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Geschäft mit Privatkunden : Banken verdienen wenig mit Strafzinsen

Kontoauszug in Nahaufnahme. Wegen der Negativzinsen sind manche Kunden zu anderen Banken abgewandert. Bild: dpa

Die Negativzinsen werden an einige Privatkunden weitergereicht. Für die Banken lohnt sich das kaum. Stattdessen drohen weitere Klagen von den Verbraucherzentralen.

          Eine ganze Reihe von Banken in Deutschland haben Negativzinsen oder Verwahrentgelte auch für Privatkunden eingeführt – meistens allerdings nur für recht große Einlagen. Im breiten Massengeschäft sind Privatkunden vor allem von der Einführung oder Anhebung aller möglichen Entgelte rund ums Girokonto betroffen, die von den Banken oft mit den von ihnen selbst zu zahlenden Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) begründet werden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Beträge, die von den Banken tatsächlich mit Negativzinsen von Privatkunden erwirtschaftet werden, sind nach Angaben aus der Branche offenbar in der Regel recht überschaubar. Größer könnten die Einnahmen großer Institute aus Negativzinsen von Unternehmenkunden und institutionellen Anlegern sein.

          Einer, der recht offen mit diesen Zahlen umgeht, ist Josef Paul, Vorstand der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, der zu den Pionieren der Verwahrentgelte gehörte. Gleich am zweiten Tag der Negativzinsen war ihm ein Kunde mit 2 Millionen Euro zur benachbarten Sparkasse abgewandert. Von 100.000 Euro an zahlt man bei dem Institut in der vermögenden Region seit 2016 ein Verwahrentgelt.

          17.000 Euro im Jahr

          Auf Anfrage der F.A.Z. zog Paul schon eine kleine Bilanz der Negativzinsen für dieses Jahr: Bis Ende Oktober habe die Bank im Durchschnitt 1736 Euro je Monat an diesen Verwahrentgelten verdient, also insgesamt 17.000 Euro. Vor rund einem Jahr, als die erste Bilanz eines Jahres mit Negativzinsen vorgestellt wurde, hatte Paul noch von Einnahmen von rund 2000 Euro im Monat berichtet. Im Gegenzug hatte die Bank vorübergehend rund ein Fünftel ihrer Einlagen verloren.

          Die Hamburger Volksbank berichtet, sie habe zwischen Februar und Dezember 2017 rund 15.000 Euro aus Negativzinsen eingenommen. Privatkunden mussten von 500.000 Euro an 0,2 Prozent zahlen. Ziel seien keine zusätzlichen Einnahmen gewesen, sagte eine Sprecherin. Man wollte die Kunden zum Umschichten bewegen.

          Mit Erfolg: Gut die Hälfte der 150 betroffenen Kunden habe sich für eine individuell besprochene Anlagealternative entschieden, andere hätten anders umgeschichtet. Immerhin 25 Prozent hätten sich aber auch wegen der Negativzinsen für eine andere Bank entschieden. Nach diesen Erkenntnissen hat die Bank die Negativzinsen wieder abgeschafft.

          Verbraucherzentralen klagen gegen Negativzinsen

          Auch die Skatbank in Thüringen, die früh Negativzinsen eingeführt hatte, berichtet, die Einnahmen seien überschaubar. Konkrete Zahlen veröffentliche man nicht, sagte eine Sprecherin, es handele sich aber um einen „im Verhältnis zu unseren weiteren Ertragsfeldern sehr unbedeutenden Ertragsbeitrag“. Ähnlich äußerte sich die Hamburger Sparkasse, es gehe nicht darum, große Erlöse zu generieren.

          Die Verbraucherzentralen kündigten unterdessen an, weiter gegen Negativzinsen vorgehen zu wollen. „Nach unserem ersten Erfolg gegen die Volksbank Reutlingen lassen wir aktuell im Rahmen von drei weiteren Unterlassungsklagen konkrete Verhaltensweisen einiger Kreditinstitute zur Problematik von Negativzinsen gerichtlich prüfen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Im Blick stünden die Sparda-Bank Berlin, da gehe es um die Darstellungsweise der Negativzinsen; die Kreissparkasse Tübingen, bei der in einem Riesterprodukt ein negativer Grundzins mit einem Bonus verrechnet werde, und die Kreissparkasse Kaiserslautern, die eine Zinsanpassungsklausel eingeführt habe, die rechnerisch negative Zinsen zulasse.

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