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Neue Quartalszahlen : Milliardenstrafe belastet Gewinn von Facebook

Zwar belastet der Vergleich mit der FTC den Gewinn von Facebook, doch steigen Umsatz und Nutzerzahlen weiter an. Bild: AP

Der Milliarden-Vergleich mit der FTC macht sich in den Geschäftsergebnissen von Facebook bemerkbar. Aber die Quartalszahlen zeigen auch: Die Umsätze des sozialen Netzwerks wachsen weiter rasant.

          Die am Mittwoch von der amerikanischen Verbraucherschutzbehörde FTC verkündete Geldstrafe hat den Gewinn von Facebook im vergangenen Quartal erheblich belastet. In dem Vergleich mit der FTC hat das soziale Netzwerk einer Zahlung von fünf Milliarden Dollar sowie einer verstärkten Aufsicht im Unternehmen zugestimmt. Wegen der sich abzeichnenden Strafe hatte Facebook schon für das erste Quartal einen Aufwand von drei Milliarden Dollar verbucht, die verbleibenden zwei Milliarden Dollar wurden nun für die vergangenen drei Monate berücksichtigt. Daneben gab es weitere Sonderaufwendungen von 1,1 Milliarden Dollar, die Facebook mit der Veränderung von Steuerregeln begründete.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          All das führte dazu, dass der Nettogewinn im zweiten Quartal um 49 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar sank. Der Gewinn je Aktie vor Sonderposten von 1,99 Dollar war aber um 11 Cent besser als erwartet. Außerdem konnte Facebook seinen Umsatz um 28 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar ausbauen, Analysten hatten im Schnitt mit 16,5 Milliarden Dollar gerechnet. An der Börse wurden die Zahlen zunächst positiv gewertet, der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel leicht zu. Er drehte dann aber zwischenzeitlich wieder ins Minus, nachdem das Management in einer Telefonkonferenz vor einer Abschwächung des Umsatzwachstums in den kommenden Quartalen warnte.

          Internetkonzernen drohen kartellrechtliche Untersuchungen

          In der Auseinandersetzung mit der FTC war es um Datenaffären gegangen, etwa den Missbrauch von Facebook-Informationen, in den das britische Unternehmen Cambridge Analytica verwickelt war. Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg sagte, neben der Geldstrafe würden die Auflagen in dem Vergleich eine „größere Veränderung“ im Geschäft des Unternehmens bringen, die zum Beispiel dazu führen könnte, dass die Einführung neuer Produkte mehr Zeit beanspruchen könnte. Im Zusammenhang mit der FTC-Einigung verkündete Facebook am Mittwoch einen separaten Vergleich mit der Börsenaufsicht SEC, der mit der Zahlung von 100 Millionen Dollar verbunden ist. Die Ermittlungen der SEC drehten sich um die Kommunikation von Facebook rund um die Cambridge-Analytica-Affäre.

          Jenseits von Datenschutzfragen wird Facebook aber auch wegen seiner Marktposition verstärkt ins Visier genommen. Im Quartalsbericht heißt es, das Unternehmen sei im Juni von der FTC informiert worden sei, dass sie auch kartellrechtliche Untersuchungen begonnen habe. Damit bestätigt Facebook die Existenz solcher Ermittlungen zum ersten Mal, nachdem Medien schon berichtet hatten, dass die Behörde Facebook unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten unter die Lupe nehmen will. In dieser Woche wurde außerdem bekannt, dass unabhängig davon auch das amerikanische Justizministerium die führenden Online-Plattformen des Landes auf etwaige Wettbewerbsverstöße hin prüfen will. Dies dürfte neben Facebook auch Unternehmen wie Google und Amazon umfassen.

          Zuckerberg nahm auch zu den vielen kritischen Stimmen rund um Facebooks Pläne zur Einführung einer neuen Digitalwährung mit dem Namen „Libra“ Stellung. Er sagte, das Unternehmen verstehe, dass es sich hier in einem „wichtigen und sensiblen Bereich“ bewege, und deshalb suche es auch einen „offenen Dialog“, zum Beispiel mit Regulierern. Dieser Ansatz zeige auch, wie sich Facebook verändert habe. Zuckerberg meinte, vor wenigen Jahren hätte das Unternehmen wahrscheinlich einfach versucht, die Währung ohne solche Diskussionen einzuführen. Libra war in der vergangenen Woche Gegenstand zweier Anhörungen vor dem amerikanischen Kongress. Sowohl in Amerika als auch in Europa haben sich Politiker und Regulierer sehr kritisch zu dem Vorhaben geäußert.

          Trotz der vielen Affären und Negativschlagzeilen scheinen die Nutzer Facebook weiter treu zu bleiben. Die Zahl der Mitglieder, die Dienst mindestens einmal im Monat aufrufen, stieg in den vergangenen drei Monaten von 2,38 Milliarden auf 2,41 Milliarden, die Zahl der täglichen Nutzer erhöhte sich von 1,56 Milliarden auf 1,59 Milliarden. In Europa stagnierte dieser Nutzerkennziffer allerdings bei 286 Millionen. Auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt gab es einen leichten Zuwachs von 186 Millionen auf 187 Millionen.

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