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Geldpolitik der EZB : Am Puls der Konjunktur

Der nächste Schritt ist getan: Christine Lagarde erläutert die Strategie der von ihr geführten Europäischen Zentralbank Bild: Lucas Bäuml

Es ist gut möglich, dass höhere Leitzinsen der Konjunktur weniger schaden als bisher angenommen.

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          Die Europäische Zentralbank hat am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter versucht, die von Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz am Donnerstag vorgestellte Botschaft über die Perspektiven der Geldpolitik zu präzisieren. Die von einigen Fachleuten als wenig klar und auch widersprüchlich wirkenden Äußerungen Lagardes in der Pressekonferenz hatten an den Finanzmärkten den Eindruck hinterlassen, die EZB werde ab April nur noch zögerlich mit Zinserhöhungen vorgehen. Daraufhin waren die Kurse von Aktien und Anleihen gestiegen und am Devisenmarkt hatte der Euro gegenüber dem Dollar abgewertet.

          Am Freitag stellte die EZB jenen Ausschnitt aus der Pressekonferenz heraus, in dem sich Lagarde deutlich zu einer Geldpolitik bekannte, die bei Bedarf auch nach April restriktiv bleibt und die damit eventuell verbundenen nachteiligen Wirkungen für die Konjunktur akzeptiert. Darauf hin drehte an den Finanzmärkten die Stimmung wieder: Die Kurse von Anleihen und Aktien sanken und am Devisenmarkt wertete der Euro gegenüber dem Dollar wieder ein wenig auf.

          Zusammenhänge genauer untersuchen

          Unabhängig von der Frage, ob sich die EZB Gedanken über ihre Kommunikation machen sollte, berührt diese Episode ein weiter reichendes Thema: Wie empfindlich reagiert heutzutage die Konjunktur auf Änderungen kurzfristiger Zinsen? Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos waren hierzu interessante Gedanken zu hören. Einerseits wurde die These vertreten, in Volkswirtschaften mit einer wachsenden Bedeutung von Dienstleistungen und immateriellen Investitionen (Patente, Software, Weiterbildung von Personal) sollte der private Sektor weniger stark auf Zinsänderungen reagieren.

          Anders beim Staat: Da Zentralbanken große Bestände langlaufender Anleihen aus dem Markt genommen und damit aus der Sicht des Staates neutralisiert haben, ist die durchschnittliche Laufzeit der vom Markt gehaltenen Anleihen gesunken. Damit wächst aber die Bedeutung der kurzfristigen Leitzinsen für die Zinslast der Staatshaushalte. Schön wäre es, wenn diese Zusammenhänge genauer untersucht würden.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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