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Geldpolitik : Analysten erwarten deutliche Aufwertung des Dollars

  • -Aktualisiert am

Die neuen 100-Dollar-Noten werden ab Herbst in Umlauf gebracht Bild: AFP

Das schwächelnde China und die zurückhaltende Konjunktur in Europa haben zuletzt für eine niedrige Inflation gesorgt. Auch aus diesem Grund wird die Federal Reserve wohl keine Maßnahmen bei einer zu erwartenden Dollar-Aufwertung einleiten.

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          An den Devisenmärkten positionieren sich die Marktbeobachter für eine beschleunigte Aufwertung des Dollar. Die Äußerungen des Präsidenten der Federal Reserve, Ben Bernanke, vom Mittwoch und das jüngste Protokoll des Offenmarktausschusses zeigen, was viele Marktteilnehmer erwartet haben: Die Fed wird die erste Notenbank sein, die im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB), Bank von England und vor allem japanischen Notenbank langsam beginnen wird, ihre extrem expansive Geldpolitik sukzessive zurückzufahren.

          Im Protokoll des Ausschusses heißt es, „einige Teilnehmer würden möglicherweise dafür stimmen, dass das Volumen der Wertpapierkäufe bereits im Juni reduziert wird, wenn es Hinweise auf ein ausreichend starkes und anhaltendes Wirtschaftswachstum geben sollte“. Die Fed prescht im geldpolitischen Zyklus voran, mit Aufwertungsdruck im Dollar. Die anderen Notenbanken sind noch nicht so weit: Im Juli wird der neue Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, voraussichtlich dafür sorgen, dass das Anleihekaufprogramm der Bank von England wieder aufgenommen wird.

          Die EZB werde letztlich mit einer Art Quantitativer Lockerung (QE) in der Währungsunion reagieren, erwartet mehr als ein Drittel der global investierenden Fondsmanager nach der Mai-Umfrage von Bank of America Merrill Lynch. Und die japanische Notenbank erntet gerade die Früchte ihrer neuen, massiven Geldmengenexpansion.

          Enttäuschendes Wachstum in China

          Der Marktstratege von HSBC, David Bloom, glaubt daher, dass der Dollar in einen Bullenmarkt eintritt. In diesem „Währungskrieg“ bleibe der Dollar letztlich der große Gegenpol gegenüber den abwertenden Währungen des Euro, Pfund, Yen und den Rohstoffwährungen.

          “Stellt euch nicht gegen die Notenbanken“, lautet die Warnung. Im Gegensatz zu Jahren, in denen die Märkte vornehmlich auf Fundamentaldaten horchten und weniger von politischen Entscheidungen irritiert waren, können sich die Notenbanken heute leichter an den Märkten durchsetzen: Als Erstes demonstrierte die Schweizerische Notenbank, dass sie die Wechselkursaufwertung des Franken gegenüber dem Euro einfangen konnte; dann hatte der Präsident der EZB, Mario Draghi, Erfolg, als er die Gefahr eines Auseinanderbrechens des Euro mit der Ankündigung des OMT-Programms bannte und der Euro gegenüber dem Dollar um 14 Prozent aufwertete. Nach der Bank von Japan folgen dann wie bei einem Schneeballeffekt andere Notenbanken mit Devisenmarkt-Interventionen, um ihre Währungen zu schwächen.

          “Wir erwarten deshalb eine stärkere und schnellere Aufwertung des Dollar als zuvor“, meint Jens Nordfig, Devisenanalyst bei Nomura. „Der Zeitpunkt, wann genau die Federal Reserve das Tempo ihrer Anleihekäufe reduzieren wird, ist zwar noch umstritten. Aber die Richtung ist klar, und die Politik der Federal Reserve unterscheidet sich deutlich von der Politik der anderen Notenbanken.“ Das Wachstum in den Vereinigten Staaten sei robuster, das Leistungsbilanzdefizit sinke, und die Kapitalzuflüsse in den amerikanischen Aktienmarkt legten weiter zu. Dies alles spreche für den Dollar.

          Das enttäuschende Wachstum in China und die schwache Konjunktur in Europa lasten derweil auf den Rohstoffpreisen und dem Ölpreis. Dies wiederum hat die Inflationsgefahren gedämmt, lässt den Notenbanken also ausreichend Spielraum, ihre expansive Geldpolitik auszuweiten.

          Fondsmanager meiden Rohstoffe und Gold

          HSBC erwartet, dass der Wechselkurs des „Greenback“ von derzeit 1,28 Dollar je Euro bis Ende des Jahres auf 1,24 Dollar steigen wird, Société Générale rechnet gar mit 1,20 Dollar. Gegenüber dem britischen Pfund werde der „Greenback“ nicht auf 1,48, sondern auf 1,45 Dollar je Pfund klettern. Zugleich wird eine deutliche Aufwertung des Dollar gegenüber den Rohstoffwährungen, also dem australischen, dem kanadischen und dem neuseeländischen Dollar prognostiziert.

          Wird die Federal Reserve über eine Dollar-Aufwertung beunruhigt sein? Möglicherweise nicht, denn viele Währungen waren nach dem OECD-Kaufkraftparitätenindex gegenüber dem Dollar ohnehin um bis zu 40 Prozent überbewertet. „Eine Aufwertung des Dollar um 10 Prozent wird die amerikanischen Notenbanker nicht auf den Plan rufen“, heißt es daher bei HSBC. Außerdem halten sich - mit Ausnahme von Japan - die asiatischen Notenbanken bisher aus dem Abwertungswettlauf heraus.

          Bisher ist die Inflation den schwachen Rohstoff- und Energiepreisen gefolgt. Jetzt wird die Dollar-Aufwertung ihrerseits Druck auf die in Dollar ausgedrückten Rohstoff- und Energiepreise ausüben und vor allem den Goldpreis. Dies erklärt die diametrale Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes einerseits und der schwachen Rohstoffindizes und des rasant sinkenden Goldpreises andererseits.

          Nach der Umfrage von Merrill Lynch halten die Fondsmanager deshalb wenig von Rohstoffen und Rohstoffaktien und meiden Gold. Société Générale empfiehlt angesichts der erwarteten Dollar-Stärke, Wirtschaftserholung und niedrigen Inflation Gold zu verkaufen, sobald sich der Preis von 1392 auf 1500 Dollar je Feinunze erhole.

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