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Staatsanleihen : Ghana will 100-jährige Anleihe begeben

Kakao ist einer der Haupt-Exportartikel Ghanas. Bild: Reuters

Vor 100 Jahren ging in Europa der Erste Weltkrieg zu Ende und die Donaumonarchie zerfiel. Ghana war noch eine Kolonie. Trotzdem baut man dort anscheinend auf lang anhaltende Stabilität.

          Vor 100 Jahren hieß das afrikanische Land Ghana noch „Kronkolonie Goldküste“. Das Aschantigebiet im Innern des Landes war erst 17 Jahre zuvor von den Briten annektiert worden und erst vierzig Jahre später sollte die Goldküste als „Ghana“ unabhängig werden. Zwischen 1966 und 1981 gab es fünf Militärputsche und erst vor 26 Jahren bekam das Land eine demokratische Verfassung. In 100 Jahren kann also eine Menge passieren.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nichtsdestoweniger will das Land nun eine Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 100 Jahren begeben. Bis Ende des Jahres sollen Anleihen im Volumen von 5 bis 10 Milliarden amerikanischen Dollar verkauft werden. Und das ist erst der Anfang, denn über die Jahre sollen es 50 Milliarden Dollar werden.

          Mutiger Zeitpunkt

          Damit will Ghana bestehende Schulden abzahlen, Fabriken bauen und jährliche Infrastrukturausgaben von 7 Milliarden Dollar finanzieren, so Finanzminister Ofori-Atta zur Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Der Zeitpunkt scheint angesichts steigender Zinsen in Amerika und einer erhöhten Risikowahrnehmung der Investoren mit Blick auf Schwellenländer mutig gewählt. Die durchschnittlichen Renditen von Schuldtiteln aus Schwellenländern sind nach Angaben von Bloomberg seit April um fast einen Prozentpunkt gestiegen. Auch Kieran Curtis von der britischen Fondsgesellschaft Aberdeen glaubt nicht, dass 10 Milliarden Dollar nachgefragt werden.

          Ghana ist derzeit auf den Emissionsmärkten gut unterwegs. Zum Jahresende sollen abermals Eurobonds begeben worden, nachdem im Mai 2 Milliarden Dollar in 10- und 30-jährigen Anleihen plaziert wurden. Ursprünglich hatte das Land auch in Yuan denominierte „Panda-Bonds“ und „Samurai Notes“ in Japan begeben wollen.

          Hohe Schulden, schwache Noten

          Ghana ist nicht gerade der beste Schuldner. Zahlungsausfälle gab es an der Wende zu den Achtziger Jahren, mehrfach wurden Schulden erlassen. Derzeit läuft noch ein Rettungspaket des Internationalen Währungsfonds. Dieses wurde 2015 gestartet, als die Landeswährung Cedi massiv abgewertet hatte und die Verschuldung aus dem Ruder gelaufen war.

          Aktuell liegt die gesamte öffentliche Verschuldung bei 65,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, davon sind mehr als die Hälfte Auslandsschulden. Von den Rating-Agenturen wird Ghana recht einhellig mit der Note „B-“ bewertet, also sehr schwach. Erst vor wenigen Tagen hatte die Agentur Standard & Poor’s allerdings die Note auf „B“ leicht angehoben. Die Analysten begründeten dies mit einer stabileren Bankenbranche und einem Rückgang der Inflation. Die Wachstumsaussichten seien robust und das Leistungsbilanzdefizit schrumpfe, obgleich das Haushaltsdefizit weiter groß und die Verschuldung hoch sei.

          Argentinien, Mexiko, Österreich

          Außer Ghana haben auch einige andere Staaten 100-jährige Anleihen ausgegeben. Selten sind es wirklich gute Schuldner: Argentinien etwa hat 2017 eine Jahrhundertanleihe im Umfang von 2,6 Milliarden Dollar begeben. Mit zu den fleißigsten Emittenten solcher Titel gehört auch Bolivien. Diese Anleihen laufen aber in der Regel auf die Landeswährung Boliviano.

          Unter den besseren Schuldnern finden sich neben Mexiko oder China auch Belgien und Deutschlands Nachbar Österreich. Letzterer war vor 100 Jahren gerade aus der Asche der Donaumonarchie hervorgegangen.

          Kein professioneller Investor baut ernsthaft darauf, dass 100-jährige Anleihen am Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden. Tatsächlich werden diese Anleihen zum einen aus regulatorischen Gründen gekauft, weil damit langfristige Zahlungsverpflichtungen wie Pensionen unterlegt werden. Zum anderen sind es Zinsspekulationen, daher finden sich auch viele synthetische „Nur-Zins-Papiere“, sogenannte IO-Strips mit 100-jähriger Laufzeit, gerade aus Österreich. Mit diesen werden Anleihendepots abgesichert.

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