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Kommentar : Wohin mit dem Geld 2016?

Das Bankenviertel in Frankfurt verschwindet hinter dem Silvesterfeuerwerk. Erst wird Geld in der Silvesternacht verpulvert, dann im neuen Jahr wieder angelegt. Nur wo? Bild: dapd

Wenn nicht einmal die wichtigsten Notenbanker der Welt wissen, was 2016 auf uns zukommt - was soll man da als normaler Anleger tun? Resignation ist bei der Geldanlage jedoch kein guter Ratgeber, Demut hingegen schon.

          Mitte Dezember ist es dann doch noch passiert: Janet Yellen, die Präsidentin der amerikanischen Notenbank Fed, hat zum ersten Mal seit neun Jahren Amerikas Leitzins wieder angehoben - um minimale 0,25 Prozentpunkte. Bemerkenswerter als das Ereignis, das die Börse genau so erwartet hatte, war die Art und Weise, wie Yellen der Weltöffentlichkeit die Entscheidung verkündete. Die schmächtige Frau an der Spitze der mächtigen Fed wirkte nervös, las jeden Satz vom Blatt ab. Immer wieder betonte sie, dass die Zentralbanker ihren Beschluss nach bestem Gewissen getroffen hätten. Dass man aber bereit sei, die Entscheidung zu überdenken, wenn sich die Wirtschaftslage ändere.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So viel Unsicherheit ist beruhigend (weil sie die toughen Zentralbanker so menschlich macht) und beunruhigend zugleich. Denn wenn nicht einmal die wichtigsten Notenbanker der Welt wissen, was 2016 auf uns zukommt - was soll man da als normaler Anleger tun?

          Die Frage „Wohin mit meinem Geld?“ war noch nie leicht zu beantworten, zurzeit aber fällt dies schwer wie selten zuvor. Die Zeitenwende an den Finanzmärkten, die Amerikas Notenbank in der vergangenen Woche eingeleitet hat, ist in ihren Auswirkungen noch unerforscht. Es gibt in der Finanzgeschichte kein Vorbild für eine Zinswende von solch niedrigem Niveau aus.Resignation allerdings ist bei der Geldanlage kein guter Ratgeber, Demut dagegen schon. So wohldurchdacht manche Prognosen auch klingen mögen: Wo Aktien- und Anleihekurse am Ende des nächsten Jahres stehen werden, vermag kein Mensch zu sagen.

          Voraussichtlich keine neuen Rekorde an den Aktienmärkten 2016

          Aber trotzdem gibt es ein paar gesicherte Erkenntnisse, die sich Anleger zu Herzen nehmen sollten. Die erste Erkenntnis ist eine ganz grundsätzliche, die man nicht oft genug wiederholen kann: In Zeiten niedriger Zinsen, in denen wir uns trotz der Mini-Erhöhung durch die Fed ja immer noch befinden, sind die Sparer die größten Verlierer. Tagesgeldkonten, Lebensversicherungen und Bundesanleihen reichen nicht aus, um unseren ganz privaten Wohlstand zu sichern. Das mag keiner gerne hören, es muss aber jedem klar sein, der weiter auf die klassischen Arten des Sparens setzt. Besser wäre es also, wir würden umdenken.

          Daran schließt sich die zweite Erkenntnis an: So unklar die Zukunft auch ist - wer zu viel Geld für die Geldanlage ausgibt, kommt am Ende mit hundertprozentiger Sicherheit auf geringere Renditen. Das fängt ganz profan bei den Gebühren fürs eigene Konto an, setzt sich mit den Kosten fürs Wertpapierdepot fort und endet mit dem Kauf von Anteilen an Investmentfonds. Klassische Fonds nehmen hierfür viel höhere Gebühren als ETF, die die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax exakt abbilden. Leicht zugespitzt muss das Motto also lauten: Weg mit dem teuren Konto bei der Sparkasse, weg mit teuren Aktienfonds!

          Zu Recht wird sich jetzt manch einer denken: Das ist ja alles schön und gut. Aber welche Wertpapiere gehören nun ganz konkret 2016 ins Depot? Davor wollen wir uns trotz aller Unwägbarkeiten nicht wegducken. Hier also die Prognose der Geld-&-Mehr-Redaktion: 2016 wird ein Jahr, in dem die Renditen sicherer Anleihen weiter mickrig sein werden - sie zu kaufen lohnt nicht. 2016 wird ein Jahr, in dem viele hochspekulative Anleihen (High Yield genannt) ausfallen werden - die dazugehörigen, recht populären Fonds sind darum ein echtes Risiko fürs Depot. Und 2016 wird ein Jahr, in dem sich Europas Aktienmärkte besser entwickeln werden als Amerikas Börsen.

          Neue Rekorde werden an den Aktienmärkten 2016 voraussichtlich nicht gebrochen, stärkere Kursschwankungen werden zu beobachten sein. In so einem Umfeld sollten Mutigere zum Beispiel einen ETF auf den Börsenindex Euro Stoxx Europe 600 kaufen, der die Wertentwicklung der 600 größten europäischen Firmen abbildet. Vorsichtigere suchen sich lieber einen günstigen Dividendenfonds, der in Firmen investiert, die verlässlich Dividenden ausschütten und die wenig von der Konjunktur abhängen. Bestes Beispiel nach wie vor: der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé. Und was ist mit Gold? Damit wird auch 2016 kein Staat zu machen sein.

          Janet Yellen jedenfalls wird weiter die Welt bewegen: Ende Januar steht die nächste Fed-Sitzung an. Die Börsenwelt bleibt aufregend.

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