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Nullzinsen : Wohin nur mit meinem Geld?

  • -Aktualisiert am

Anleger werden am Donnerstag mit vielen Dax-Bilanzen konfrontiert. Bild: dpa

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik stehen sogar die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen unter Null. Wo steckt man nun sein Geld hinein?

          3 Min.

          Die Deutschen haben ein echtes Problem. Egal, welche der in der Vergangenheit beliebten Geldanlagen man auch betrachtet: Es lässt sich damit kaum noch Geld machen. Das fängt bei Kapitallebensversicherungen an und geht über das Sparbuch bis zu den Bundesanleihen.

          Der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU hat diese angespannte Lage für deutsche Sparer nun weiter verschärft. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in den negativen Bereich gerutscht. Am Dienstagmorgen waren zehnjährige Bundesanleihen am Markt so stark gefragt, dass der Zinssatz auf minus 0,004 Prozent fiel. Übersetzt heißt das:

          Anleger sind mittlerweile bereit, eine Gebühr zu bezahlen, um deutsche Staatsanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren zu besitzen. Händler erklären dies vor allem mit der Furcht vor der Abstimmung über einen EU-Austritt Großbritanniens in der kommenden Woche.

          Diese Furcht vor einem Brexit treibt Anleger schon seit Tagen verstärkt in vermeintlich sichere Anlagehäfen wie zum Beispiel deutsche Staatsanleihen. Neben Bundesanleihen profitierten zuletzt auch der japanische Yen und der Schweizer Franken von der nervösen Stimmung an den Märkten.

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          Investments in Sachwerte

          Doch unabhängig von einem möglichen Brexit sollten Anleger sich gut überlegen, wo und wie sie ihr Geld anlegen. Vor allem wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht. Angesichts der Negativzinsen auf Staatsanleihen wäre für viele Investoren ein Umdenken nötig. Die negativen Renditen von heute sind das Ergebnis eines Trends, der schon seit Jahren bei Anleihen vorherrscht. Sie bringen kaum noch Renditen und verlieren auch zunehmend den Status der „sicheren Häfen“.

          In der vergangenen Woche begann die Europäische Zentralbank (EZB), Unternehmensanleihen aufzukaufen. Seitdem die EZB dies angekündigt hat, steigt der Anteil von  Unternehmensanleihen mit negativen Renditen beständig. Und in Europa werden aktuell mehr als 40 Prozent aller Staatsanleihen mit negativer Rendite gehandelt. Wohin also nur mit dem eigenen Geld?

          Die Lösung ist nicht neu: Investments in Sachwerte. Dazu gehören nicht nur Gold und Immobilien, sondern auch Aktien. Gold und Immobilien sind für viele Privatanleger oft keine Option. Sie verbinden solche Investments oftmals mit hohen Kosten oder fürchten gerade bei Immobilien das Klumpenrisiko, weil zu viel Geld in nur einem Vermögenswert steckt.

          Geht es nach Banken und Anlageberatern, gibt es nur eine Alternative für renditesuchende Sparer: Aktienfonds. Diese bieten im Vergleich zu den anderen Finanzprodukten eine höhere Rendite und ermöglichen es zudem den Vermittlern Provisionen zu verdienen.

          Die Fonds-Branche verdient gut an diesem Anlagenotstand. „2015 war ein außergewöhnlich gutes Jahr für die deutsche Fondsbranche, und zwar sowohl gemessen am verwalteten Vermögen als auch am Neugeschäft“, sagte Holger Naumann, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, auf der Jahrespressekonferenz des Verbands im Februar. Immerhin verwalteten die Fondsgesellschaften Ende 2015 ein Rekordvermögen von 2,6 Billionen Euro. Das Rekordvermögen ist dabei nicht nur einer gut laufenden Börse, sondern auch den Zuflüssen geschuldet. Immerhin verbuchte die Branche mit Zuflüssen von netto 193 Milliarden Euro in Publikums- und Spezialfonds eine Höchstmarke.

          Langfristig ist der Dax immer gestiegen

          2016 könnte ähnlich gut werden. Allein im ersten Quartal sammelte die Branche netto 28,1 Milliarden Euro ein. Bei den für Privatanleger wichtigen Aktienfonds verzeichnete die Branche allerdings Abflüsse von 1,9 Milliarden Euro. Dafür sind vermutlich die Börsenturbulenzen zu Jahresanfang verantwortlich. Doch kurzfristige Ereignisse an der Börse sollte man nicht so ernst nehmen. (Dividenden-)Aktien spielen ihre Vorteile erst bei langfristigen Anlagezeiträumen aus, unabhängig davon, ob sie über den Umweg Fonds oder – was in Deutschland noch immer untypisch ist – direkt gehalten werden.

          Dass sich das Engagement am Aktienmarkt generell lohnt zeigt das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts, das die langfristige Entwicklung der Aktienanlage in deutsche Standardwerte abbildet. Dabei wird deutlich: Mit breiter Streuung und langfristigem Anlagehorizont bietet die Aktienanlage überlegene Renditechancen, und die Risiken kurzfristiger Kursschwankungen lassen sich beherrschen. Wer beispielsweise Ende 1995 deutsche Standardwerte kaufte und diese bis Ende 2010 hielt, erzielte in diesem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,8 Prozent.

          Am Ende bleibt die Frage, warum so viele Deutsche es sich nicht zutrauen, direkt in Aktien zu investieren und stattdessen auf Fondsprodukte zurückgreifen. Dieser Frage hat sich bereits das Deutsche Aktieninstitut ausgiebig gewidmet. Es kommt zu folgendem Ergebnis: Häufig wissen die Menschen schlicht nicht, wie sich die Aktienanlage mit kleinen Anlagebeträgen, ohne großen zeitlichen Aufwand und ohne ausgeprägte wirtschaftliche Kenntnisse sinnvoll für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge nutzen lässt.

          Es gibt also noch jede Menge Aufklärungsarbeit in Sachen Aktienanlage. Aber sie wird sich lohnen. Denn wenn Aktien als wichtiger Baustein des langfristigen Vermögensaufbaus erkannt und konsequent genutzt werden, dürften sich die Deutschen ihren Wohlstand erhalten können.

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