https://www.faz.net/-gv6-94csw

GFT : Die IT-Aktie im Abwärtstrend

  • -Aktualisiert am

GFT sucht einen neuen Kurs: Der Strategiewechsel zeigt noch keinen Erfolg. Bild: dpa

Die Aktie des IT-Dienstleisters GFT war einst ein großer Star. Doch jetzt musste das Unternehmen seine Prognosen schon zwei Mal kappen. Ein Strategiewechsel soll die Wende bringen - auch für den Kurs.

          Es ist kein guter Start für Marika Lulay gewesen. Erst Anfang Juni hat sie den Vorstandsvorsitz bei dem in Stuttgart ansässigen IT-Dienstleister GFT Technologies SE übernommen. Seitdem musste zweimal die Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Jahr kassiert werden. Hintergrund ist der angekündigte Sparkurs zweier Banken, Deutsche Bank und Barclays, die unter anderem wegen der Auswirkungen des bevorstehenden Brexits ihre Budgets für die Informationstechnologie kürzten.

          Das ging auch am Aktienkurs des im Tec-Dax notierten Unternehmens nicht spurlos vorbei. Am Jahresanfang notierte der Anteilschein noch bei 21,34 Euro. In der Folgezeit ging es bis auf kurze Erholungsphasen auf niedrigem Niveau stetig nach unten. Am Freitag wurde die GFT-Aktie zu Kursen um 12 Euro gehandelt, ein Abschlag um 3 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit war GFT größter Tagesverlierer im Tec-Dax. Bei den von der Finanzagentur Bloomberg befragten Aktienanalysten bildet sich dagegen kein einheitlicher Trend für die Aktie heraus. Sie erwarten in den kommenden zwölf Monaten einen Kurs zwischen 12 und 28 Euro.

          In den ersten neun Monaten war der Betriebsgewinn (Ebitda) des auf Banken und Versicherungen spezialisierten IT-Dienstleisters wegen Restrukturierungskosten in Nordamerika und Großbritannien und Währungseffekten um 14 Prozent auf 29 Millionen Euro zurückgegangen. Der Umsatz stieg dank guter Geschäfte mit Privatkundenbanken in Europa leicht auf 317 Millionen Euro. Der Vorstand erwartet nach der im Oktober abermals angepassten Prognose für das laufende Jahr nur noch einen Umsatz von 415 (vorherige Prognose: 425) Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) werde auch wegen höherer Restrukturierungskosten noch bei 34 (vorherige Prognose: 42) Millionen Euro liegen.

          GFT setzt auf Industrie-4.0-Lösungen

          Bereits im Juli hatte Lulay ihre Erwartungen eingedampft, weil die beiden Großkunden die IT-Investitionen für ihr Investmentbanking zurückgeschraubt haben. Ursprünglich hatte GFT einen Umsatz von 450 Millionen Euro angepeilt und ein Ebitda von 48,5 Millionen. Deutsche Bank und Barclays zählen zu den größten Kunden. GFT ist darüber hinaus auch für die Großbanken HSBC, UBS, BBVA, Intesa, Sanpaolo und Citi tätig. An GFT hält der Gründer Ulrich Dietz etwas mehr als 26 Prozent der Anteile. Der Streubesitz beläuft sich laut Mitteilung auf 64 Prozent. Lulay ist Nachfolgerin von Dietz an der Vorstandsspitze. Sie will die Abhängigkeit von der Finanzbranche verringern und setzt bei der Erweiterung des Geschäftsmodells auf Industriekunden. „GFT hat schon verschiedene Plattformlösungen bei verschiedenen Banken und Versicherungen erfolgreich implementiert. Der logische Schritt ist nun, diese als Technologieexperte auch für Industrieunternehmen anzubieten“, so die Vorstandsvorsitzende.

          GFT TECHNOLOGIES SE

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Im ersten Schritt hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge den Maschinenbau und die Automobilindustrie im Blick. Es setzt vor allem auf Industrie-4.0-Lösungen. Hier sei das Wissen gefragt, das GFT mit Cloud-Lösungen, Künstlicher Intelligenz oder Datenanalyse mitbringe. Zugleich leide der deutsche Mittelstand unter einem Mangel an IT-Experten. Auch in diesem Bereich sieht das Unternehmen Chancen, neue Kunden zu gewinnen. Erste Projekte seien angelaufen. Umsatzziele nannte GFT auf Nachfrage für den neuen Geschäftsbereich nicht. Er soll binnen zwei Jahren auch im Ausland ausgerollt werden, wie eine Sprecherin weiter mitteilte.

          Das Analysehaus Warburg Research sieht den Zeitpunkt für einen Einstieg in die Aktie noch nicht gekommen und sprach sich für „Halten“ bei einem Kursziel von 12 Euro aus. Vorausgesetzt, dass das Unternehmen das Jahr 2018 etwa auf dem Niveau des vierten Quartals 2017 beginnen werde, bedeute dies für das erste Quartal 2018 einen zweistelligen Umsatzrückgang. „Da dies kaum ein Kurskatalysator sein wird, scheint der Zeitpunkt für eine Kaufempfehlung nicht optimal zu sein.“

          Die Privatbank Hauck & Aufhäuser senkte das Kursziel von 21 auf 15,70 Euro, hat die Einstufung aber auf „Kaufen“ belassen. Ungeachtet der kurzfristigen Unsicherheiten seien die mittel- und langfristigen Wachstumsperspektiven des Software-Anbieters zu gut, um darüber hinwegzusehen, schrieb Analyst Lars Dannenberg. Der jüngste Kursrutsch sollte als Einstiegsgelegenheit begriffen werden. Kepler Cheuvreux geht nach der jüngsten Analyse nur noch von einem Kursziel von 10 anstatt von 12,50 Euro aus. Die Einstufung „Reduzieren“ wurde belassen. Weitere negative Überraschungen seien nicht ausgeschlossen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kann man dem Pessimismus gegenüber der Welt irgendwie entkommen?

          Gute Nachrichten : Die Welt ist gar nicht so schlecht

          Steigende Ungleichheit, Umweltkatastrophen und Terrorismus: Oft hat man das Gefühl, dass die Welt schlechter wird – doch in Wahrheit wird sie besser. Wir wollen das nur nicht glauben.

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.