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Geldmangel : Ratingagentur Fitch stuft Wework herab

  • Aktualisiert am

Ein Büro von Wework in San Francisco Bild: Reuters

Wegen der Absage des Börsengangs wachsen nun die Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Bürovermittlers.

          2 Min.

          Der amerikanische Bürovermieter Wework gerät nach der Absage seines Börsengangs zunehmend unter Druck. Die Ratingagentur Fitch stufte in der Nacht zum Mittwoch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens tiefer in den Ramschbereich herab und drohte mit einer weiteren Senkung. Ohne einen Börsengang habe WeWork keine ausreichenden Mittel, um seine Wachstumspläne umzusetzen, erklärte Fitch.

          WeWork will Arbeitsplätze streichen und die Expansion verlangsamen, um weniger Geld zu verbrennen und seine Abhängigkeit von frischem Kapital zu reduzieren. Dem „Wall Street Journal“ zufolge erwägt das neue Wework-Management daher, sein Wachstum in China zu drosseln.

          Laut einer Meldung des amerikanischen Nachrichtenportals „The Information“ will Wework sich von erst kürzlich übernommenen Beteiligungen trennen, um an frisches Geld zu kommen. Das betreffe laut zwei namentlich nicht genannten Insidern Teem, einen Anbieter von Software für Terminplanung in Büros sowie das Unternehmen SpaceIQ, das Managementsoftware programmiert.

          Die hochfliegenden Börsenpläne von Wework waren krachend gescheitert. Mögliche Investoren störten sich unter anderem an den hohen Verlusten und der Rolle des Gründers und ehemaligen Firmenchefs Adam Neumann, der nach massiver Kritik seinen Hut nehmen musste. Während WeWork im Rahmen der letzten Finanzierungsrunde im Januar noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet wurde, war zuletzt nur noch von einer Bewertung von zehn bis zwölf Milliarden Dollar die Rede – weniger als die 12,8 Milliarden Dollar an Eigenkapital, die das Unternehmen laut dem Datenanbieter Crunchbase seit seiner Gründung vor neun Jahren bei Investoren eingesammelt hat. Daraufhin zog WeWork die Reißleine.

          Für Anleger muss die Absage kein Nachteil sein. Mit der International Workspace Group (IWG) notiert ein Konkurrent von Wework bereits an der Börse, die Aktie ist 60 Prozent im Plus gegenüber dem Stand vor 12 Monaten. Doch auch dieses Unternehmen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. So musste die amerikanische IWG-Tochter Regus 2003 Insolvenz anmelden. IWG-Gründer Mark Dixon sagte der New York Times am Mittwoch, sein Unternehmen verdiene stärker als Wework an Dienstleistungen für die Büromieter und setze auf Partnerschaften mit Vermietern.

          Am Montag hatte das einst hochgelobte Start-up seine Hoffnungen für einen Börsengang begraben und die Registrierungsdokumente bei der amerikanischen Börsenaufsicht zurückgezogen. Damit muss das Unternehmen künftig weniger Informationen über seine finanzielle Lage preisgeben, kann die Börsenpläne aber auch nicht schnell wieder aufleben lassen. Das bringt WeWork in die Bredouille: Der Bürovermieter, der 2018 einen Verlust von 1,9 Milliarden Dollar verbuchte, wollte mindestens drei Milliarden Dollar durch den Börsengang einnehmen und sich weitere sechs Milliarden Dollar als Kredit sichern, die an den Erfolg eines Börsengangs gekoppelt waren.

          Reicht das Geld noch?

          Die Ratingagentur Fitch stufte Wework wegen der Kapitallücke nun auf „CCC+“ herab und versah das Rating mit einem negativen Ausblick. In den Augen der Bonitätswächter ist damit ein Kreditausfall möglich. Ohne Restrukturierungskosten reiche das Geld aktuell noch vier bis acht Quartale, erklärte Fitch. Doch werde Wework für den geplanten Stellenabbau wohl viel Geld in die Hand nehmen müssen.

          Insidern zufolge verhandelt Wework aktuell mit seinem größten Geldgeber, dem japanischen Technologieinvestor Softbank, über eine neue Geldspritze. Neben der Finanzlücke fürchten die Fitch-Analysten, dass sich Großkunden von Wework abwenden könnten.

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