt auf, dass das Thema an Bedeutung gewinnt“, sagte Zumpfe. So nennen 43 Prozent das Thema wichtig, 14 Prozent sehr wichtig. Der CO2-Fußabdruck des Goldes ist demnach jedem dritten Befragten wichtig, sieben Prozent sehr wichtig. 54 Prozent wären sogar bereit, für CO2-neutrales Gold mehr zu zahlen. Dahinter steckt, dass es eine Debatte gibt, ob für Gold, das in den Minen unter nachhaltigeren Bedingungen gefördert wird, ein zweiter, höherer Goldpreis zu etablierten wäre. Goldhändler wie Heraeus hatten darüber diskutiert.

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