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Geldmangel : In China wächst die Angst vor einem Bankencrash

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Eine Finanzkrise könnte China drohen, wenn Chinas Banken ernsthaft Schwierigkeiten bekommen. Bild: AFP

Chinas Banken droht das Geld auszugehen. Trotz milliardenschwerer Hilfen der Notenbank steigen die Zinsen immer weiter. Ein Bankencrash könnte die ganze Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.

          Chinas Banken droht das Geld auszugehen. Trotz milliardenschwerer Hilfen der Notenbank nehmen die Spannungen zu, die Banken misstrauen einander und leihen sich gegenseitig Geld nur zu hohen Zinsen. Nun droht ein Engpass an Geld. Und falls die Notenbank nicht rechtzeitig gegensteuert, könnten einzelne Banken pleitegehen.

          Würden Chinas Banken in ernsthafte Turbulenzen geraten, könnte sich in dem Land eine Finanzkrise entwickeln. Dann könnte auch Chinas Unternehmen das Geld ausgehen. Das würde nicht nur die Börsenkurse rund um die Welt in die Tiefe schicken, sondern ebenso die Realwirtschaft - und mit ihr Deutschlands Unternehmen, die viel nach China exportieren.

          Am Freitag noch hatte die Notenbank den Banken 49 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Am Montag aber wuchs das Misstrauen wieder. Die Zinsen für kurzfristige Kredite stiegen am Montag auf 8,9 Prozent, nachdem sie erst am Freitag mit 8,21 Prozent den höchsten Wert seit einem halben Jahr erreicht hatten.

          Das Dilemma: Banken flüssig halten, aber Blase verhindern

          Im Juni waren Chinas Banken schon einmal in eine Krise gestürzt und hatte damit an den Börsen auf der ganzen Welt für Turbulenzen gesorgt. Die Notenbank hatte sich damals wie heute mit Notmaßnahmen zurückgehalten. Nach ihrer Intervention von Donnerstag weigert sie sich auch, noch mehr Geld nachzuschießen und verweist auf die hohen Geldreserven der Banken.

          Denn die Notenbank steckt in einem Dilemma: Zwar will sie einerseits die Banken nicht pleitegehen lassen, andererseits will sie aber auch das Geld knapp halten, weil das viele Geld in China die Immobilienpreise in die Höhe treibt. Inzwischen haben viele Leute auch Angst vor einer Immobilienblase. Deshalb hatte die Notenbank in den ersten beiden Dezemberwochen den Banken noch Geld entzogen.

          „Sie kennt die Lage“, sagte ein Geldmarkt-Händler. „Aber sie will die Banken dazu zwingen, angesichts der hohen Immobilienpreise ihre Verschuldung zu drücken.“ Laut „Financial Times“ haben die chinesischen Behörden die Medien bereits angewiesen, den Ton sanft zu halten und Wörter wie „Geldmangel“ zu vermeiden.

          Trotz der Sorgen der Investoren notierten die chinesischen Indizes am Montag im Plus. Der Index der Börse in Shanghai legte 0,24 Prozent zu, die Börse in Hongkong gewann 0,4 Prozent. Auch außerhalb Chinas ging es leicht nach oben. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte ohne Japan gewann 0,4 Prozent.Vor allem Bankenwerte erholten sich. Die Institute hatten in der vergangenen Woche Finanzspritzen in Dollar-Milliardenhöhe erhalten. Die Aktien der China Construction Bank stiegen 5,3 Prozent, die der Bank of Communication 2,1 Prozent und die der China Citic Bank um 5,6 Prozent. Analyst Deng Wenyuan von Soochow Securities sagte indes, es handle sich nur um eine „technische Erholung“.

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