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Die Vermögensfrage : Geld runter vom Konto - und dann?

  • -Aktualisiert am

Alternativen gesucht: Vielleicht lieber eine Wohnung kaufen? Bild: Imago

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) führt auch bei Privatpersonen zu Verlustgeschäften. Alternativen zu den immer häufiger mit Strafzinsen oder Gebühren belegten Konten sind rar und auch nicht ohne Nachteile.

          Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verhängten Negativzinsen haben das Halten von Bargeldreserven nun auch für Privatpersonen zu einem Verlustgeschäft gemacht. Neu verpackte Anlageideen sollen, wie das Versprechen eines Goldenen Vlieses, Alternativen zu strafzinsbelegten oder gebührenbelasteten Konten bringen. Eine vorsichtige Vorgehensweise ist dabei angezeigt, denn die Produkte sind oft komplex und haben ihren Platz nur im Rahmen einer sorgfältig geplanten Anlagestrategie.

          Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland belief sich am Ende des ersten Quartals nach Statistiken der Deutschen Bundesbank auf etwa 2 Billionen Euro. Dies sind 39 Prozent des gesamten Finanzvermögens deutscher Privatpersonen. Durch fällige Anleihen aus goldenen Zinszeiten steigt dieser Betrag weiter an. Nachdem die Raiffeisenbank Gmund das Eis unter Banken gebrochen hat, auch Privatanlegern mit überschaubaren Geldreserven eine Wertaufbewahrungsgebühr in Rechnung zu stellen, wird die Not, nach Alternativen zu suchen, in diesem Kundenkreis akut. So ist es nicht verwunderlich, dass sich nicht nur Anleger, sondern auch vermehrt Finanzanbieter Gedanken machen, wie schon dem nominalen Vermögensverlust Einhalt geboten werden kann. Dies ist es wert, einen kritischen Blick auf die verschiedenen Anlageideen zu werfen.

          Sicherheit steht im Vordergrund

          Sicherheit steht beim deutschen Anleger nach wie vor im Vordergrund seines Anlagewunsches. Nicht von ungefähr optieren viele Anleger heute, Bargeld im eigenen Umfeld vorzuhalten. Allerdings werden größere Abhebungen von Banken schon seit einiger Zeit nicht mehr ohne weiteres ausgeführt. Im Rahmen eines Absicherungskonzeptes mag dies jedoch für Anleger ein valider Baustein von vielen sein. Während Tagesgeldangebote mit Zinsen bei traditionellen Banken nur noch für Neukunden erhältlich sind und damit keinen Schutz vor Kaufkraftverlust bieten, offerieren Direktbanken vor allem mit großem Finanzierungsgeschäft attraktivere Konditionen. Auch unabhängige Vermögensverwalter können vielfach durch ihre Depotbanken interessante Parkmöglichkeiten offerieren. Unter Soliditätsaspekten wird man sich für Anlagebeträge entscheiden, die im Rahmen der Einlagensicherung abgedeckt sind. Im Internet findet man heute auch Zinsvermittler-Plattformen, die die Gelder an europäische Banken weiterleiten. Stellt der Anleger die Qualität des Finanzinstitutes in den Vordergrund, sollte auf solche Anbieter verzichtet werden. Auch Finanzierungsinstitute wie Auto- und Leasingbanken und Angebote, die einer ausländischen Einlagensicherung unterliegen, sind dann mit Vorsicht zu betrachten.

          Eine Alternative zu Euroanlagen können, nach Einschätzung von Regina Costello von der Ars Pecuniae Vermögensverwaltung in Bonn, derzeit Währungskonten sein, in denen beschränkt Zinserträge generiert werden können und nicht mit Wertaufbewahrungsgebühren belastet werden. Sie unterliegen bei deutschen Banken ebenfalls der Einlagensicherung. Wenn auch aufgrund von, mitunter starken, Währungsschwankungen nicht für jedermann geeignet, hat diese Anlagealternative ihren Platz in einer breiten Vermögensverteilung. Unter der Voraussetzung, dass man vergleichsweise starke Währungen fokussiert, könnte ein Engagement interessant sein zum Beispiel in den amerikanischen Dollar mit der Einschränkung, dass das Wahlergebnis im November zu übertriebenen Marktreaktionen führen könnte, den Singapur Dollar, trotz seiner eingeschränkten Nutzung im globalen Handel mit all diesen Qualitäten ausgestattet und, eingeschränkt durch ihre Abhängigkeit von Rohstoffen, den neuseeländischen, australischen und kanadischen Dollar.

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