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Abschied von Malta : Geldwäscheskandale zwingen Deutsche Bank zu Rückzug

Büros der Pilatus Bank auf Malta Bild: Reuters

Die Deutsche Bank wird nicht mehr als Korrespondenzbank für Banken aus Malta und Litauen tätig sein. Grund ist die Häufung von Geldwäschefällen.

          3 Min.

          Die Deutsche Bank dampft ihr Geschäft mit anderen Instituten ein, die in Euroländern mit auffallend häufigen Geldwäschefällen sitzen. Wie ein Sprecher der Bank mitteilte, wird die Korrespondenzbank-Beziehung zu Instituten in Malta Ende des Jahres beendet. In Litauen sind diese Geschäfte, in denen die Deutsche Bank internationale Überweisungen für dortige Banken weiterleitet, Ende September beendet worden. In Estland, wo die Niederlassung der Danske Bank zwischen den Jahren 2007 und 2015 verdächtige Transaktionen im Volumen von 200 Milliarden Euro ausgeführt haben soll, sowie in Lettland und Zypern ist die Deutsche Bank schon seit dem Jahr 2017 nicht mehr als Korrespondenzbank tätig.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Deutschen Bank ist in diesen Ländern das Risiko zu hoch, in neue Geldwäscheskandale verwickelt zu werden. Für die estnische Niederlassung der Danske Bank war die Deutsche Bank bis Ende des Jahres 2015 eine wichtige Korrespondenzbank. Sie soll für sie Überweisungen im Volumen von 150 Milliarden Dollar ausgeführt haben. Das hatte ein früherer leitender Mitarbeiter der Danske Bank im Baltikum im November 2018 vor dem dänischen Parlament angedeutet.

          Allerdings hatten sich die Bank of America und JP Morgan als Korrespondenzbanken der estnischen Danske Bank deutlich früher zurückgezogen als die Deutsche Bank. Sie steht nun unter Druck. Behörden in den Vereinigten Staaten, darunter die Notenbank Federal Reserve, ermitteln gegen sie.

          Vor kurzem kam es zu einer Durchsuchung der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Demnach habe die Deutsche Bank 1,1 Millionen Transaktionen als verdächtig gemeldet. Bei einer zweistelligen Anzahl von Transaktionen im Gesamtvolumen von 12,5 Millionen Euro hegt die Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass die Meldungen zu spät abgegeben worden seien oder die Zahlungen von vornherein hätten gestoppt werden müssen. Auch wenn die Größenordnung der fragwürdigen Transaktionen gering ausfällt im Vergleich zum Gesamtvolumen der Überweisungen, droht der Bank und ihren Mitarbeitern ein Strafverfahren, sollte sich der Verdacht einer Vertuschung erhärten.

          Neue Reputationsschäden aus Geldwäschevorfällen will der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing aber vermeiden. Deshalb überprüft die Deutsche Bank nach Angaben eines Sprechers regelmäßig das Netzwerk an Korrespondenzbanken mit Blick auf Kosten, Risiken und Nutzen. „Wenn es für die Kunden keinen relevanten Mehrwert schafft, die Kosten und mögliche Risiken für die Bank in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen, passen wir unser Dienstleistungsangebot in diesen Ländern entsprechend an“, sagte er.

          Auch ING zieht sich zurück

          In Malta hatte es mehrere Geldwäschefälle gegeben. Am bekanntesten ist die Affäre um die Pilatus Bank, zu der die Deutsche Bank nach eigenen Angaben keine Korrespondenzbank-Beziehung hatte. Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten der Pilatus Bank im November 2018 die Lizenz entzogen, nachdem der iranische Eigentümer Ali Sadr Hashemi Nejad in den Vereinigten Staaten wegen Geldwäsche und Iran-Geschäften verurteilt worden war.

          Die ermordete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hatte gegen die Pilatus Bank Korruptions- und Geldwäschevorwürfe erhoben, die in die höchsten politischen Kreise des Inselstaats reichten. Den Rückzug aus dem Korrespondenzbank-Geschäft für die maltesische Bank of Valletta hat auch die niederländische ING bis zum Jahresende angekündigt. Schon vor Monaten hatte die Deutsche Bank ihr Korrespondenzbankgeschäft mit der Bank of Valletta beendet. Vor kurzem kam ein Fachausschuss des Europäischen Rates zu dem Ergebnis, dass Maltas Behörden in der Bekämpfung von Geldwäsche versagt haben.

          Überforderte Behörden

          „Der von Geldwäsche- und Korruptionsskandalen gebeutelte Finanzplatz Malta kann seinen Ruf als Einfallstor für schmutziges Geld nicht abschütteln“, erklärte Sven Giegold, Finanzfachmann der Grünen im Europäischen Parlament. Seiner Ansicht nach zeigt der Rückzug der Deutschen Bank aus dem Geschäft mit Malta und anderen Euroländern, dass die Europäische Bankenunion endlich Ernst machen müsse im Kampf gegen die Geldwäsche. „Die Europäische Kommission darf dem Nichtstun der Mitgliedstaaten nicht länger tatenlos zusehen, sondern muss Vertragsverletzungsverfahren wegen Umsetzungsmängeln einleiten“, forderte Giegold.

          Mängel gibt es auch in Deutschland. Wie die F.A.Z. in der vergangenen Woche berichtet hatte, stapeln sich die unbearbeiteten Verdachtsmeldungen auf Geldwäsche bei der zuständigen Zentralstelle für Finanzuntersuchungen (FIU). Demnach waren im August 46.032 Verdachtsfälle in Bearbeitung durch die zum Zoll gehörende FIU. Das sind fast doppelt so viele wie im Februar. Die offenen Fälle wurden von der FIU gesichtet und erstbewertet, jedoch noch nicht abschließend entschieden. Aber nicht nur die Behörde scheint überfordert zu sein. Durch die zunehmende Zahl der Geldwäscheskandale melden einige Banken schneller einen Verdacht, um auf Nummer Sicher zu gehen.

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