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Geldpolitik der EZB : Lagarde lässt den Euro steigen

Christine Lagarde stockt ihr Krisenprogramm nicht auf. Bild: dpa

Die EZB hält geldpolitisch die Füße still – und tut nichts gegen den aufwertenden Euro. Das treibt den Wechselkurs weiter.

          3 Min.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer Sitzung am Donnerstag ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm nicht aufgestockt und auch sonst keine neuen Schritte zur Krisenbekämpfung verkündet. Gleichwohl sorgte in der anschließenden Pressekonferenz für Aufmerksamkeit, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde sich zum starken Wechselkurs des Euros gegenüber dem Dollar äußerte. Bereits seit der vorigen Woche, als der Wechselkurs die Marke von 1,20 Dollar übersprang, wurde über Reaktionen der EZB spekuliert.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kurz vor den Äußerungen Lagardes am Donnerstag nun hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf „informierte Personen“ berichtet, dass die EZB keinen Grund für eine Überreaktion auf den jüngsten Kursanstieg des Euros sehe. Der Euro reagierte mit deutlichen Kursgewinnen und stieg zeitweise auf mehr als 1,19 Dollar.

          Lagarde selbst sagte, dass die Notenbank zwar kein Wechselkursziel habe und somit keine Wechselkurspolitik betreibe, aber gleichwohl die Entwicklung des Wechselkurses aufmerksam verfolge, weil diese Auswirkungen auf die Entwicklung der Preise im Euroraum haben könne, etwa über die Importpreise. „Wir müssen die Angelegenheit aufmerksam beobachten“, sagte Lagarde.

          Projektionen angehoben

          Ihre Projektionen für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr hob die Notenbank unterdessen leicht an. Die EZB geht in ihrem Basisszenario jetzt von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr um 8 Prozent aus. Im Juni hatten die Währungshüter noch einen Einbruch um 8,7 Prozent prognostiziert. 2021 werde die Wirtschaft um 5 Prozent zulegen (Juni-Prognose: 5,2 Prozent).

          Im Jahr 2022 erwartet die EZB ein Wachstum von 3,2 (3,3 Prozent). Die Inflationsrate dürfte nach Einschätzung der Zentralbank in diesem Jahr, wie schon im Juni vorhergesagt, bei 0,3 Prozent liegen. Für das Jahr 2021 rechnen die Währungshüter mit einer jährlichen Preissteigerung von 1 Prozent (0,8 Prozent) und für das Jahr 2022 weiterhin mit 1,3 Prozent.

          Die gestiegenen Corona-Infektionszahlen im Sommer bezeichnete Lagarde als „Gegenwind“ für die kurzfristigen Wachstumsaussichten im Euroraum. In der Industrie halte die angesetzte Erholung an, im Dienstleistungssektor habe sie sich dagegen abgeschwächt.

          Mit einem Abgleiten der Preisentwicklung der Eurozone in eine Deflationsspirale rechnet die EZB-Präsidentin trotz der negativen Inflationsrate im August von minus 0,2 Prozent allerdings nicht. Dieses Abrutschen sei durchaus ein „Weckruf“ für manche gewesen. Allerdings handele es sich um eine vorübergehende Erscheinung, einen Ausreißer. So habe der seit April niedrige Ölpreis die Inflation gedrückt. Die Nahrungsmittelpreise seien in der Krise zeitweise ja sogar deutlich gestiegen. Zuletzt habe auch die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland sowie eine Verschiebung von saisonalen Schlussverkäufen in zwei Eurostaaten die Inflationsrate gedrückt.

          Über Inflationsziel diskutieren

          Lagarde ging auch auf die Pläne der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) ein, künftig ein „Average inflation targeting“ zu betreiben, also nach einem längeren Unterschreiten des Inflationsziels von 2 Prozent auch ein Überschreiten für eine Zeitlang zu tolerieren. Lagarde deutete an, es gebe Unterschiede zwischen Fed und EZB, so habe die Fed ja ein Doppelziel und blicke nicht nur auf die Preisstabilität, sondern auch auf die Arbeitslosigkeit. Gleichwohl werde die EZB im Zuge ihres „Strategic Review“, ihrer Diskussion über die strategische Neuausrichtung, auch über ihr Inflationsziel reden. „Auf unserem nächsten Webinar am 23. September wird das Inflationsziel ein Thema sein“, sagte Lagarde. Es sei ein „Eckstein“ der neuen Strategie, ohne dass sie der Debatte vorgreifen wolle.

          Auch zu den Brexit-Verhandlungen der Europäischen Union mit Großbritannien äußerte Lagarde sich. Die EZB sei zwar nicht im „Fahrersitz“ bei den Verhandlungen, verfolge sie gleichwohl sorgfältig, sagte die EZB-Präsidentin. Sie hoffe, dass die Gespräche zu einem positiven Ausgang führten, auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Risiken, die ein harter Brexit berge.

          Erste Reaktionen von Ökonomen waren am Donnerstag gemischt. Friedrich Heinemann vom ZEW in Mannheim bezeichnete die abwartende Haltung der EZB als seriös: „Dass eine Inflationsrate in einer historisch einmaligen Krise kurzfristig absackt, ist nichts anderes als eine Momentaufnahme.“ Die EZB habe wie erwartet ihre „Forward Guidance“, also den Ausblick, fast unverändert gelassen, kommentierte Christoph Kutt, der Leiter Zinsstrategie und Staatsanleihen bei der DZ Bank: „Die Märkte haben entsprechend verhalten reagiert.“ Ralf Umlauf, Ökonom der Landesbank Hessen-Thüringen, meinte: „Die EZB behält eine ruhige Hand.“ Aus Sicht der Banken sei das aber „eher eine Enttäuschung“.

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