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Experten zugehört : Neues zur Fusion von Deutscher und Commerzbank aus Davos

Direkte Nachbarn: Die Zentrale der Commerzbank und das alte Gebäude der Deutschen Bank in Frankfurt. Bild: Frank Rumpenhorst

Die internationale Finanzwelt ist sich über eine Fusion der beiden deutschen Banken uneins. Doch auf dem Weltwirtschaftsforum wird ja recht viel miteinander gesprochen – da sind interessante Dinge zu erfahren.

          Vieles bleibt auf dem Weltwirtschaftsforum im Laufe der Jahre gleich, aber hin und wieder ändert sich auch etwas. Wer in den vergangenen Jahren Vertreter internationaler Bankhäuser nach ihrer Einschätzung zur Deutschen Bank befragte, hörte häufig Äußerungen des Mitleids oder den brachialen, später von einem Analysten im Zusammenhang mit der Bank gebrauchten englischen Ausdruck: „beyond repair“. Frei übersetzt: Die Bank ist, so wie sie ist, nicht mehr zu reparieren.

          Auch in diesem Jahr waren Äußerungen des Mitleids und des Zweifels zu hören. Aber es gab nun auch Äußerungen des Typs: „Christian kann es schaffen.“ Mit der Berufung Christian Sewings zum Vorstandsvorsitzenden vor rund einem dreiviertel Jahr verbinden sich Hoffnungen auf eine Besserung der Lage, freilich verbunden mit einem anderen Zuschnitt. Als „eine mittelgroße europäische Bank“ beschreibt ein Vorstandsmitglied eines Konkurrenten die Perspektive der Deutschen Bank, während ein anderer vor allem das Investmentbanking stärker weg vom Kapitalmarktgeschäft hin zu einer konsequenteren Ausrichtung auf die Unternehmensfinanzierung umgebaut sähe.

          Natürlich haben sich auch die Spekulationen um eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank in der internationalen Finanzwelt herumgesprochen. Die Einschätzungen gehen dort so weit auseinander wie in Deutschland. Es gibt Verfechter eines solchen Projekts, das sich bekanntermaßen ganz überwiegend mit massiven Einsparungen, also als eine Art defensive Fusion, rechtfertigen ließe. Das jährliche Einsparvolumen wird auf drei bis vier Milliarden Euro geschätzt. Eine Fusion mit der Commerzbank wäre nach Davoser Planspielen aber nur der erste Schritt für die Deutsche Bank, um dann auf gleicher Höhe einen Zusammenschluss mit der Schweizer Großbank Credit Suisse anzusteuern.

          Zusammenschluss habe betriebswirtschaftlich keinen Sinn

          Eine Ehe aus Deutscher Bank und Credit Suisse ist über viele Jahre ein Diskussionsthema in internationalen Bankenkreisen gewesen, denn beide Banken galten als nicht mehr stark genug für ihre Ambitionen. Und da die Börsenwerte lange Zeit vergleichbar waren, hätte die Möglichkeit einer „Fusion unter Gleichen“ bestanden. Mittlerweile liegt der Börsenwert der Deutschen Bank so weit unter jenem der Credit Suisse, dass das deutsche Institut deutlich zulegen müsste, um als gleichwertiger Partner aufzutreten.

          Aber nicht überall in der internationalen Bankenwelt würde ein Zusammenschluss als eine große Chance wahrgenommen. Es gibt die Vertreter der These, eine Fusion wäre nur eine Option für einen Notfall, wenn eine der beiden Banken in ernste Schwierigkeiten geriete. Andere Stimmen meinen, ein Zusammenschluss habe betriebswirtschaftlich keinen Sinn, weil beide Banken schwach seien.

          Die vielleicht interessanteste Einschätzung kam aus dem Vorstand eines großen internationalen Finanzkonzerns. Dort wurde zwischen einer politischen und einer betriebswirtschaftlichen Logik unterschieden. Wenn es in Deutschland das Bedürfnis nach einem nationalen Champion gäbe, der deutschen Unternehmen im Ausland als Partner zur Verfügung stünde, gebe es eine politische Rechtfertigung, hieß es. Gehe man rein nach betriebswirtschaftlichen Überlegungen vor, sähe das Projekt weniger überzeugend aus – vor allem dann, wenn aus politischer Rücksichtnahme die mit zahlreichen Entlassungen verbundenen Kostensynergien nicht gehoben würden.

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