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Nachfolge : Soros baut die zweitgrößte Stiftung Amerikas

Keiner, der sich zurückhält: George Soros mischt sich auch mit 87 Jahren noch in die Weltpolitik ein. Bild: EPA

Der Fondsgründer George Soros regelt seine Nachfolge und stiftet 18 Milliarden Dollar. Doch das geschieht nicht nur aus Nächstenliebe: Steuerliche Motive sind offensichtlich im Spiel.

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          Der 87 Jahre alte Finanzinvestor George Soros bringt einen großen Teil seines Vermögens in die von ihm gegründete und geführte Open-Society-Stiftung ein. Das ist jetzt bekanntgeworden. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für die Stiftung, die damit mit einer zusätzlichen finanziellen Feuerkraft von rund 18 Milliarden Dollar zur zweitgrößten Stiftung der Vereinigten Staaten nach der Bill and Melinda Gates Foundation aufsteigt.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Zugleich teilt die George-Soros-Management-Gesellschaft künftig ihren Einfluss auf die Investitions- und Spekulationsentscheidungen mit einem Investitionskomitee der Stiftung. Bisher ist Soros noch Chef dieses Komitees, doch Nachfolgeregelungen sind schon getroffen. Die neue Eigentümerschaft ändert die Investitionsphilosophie der Soros-Fonds. Der Finanzinvestor war mit Makro-Wetten auf Währungen, Zinsen und politische Ereignisse groß geworden. Solche riskanten Spekulationen, die das Risiko großer Verluste bergen, passen weniger gut zu den Erlösanforderungen gemeinnütziger Stiftungen. Soros‘ Chefinvestorin Dawn Fitzpatrick sagte dem „Wall Street Journal“, man scheue keine Makro-Wetten. Doch erwarte sie eher kleinere Volumina und stetere Kapitalflüsse.

          Nachforderungen können gemindert werden

          Über das Motiv seiner großen Zustiftung hat Soros keine konkreten Angaben gemacht. Ende des Jahres wird in den Vereinigten Staaten ein Steuerschlupfloch geschlossen, dass es Hedgefonds erlaubte Kundengebühren steuerfrei im Fonds zu lassen. Mit der schon 2008 beschlossenen Schließung des Schlupflochs kommen auf viele Finanzinvestoren steuerliche Nachforderungen, die sie zum Teil durch gemeinnützige Investitionen, etwa im Rahmen von Stiftungen mindern können.

          George Soros war nach Anfängen als Aktienhändler in London in die Vereinigten Staaten eingewandert. Dort gründete er eine Finanzinvestitions-Gesellschaft, die später als Soros Fund Management firmierte. Der Fonds agierte lange im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung, bis er durch eine spektakuläre Wette bekannt wurde. Er spekulierte 1992 erfolgreich darauf, dass das britische Pfund überbewertet sei im Vergleich zur Deutschen Mark und deshalb abwerten und aus dem Europäischen Währungssystem herausbrechen müsse.

          Nicht alle Wetten bringen Geld

          Die britische Zentralbank versuchte eine Zeitlang durch hohe Zinsen gegenzuhalten, bevor sie den Versuch aufgeben musste. Soros’ Quantum Fonds verdiente mit der Wette zwischen einer Milliarde und 1,5 Milliarden Dollar binnen eines Monats. Er selbst gilt seitdem als der Mann, der den Willen der Bank von England brach. Eine jüngere Wette ging dagegen schief, er hatte darauf spekuliert, dass nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten die amerikanischen Aktien einbrechen würden. Sie sind seit Amtsantritt um 25 Prozent gestiegen.

          Als Philanthrop ist Soros seit 1979 aktiv. Seine 1984 gegründete Open-Society-Stiftung ist eine Dachgesellschaft, unter der zahlreiche weitere Stiftungen mit unterschiedlichen Zwecken angesiedelt sind. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde sie vor allem in Ost- und Südosteuropa aktiv, um nach eigenen Angaben den Übergang der Länder in demokratische Gesellschaften finanziell zu stützen. Soros selbst stammt aus Ungarn, seine jüdische Familie konnte sich vor den Nationalsozialisten retten und wanderte nach Großbritannien aus.

          Soros polarisiert auch politisch

          Das politische Engagement der Stiftung stieß in mehreren Ländern nicht nur auf Gegenliebe, sondern auch auf scharfe Kritik, die zum Teil in Verboten mündete, etwa in Russland. Die Stiftung hat Nichtregierungsorganisationen im gesamten ehemaligen Ostblock und im ehemaligen Jugoslawien finanziert. Ungarns umstrittener Regierungschef Viktor Orbán hat Soros zum Gegenstand einer Kampagne gemacht. Er wirft ihm vor, Organisationen zu fördern, die Flüchtlinge illegal über die Grenze bringen, und zugleich großflächige Migration anzustreben, die in einer „Muslimisierung“ Ungarns münden werde. Ungarn ist mit Gesetzen, die auf aus dem Ausland finanzierte Nichtregierungsorganisationen und eine von Soros finanzierte Universitätsgründung zielen, mit der Europäischen Kommission und der amerikanischen Regierung aneinandergeraten.

          In der Euro-Krise trat Soros regelmäßig als Propagandist von Eurobonds auf, die Risiken der nationalstaatlichen Finanzpolitik vergemeinschaftet hätten. Der Investor gab Deutschland und der von dem Land geforderten Austeritätspolitik die Hauptschuld an der Euro-Krise. Es war nie klar, ob sich der mit Währungsspekulationen reich gewordene Soros aus rein politischer Überzeugung heraus so stark engagierte in der Euro-Frage, oder ob sein Engagement mit entsprechenden Finanzwetten unterlegt war.

          Stiftung kämpft gegen Hassverbrechen

          In den Vereinigten Staaten war Soros lange ein zentraler Geldgeber für die Demokraten, zuletzt für die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Das machte ihn zu einer Hassfigur extrem konservativer Kreise. Soros ist auch scharfer Kritiker Donald Trumps, dem er vorwirft, mit seiner Rhetorik Hassverbrechen zu provozieren. Zur Bekämpfung von Hassverbrechen hat seine Stiftung Millionensummen spendiert.

          Stiftungen spielen in den Vereinigten Staaten eine immer wichtigere Rolle in der Finanzierung gemeinnütziger Zwecke. Beiträge zu Stiftungen sind steuerlich absetzbar. Die Stiftungen selbst zahlen in der Regel keine Steuern. Sie dürfen allerdings, wenn sie ihren privilegierten Status behalten wollen, keine Wahlkämpfe unterstützen.

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