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Geldpolitik : Auf Sinnsuche in Jackson Hole

Notenbankpräsidenten unter sich: Die Amerikanerin Janet Yellen und der Italiener Mario Draghi (Foto aus Jackson Hole aus dem vergangenen Jahr) Bild: Reuters

Die Elite der Geldpolitik trifft sich in den Rocky Mountains. Dieses Jahr richten sich die Blicke vor allem auf EZB-Präsident Draghi.

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          „Eine dynamische Weltwirtschaft unterstützen“ heißt das diesjährige Motto der jährlichen geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole (Wyoming), an der von Donnerstag an neben führenden Vertretern von Notenbanken auch namhafte Ökonomen und Manager aus der Finanzbranche teilnehmen. Die seit dem Jahr 1978 von der Federal Reserve Bank of Kansas organisierte Veranstaltung gilt als die wichtigste regelmäßige geldpolitische Konferenz. In diesem Jahr ist die Bedeutung augenfällig, da die beiden wichtigsten Geldpolitiker der Welt – die Fed-Vorsitzende Janet Yellen und EZB-Präsident Mario Draghi – Reden halten werden.

          In Frankfurt war man in den vergangenen Tagen bemüht, die Erwartungen an die Rede Draghis zu dämpfen. Vor Wochen war zu hören gewesen, Draghi wolle den Auftritt auf der von den globalen Finanzmärkten stark beachteten Konferenz in den Rocky Mountains nutzen, um eine geldpolitische Wende der Europäischen Zentralbank anzukündigen, die dann im Herbst beschlossen werden soll. Nun heißt es, Draghi werde in Jackson Hole über langfristige Herausforderungen der Geldpolitik sprechen und sich erst dann zur aktuellen geldpolitischen Linie äußern, wenn sie der Zentralbankrat diskutiert hat. Unverändert lautet die Erwartung an den Finanzmärkten, dass die EZB in den kommenden Monaten für das kommende Jahr einen allmählichen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm ankündigen wird.

          „Was wissen wir eigentlich über Inflation?“

          Jenseits solcher kurz- und mittelfristigen Fragen sieht sich die Geldpolitik vor langfristigen Herausforderungen, die das Selbstverständnis der Notenbanken und ihre geldpolitischen Strategien betreffen. Eine Kombination aus jahrelangem Wirtschaftswachstum bei erstaunlicher niedriger Inflation, niedrigem Produktivitätswachstum trotz digitaler Revolution, hohen Schulden mit niedrigen Zinsen und den ungeklärten wirtschaftlichen Folgen des demographischen Wandels erzeugt eine Gemengelage, in der sich neben vielen Ökonomen auch Geldpolitiker unsicher fühlen und selbst Grundlagen ihres Denkens in Frage stellen. „Was wissen wir eigentlich über Inflation?“, fragte kürzlich provozierend Claudio Borio, der Leiter der monetären Abteilung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Notenbanken.

          Die Behauptung, die Geldpolitik interessiere sich nicht für grundlegende Fragen, wäre unzutreffend. Die BIZ hatte 2016 ihre Jahreskonferenz unter das Thema „Langfristige Themen für Notenbanken“ gestellt und unter anderem die Folgen der Produktivitätsentwicklung und der gesellschaftlichen Alterung für die Geldpolitik diskutiert. Im Juni 2017 hatte die EZB ihre große Konferenz im portugiesischen Sintra unter das Motto „Investitionen und Wirtschaftswachstum in Industrienationen“ gestellt. Erörtert wurden unter anderem Zusammenhänge zwischen Innovationen in der digitalen Welt, die Investitionen von Unternehmen und die Geldpolitik. Im Herbst folgt eine Konferenz des Internationalen Währungsfonds mit einer Erörterung langfristiger globaler Finanzzyklen und Anfang 2018 lädt die BIZ zu einer Veranstaltung, in der über einen eventuellen Beitrag der Finanzbranche und der Geldpolitik zur schwachen Produktivitätsentwicklung gesprochen werden soll.

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