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Geldpolitik der Fed : Powells Botschaft

Die New Yorker Börse in der Wall Street Bild: AFP

Der Fed-Chef erfüllt Donald Trump seinen Wunsch nach niedrigen Zinsen. Und doch wird er dem Eindruck widerstehen wollen, die formal in ihren Entscheidungen unabhängige Notenbank folge Anweisungen aus dem Weißen Haus.

          Politische Gefolgschaft oder ökonomische Weitsicht? Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Jerome Powell, hat in einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus deutliche Signale für eine Senkung des amerikanischen Leitzinses in den kommenden Wochen gegeben. Es ist kein Geheimnis, dass sich Donald Trump seit langem niedrigere Zinsen wünscht, weil er eineinhalb Jahre vor den nächsten Präsidentschaftswahlen auf eine Fortsetzung des bald zehn Jahre währenden Konjunkturaufschwungs hofft. Trump hat sich mit öffentlicher Kritik an der aus seiner Sicht viel zu zögerlichen Notenbank nicht zurückgehalten und sich sogar öffentlich Mario Draghi als Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank gewünscht – eine Idee, die gerade in Deutschland so manchen Trump-Fan an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen müsste.

          Nun ist Powell bereit zu liefern und doch wird er dem Eindruck widerstehen wollen, die formal in ihren Entscheidungen unabhängige Notenbank folge Anweisungen aus dem Weißen Haus. In seinen Erklärungen verweist Powell auf Risiken für den Aufschwung in den Vereinigten Staaten und auf die sehr niedrige Inflationsrate. Denn auch wenn sich der amerikanische Arbeitsmarkt weiterhin in einer sehr guten Verfassung befindet, zeigen in die Zukunft weisende Wirtschaftsindikatoren steigende Rezessionsrisiken an. Dazu trägt gerade Trump mit seiner irrlichternden Handelspolitik nicht wenig bei. Wenn aber die Notenbank der führenden Wirtschaftsmacht ihre Zinsen senkt, werden Notenbanken in anderen Regionen bald folgen – darunter wohl auch die Europäische Zentralbank.

          Für viele Menschen, die sich noch an die hohen Zinsen der siebziger und achtziger Jahre erinnern, dürften die heutigen Zeiten völlig verrückt und die Notenbanken wie große Manipulatoren wirken. Nicht nur sind die kurzfristigen Leitzinsen rund um den Globus sehr niedrig, auch balgen sich Anleger um Anleihen mit 50 oder 100 Jahren Laufzeit, deren Schuldner nicht völlig solide wirken und dennoch nur sehr niedrige Renditen offerieren müssen.

          Die meisten Anleihen solider Schuldner, Deutschland ist nur ein Beispiel, weisen längst negative Renditen auf. Und während viele, die diese Welt nicht mehr verstehen, schwere Turbulenzen an die Wand malen, stellt sich die Frage, ob die vermeintliche Verrücktheit nicht einen neuen Normalzustand beschreibt und auf ökonomischer Logik beruht. In einer Welt, in der die Inflationsraten und das Wirtschaftswachstum niedrig sind und in der demografischer sowie technologischer Wandel dafür sorgt, dass hohen Ersparniswünschen niedrige Investitionswünsche entgegen stehen, kann der Zins eigentlich nur sehr niedrig sein.  

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