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Angst vor Deflation : Der Geldregen aus dem Hubschrauber

Blick aus der künftigen EZB-Zentrale in Frankfurt: Von hier aus soll der Geldregen auf die Eurozone niedergehen Bild: Wolfgang Eilmes

Aus Furcht vor einer Deflation empfehlen einige Ökonomen eine radikale Geldschwemme: Die Zentralbank sollte jedem Bürger mehrere tausend Euro schenken! Ein genialer Trick zur Ankurbelung der Wirtschaft – oder eine Schnapsidee?

          Stellen wir uns vor, dass eines Tages ein Hubschrauber über diese Gemeinde fliegt und Geldscheine über 1000 Dollar vom Himmel regnen lässt...“ Dieses Gedankenexperiment hat Milton Friedman schon vor Jahrzehnten formuliert, und noch heute regt es die Phantasie einiger Ökonomen an. Die Zentralbank druckt Geld, packt es in einen Hubschrauber und lässt es dann auf die Menschen regnen. Was passiert dann mit den Preisen? Für Friedman war die Sache klar: Das Preisniveau wird durch die zusätzlich geschaffene Geldmenge steigen. Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen, lautete Friedmans berühmter Satz. Vor elf Jahren hat Ben Bernanke, damals Vorstand der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve, aber noch nicht Vorsitzender, die Idee des „Helikopter-Geldes“ in einer Rede erwähnt. Die Rede handelte von den Möglichkeiten, wie Japan seine jahrelange Deflation überwinden könnte. Fortan trug Bernanke den Spitznamen „Helicopter-Ben“.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Besonders angetan von der Idee der Geldschwemme aus der Luft ist der Niederländer Willem Buiter. Der frühere Yale- und LSE-Professor und heutige Chefvolkswirt des amerikanischen Citigroup-Bankkonzerns hat in der jüngsten Ausgabe des Internetjournals „Economics“ eine Analyse veröffentlicht: „Warum es funktioniert – immer“, lautet der Titel. Buiter diskutiert darin die Probleme und Möglichkeiten einer Zentralbank, trotz der Nullzinsgrenze (tiefer als null kann der nominale Leitzins nicht gesenkt werden) dennoch die Geldpolitik weiter zu lockern. Hier helfe Helikopter-Geld – im übertragenen Sinne. Denkbar wäre ein Stimulus durch einen Geldtransfer an alle Bürger, den die Zentralbank bezahle. Oder eine große „Quantitative Lockerung“ durch den Ankauf von Staatsanleihen. „Wenn der Staat ungedecktes Papiergeld (fiat money) oder Basisgeld mit null Zinssatz ausgeben kann, ...dann existiert immer eine Kombination aus Geld- und Fiskalpolitik, die die private Nachfrage stärken kann – im Prinzip unbegrenzt“, schreibt Buiter. Deflation oder zu niedrige Inflation ließe sich damit leicht und wirkungsvoll bekämpfen.

          10.000 Euro für jeden

          So schön ist die neue Ökonomen-Welt. Die Zentralbank druckt einfach Geld, der Fiskus verteilt es, und die Bürger kurbeln durch zusätzliche Konsumnachfrage die Konjunktur an, bis die Fabrikkapazitäten wieder voll ausgelastet sind. Wäre das nicht ein Rezept für den Euroraum, der unter einer hartnäckigen Wirtschaftsschwäche und hoher Arbeitslosigkeit leidet und dessen Inflationsrate auf nur noch 0,3 Prozent gesunken ist? Die Europäische Zentralbank flutet zwar den Banksektor mit Liquidität fast zum Nulltarif. Doch das frisch geschaffene Geld der EZB bleibt in den Banken und an den Finanzmärkten, es treibt dabei die Kurse für Vermögenswerte, kommt nicht in der Realwirtschaft an. Die Geldschöpfung durch Kredite der Banken für den privaten Sektor ist schwach. Einige Bankvolkswirte äußern deshalb Sympathien für einen Helikopter-Einsatz der EZB, um Geld direkt den Bürgern zu überweisen.

          „10.000 Euro für jeden Bürger“, schlägt Daniel Stelter vor, Gründer des makroökonomischen Diskussionsforums „beyond the obvious“ und früherer Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group. Der Betrag scheint allerdings etwas hoch gegriffen. Nimmt man die von EZB-Chef Mario Draghi als Ziel ausgegebene Ausweitung der Zentralbank-Bilanz um eine Billion Euro zum Maßstab, wären dies für jeden der 300 Millionen Bürger der Eurozone etwas über 3000 Euro. Die Befürworter meinen, damit ließe sich die Deflationsgefahr bannen und der Euro retten. Die Zentralbank druckt Geld, und die Wirtschaft brummt wieder.

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