https://www.faz.net/-gv6-rfhu

Geldpolitik : Geldhändler erwarten weitere EZB-Zinserhöhung

  • Aktualisiert am

„Gut für Wachstum und Beschäftigung” Bild: REUTERS

Nach der Leittzinserhöhung von 2 auf 2,25 Prozent sind die Renditen von Staatsanleihen gesunken. EZB-Präsident Trichet erklärt zwar, es gebe keine Festlegung auf weitere Zinserhöhungen. Händler rechnen dennoch damit.

          2 Min.

          Der zurückhaltende Ton der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der Zinserhöhung am Donnerstag hat die Erwartungen auf weitere Zinsschritte gedämpft. Doch rechnen die Händler am europäischen Geldmarkt immer noch damit, daß der Leitzins bis März auf 2,5 Prozent steigen wird.

          Dreimonatsgeld für den Zeitraum März bis Juni wurde am Freitag zwar zu einem geringeren Zins gehandelt als noch am Mittwoch. Der Terminkurs des Euribor-Zinses zeigt aber weiterhin die Erwartung einer Zinserhöhung an. Die Zentralbank hatte den Leitzins für den Euro-Raum von 2 auf 2,25 Prozent angehoben, zugleich aber erklärt, es gebe keine Festlegung auf weitere Zinserhöhungen.

          Der Deutsche Aktienindex Dax, der schon nach dem Zinsentscheid der EZB deutlich zulegte, sprang am Freitag über die Marke von 5.300 Punkten und lag so hoch wie zuletzt im April 2002. Der Dax schloß bei 3.508 Punkten. Im Tagesverlauf erhielt der Index Unterstützung durch gute Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten.

          Keine Serie von Zinserhöhungen vorgesehen

          Die Aussicht auf für längere Zeit recht niedrige Geldmarktzinsen stützt den Aktienmarkt, weil die Zentralbank nach Ansicht von Analysten Rücksicht auf die Konjunktur nimmt. Dagegen schwächt die Zinszurückhaltung den Euro an den Devisenmärkten, weil der Zinsabstand etwa gegenüber den Vereinigten Staaten größer bleiben dürfte. Der Euro verlor am Donnerstag gegenüber dem Dollar deutlich und hielt sich am Freitag um 1,172 Dollar je Euro.

          Von der Aussicht auf einen nicht zu stark steigenden Leitzins profitieren vor allem die mittel- bis langfristigen Staatsanleihen, deren Renditen trotz der Zinserhöhung fielen. „Es wird nicht sofort eine weitere und nur maßvolle Zinserhöhungen geben“, sagt Kornelius Purps, Anleiheexperte der Hypo-Vereinsbank (HVB). Am Donnerstag war die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fast 0,05 Prozentpunkte auf rund 3,4 Prozent gesunken; am Freitag war sie wenig verändert. Purps begründet den Renditerückgang trotz Zinserhöhung zweifach.

          Die klare Ankündigung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, daß eine Serie von Zinserhöhungen nicht vorgezeichnet sei, habe die Anleihen unterstützt. Zugleich habe die zurückhaltendere Einschätzung der Inflationsrisiken durch die EZB die Inflationserwartungen gedämpft. Die Zinserhöhung vorweggenommen hatten die Anleger am Anleihemarkt schon nach deren Vorankündigung durch Trichet Mitte November; seither waren die Renditen zurückgegangen. Die HVB erwartet einen weiteren Zinsschritt auf 2,5 Prozent im ersten Quartal 2006.

          „Gut für Wachstum und Beschäftigung“

          Trichet begründete die Zinsentscheidung mit den Worten: „Wenn wir Preisstabilität sichern, werden die Marktzinsen mittel- und langfristig niedrig bleiben, was gut für Wachstum und Beschäftigung ist.“ Bundesbankpräsident Axel Weber sagte schon am Donnerstag abend im Fernsehsender ARD zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zinsschritts: „Für uns wäre es wichtig, daß eben das historisch niedrige Zinsumfeld erhalten bleibt, und ich denke, daß der jetzige beschlossene Schritt zunächst einmal die Zinsen ja doch auf sehr niedrigem Niveau noch beläßt.“

          Der französische Notenbankgouverneur Christian Noyer sagte zum Kurs der EZB: „Wir haben nichts mehr in petto.“ Die EZB werde sich Monat für Monat anschauen, was passiere und wie die Inflationserwartungen sich entwickelten. Vor und nach der Vorankündigung der Zinserhöhung Mitte November waren die langfristigen Inflationserwartungen, die sich aus dem Kurs von inflationsgeschützten Anleihen ermitteln lassen, spürbar auf fast 2 Prozent gefallen. In dieser Woche und auch nach der Zinserhöhung stiegen sie wieder und liegen höher als Mitte November.

          Weitere Themen

          Mit Spam-Fleisch auf Kurshoch

          Aktie Hormel Foods : Mit Spam-Fleisch auf Kurshoch

          Das Konservenfleisch mit dem abstoßenden Markennamen gibt es seit den 1930er-Jahren. Dank Corona ist die Aktie des Herstellers Hormel Foods auf neuen Höhen. Ein Portfoliomanager rät aber dennoch vom Kauf ab.

          Topmeldungen

          Frei, aber nicht begnadigt: Roger Stone.

          Mehrjährige Haftstrafe : Trump bewahrt Ex-Berater vor dem Gefängnis

          Der Ex-Wahlkampfberater Roger Stone wurde im Zuge der Russland-Affäre zu über drei Jahren Haft verurteilt. Nun ist er ein „freier Mann“ - dank seines langjährigen Freundes Donald Trump. vor dem Gefängnis= Washington, 11. Jul (Reuters) - US-Präsident Donald Trump bewahrt seinen zu einer ...

          Hochwasserschutz in Venedig : Mose gegen das Meer

          Sie hat sechs Milliarden Euro verschlungen und war Teil eines monumentalen Korruptionsskandals: Die riesige Anlage mit dem Namen des Propheten soll Venedigs Altstadt vor den Fluten schützen und ist so gut wie fertig. Dass sie auch funktioniert, bezweifeln aber viele.

          Bidens Wirtschaftspolitik : Mit Trump-Rhetorik gegen Trump

          Präsidentschaftskandidat Biden skizziert sein Wirtschaftsprogramm: Wie sein Rivale will er mit Protektionismus begeistern – und er verschärft seinen Anti-Wall-Street-Populismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.