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Geldtransfer : Der IBAN-Spezialist

  • -Aktualisiert am

Während eine Überweisung innerhalb Deutschlands kein Hexenwerk ist, kann eine Transaktion über die heimischen Grenzen hinaus zur Strapaze werden. Vom Versuch, eine Auslandsüberweisung bei der Bank abzugeben.

          2 Min.

          Katastrophen beginnen harmlos. "Ich würde gerne Geld nach Schweden überweisen", sagt der Kunde. Der Volksbank-Mitarbeiter drückt ihm eine Auslandsüberweisung in die Hand: "Ausfüllen und wieder abgeben". Nun gut, das ist nicht allzu schwer. Zu Hause die Urlaubsunterlagen nach den notwendigen Nummern durchsucht, das Formular ausgefüllt und beim nächsten Bankgang abgegeben.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Drei Tage später liegt Post von der Volksbank im Briefkasten. Sie haben, steht auf dem der Überweisung angehefteten Zettel, ihre Internationale Bankenkennummer IBAN nicht eingetragen. Die eigene? Die sollte doch die Bank eintragen können. Anruf bei der Filiale. "Guten Tag", meldet sich das Call-Center, "wie kann ich Ihnen helfen?" Die IBAN der kontoführenden Volksbank sei in der Tat unerläßlich, sagt der Call-Center-Mitarbeiter, und in der Filiale zu erfragen. Nein, er könne das nicht im Computer nachschauen, denn er habe keinen Zugriff. Und nein, zur Filiale könne er auch nicht verbinden, denn, das sei ein Vorstandsbeschluß, alle telefonischen Anfragen müßten zentral vom Call-Center bearbeitet werden. Er werde dem Mitarbeiter der Filiale aber eine E-Mail schicken, und der werde sich melden. Leichte Erregung beim Kunden. Der Mitarbeiter meldet sich nicht.

          Beratungsbüro für Auslandsüberweisungen eröffnen oder die Bank wechseln

          Dritter Besuch bei der Volksbank. Die IBAN seiner Bankfiliale, sagt der Mitarbeiter, wisse er nicht. Aber sie stehe auf dem Kontoauszug des Kunden, dort könne er sie abschreiben. Nach Hause, Kontoauszug geholt, vierter Besuch bei der Volksbank. "Leider", sagt der Mitarbeiter, einen Blick auf den Kontoauszug werfend, "steht die IBAN nicht auf jedem Auszug. Wie zum Beispiel auf diesem. Ach, und übrigens, Sie brauchen auch noch die SWIFT-Nummer des Empfängers". Ob der Herr Bankangestellte bitte seine Telefonnummer mitgeben könne, damit man eventuelle Rückfragen kurzerhand klären könne? Nein, sagt der Volksbank-Mitarbeiter, die Nummer dürfe er nicht herausgeben, denn alle telefonischen Anfragen, das sei ein Vorstandsbeschluß, müßten zentral vom Call-Center . . . - aber das hatten wir ja schon.

          Größere Erregung beim Kunden. In die nun etwas hitzigere Debatte mischt sich die Filialleiterin ein: "Jetzt wird es aber mal Zeit langsam", ruft sie, auf ihren 18 Uhr und damit den Dienstschluß anzeigenden Chronometer deutend. Das ist selbst dem mittlerweile sehr freundlichen Volksbank-Mitarbeiter peinlich, aber es hilft nichts. Der Kunde, inzwischen IBAN-Spezialist, erkundigt sich bei der schwedischen Überweisungsempfängerin, besorgt die SWIFT-Nummer, schreibt die eigene IBAN vom eigenen Kontoauszug ab und besucht die eigene Volksbank-Filiale zum fünften Mal. "Die SWIFT hätten Sie nicht gebraucht", heißt es da, aber der Rest sei prima. Das Geld ist nun auf dem Weg, hoffentlich. Jeden Tag, wenn die Post kommt, überkommen den Kunden Schweißausbrüche. Für nächstes Jahr gibt es drei Optionen: statt Urlaub in Schweden lieber in den Schwarzwald fahren. Ein Beratungsbüro für Auslandsüberweisungen eröffnen. Oder die Bank wechseln.

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