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Geldanlage : Zertifikate-Fonds gehen auf Kundenfang

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Fondsverkäufer wollen neue Privatanleger in ihre Zertifikate-Fonds locken. Die Dresdner Bank hat in einem halben Jahr schon Fonds für 2,6 Milliarden Euro verkauft. Experten warnen: „Der Anleger zahlt doppelt.“

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          Investmentfonds, die in Zertifikate investieren, sollen in diesem Jahr zu einem Favoriten der Privatanleger werden. Nachdem die Fondsgesellschaften von Deutscher Bank, Allianz/Dresdner Bank und Commerzbank im vergangenen Jahr die ersten Produkte dieser Art aufgelegt und erste Erfahrungen im Portfoliomanagement gesammelt haben, richtet sich jetzt das Augenmerk auf die Ankurbelung des Verkaufs.

          „Der Absatz von Zertifikate-Fonds wird im Privatkundengeschäft in nächster Zeit stärker wachsen als der Absatz einzelner Zertifikate“, erwartet Hans-Theo Burtscheidt, der für den Einkauf von Investmentprodukten in der Dresdner Bank verantwortlich ist. In der Vergangenheit sei es entscheidend gewesen, Zertifikate als Anlagealternative den Kunden vorzustellen. Mittlerweile sei aber durch die vorhandene Produktvielfalt im Beratungsalltag der notwendige Überblick - beispielsweise die Berücksichtigung von Laufzeiten oder Schwellenwerten - mit einem gewissen Aufwand verbunden. Hier könnten sich nun Fonds als aktiver Portfolioverwalter hervortun.

          Neue Privatanleger für Zertifikate-Fonds

          Die Fondsverkäufer setzen vor allem auf die erwartete Kursentwicklung an den Aktienmärkten in diesem Jahr, um neue Privatanleger in ihre Zertifikate-Fonds zu locken. Da viele Strategen in ihren Ausblicken ein aufgestautes Korrekturpotential ausmachen, sollen sich die Zertifikate-Fonds als Anlagelösung mit Risikopuffer für schwierige Zeiten anbieten. „In solch eine Situation passen risiko- und renditeoptimierte Strukturen“, sagt Eckhard Hülsmann, bei der Fondsgesellschaft DWS für den europaweiten Vertrieb strukturierter Produkte verantwortlich. Den hauseigenen Bonuszertifikatefonds bezeichnet er vor diesem Hintergrund als Zugang zum europäischen Aktienmarkt mit einem geringeren Risiko.

          Im ersten Jahr seines Bestehens blieb dieser Fonds allerdings einen Nachweis für diese Funktion schuldig. Mit einem Wertzuwachs seit der Auflegung Mitte Januar 2006 von 14,3 Prozent und einem zwischenzeitlichen Tiefpunkt während der Marktkorrektur im Mai von 6,5 Prozent im Minus bewegte sich der Anteilspreis nahezu identisch zum Euro-Stoxx-50-Index. Dieser legte im gleichen Zeitraum um 14,9 Prozent zu und gab zwischenzeitlich 6,5 Prozent vom Einstiegsniveau im Januar 2006 ab.

          Allein 5.000 verschiedene Bonuszertifikate

          Ein weiteres Verkaufsargument zielt auf das unübersichtliche Angebot auf dem Zertifikatemarkt. Inzwischen gibt es 140.000 Produkte, denen 500 verschiedene Basiswerte zugrunde liegen. In der Branche werden allein 5.000 verschiedene Bonuszertifikate gezählt. „Diese Unübersichtlichkeit ist eine Steilvorlage für das Zusammenwachsen der beiden Welten Fonds und Zertifikate“, sagt Hülsmann. Burtscheidt zieht die historische Entwicklung von der Aktiendirektanlage in Richtung Aktienfonds als Vergleich heran und sieht dabei eine Parallele zur Entwicklung des Zertifikatemarktes. „Investmentfonds können dieses Feld für einen deutlich breiteren Anlegerkreis öffnen und die Beratungsqualität unterstützen.“

          Die Dresdner Bank hat in den vergangenen sechs Monaten schon ein erstaunliches Tempo im Verkauf vorgelegt. In den drei bislang angebotenen Produkten der Konzern-Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (ehemals Dit) werden inzwischen schon 2,6 Milliarden Euro verwaltet. Mit 1,1 Milliarden Euro entfällt der größte Teil auf einen Bonuszertifikatefonds. Den Rest teilen sich etwa zur Hälfte ein Discountzertifikatefonds sowie ein Dividendenrenditefonds mit Discount-Struktur.

          „Entweder Fonds oder Zertifikate“

          Mit dieser Größenordnung liegt die Allianz-Fondsgesellschaft deutlich vor der DWS, die sich unter anderem auf den Vertrieb durch die Muttergesellschaft Deutsche Bank stützen kann. Der Marktführer unter die Publikumsfondsanbietern sammelte mit seinen Zertifikate-Fonds bislang 365 Millionen Euro ein. Die Fondsgesellschaft der Commerzbank liegt mit ihrem erst im Oktober aufgelegten Cominvest Zertifikate Stars derzeit bei einem Fondsvolumen von rund 50 Millionen Euro. Daneben sind auf dem Markt für Zertifikate-Fonds teilweise schon seit geraumer Zeit noch einige kleine Anbieter wie Nordinvest, HSBC Trinkaus oder Berenberg unterwegs.

          Für den früheren Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt, der heute mit seiner Quirin-Bank auf erfolgsabhängige Honorarberatung setzt und damit der vorherrschenden provisionsgetriebenen Beratung in den Banken den Kampf ansagt, sind Zertifikate-Fonds ohne Nutzen für Privatanleger. „Entweder Fonds oder Zertifikate - beides zusammen führt nur dazu, dass der Anleger doppelt zahlt“, lautet seine Einschätzung. Zertifikate seien vor allem erfolgreich, weil hohe Margen mit ihnen zu verdienen seien. „Unsere Kunden bezahlen offen unsere Beratung. Da macht es keinen Sinn, Produkte mit hohen Innenprovisionen anzubieten.“

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